von unserer Mitarbeiterin Gerda Völk

Bad Staffelstein — Eine Studie in einer Fachzeitschrift über Schmerzmanagement hat in Rosmarie Maier etwas ausgelöst, das nicht nur ihre Sicht auf die Dinge veränderte, sondern auch ihr Tätigkeitsfeld erweiterte. "Ich wusste sofort, dem Thema will ich mich widmen", sagt sie rückblickend. Im Berufsalltag sind der examinierten Altenpflegerin und Lehrerin für Pflege viele Menschen mit Demenz begegnet, wie sie in der Studie beschrieben wurden. Menschen, die unter Schmerzen litten, diese aufgrund ihrer Demenz aber nicht verbal mitteilen konnten. In Petra Mayer hat Rosemarie Maier eine Expertin in Sachen Schmerzmanagement gefunden. Gemeinsam haben sie das Buch "Der vergessene Schmerz" herausgegeben.
Bei ihrem gleichnamigen Vortrag im Kurhotel widmeten sie sich dem Thema sowohl aus der Position des Betroffenen wie auch der Pflegenden. 59 Prozent der Menschen mit Demenz in stationären Einrichtungen leiden unter Schmerzen. "Man geht davon aus, dass die Prozentrate bei Menschen, die zuhause gepflegt werden, weitaus höher ist", erklärt Rosmarie Maier. Schmerzen können sich auf vielfältige Weise äußern, beispielsweise durch die Ablehnung von Essen und Trinken. Das erste, was Menschen mit Schmerzen vergeht, sei der Appetit. Weiter Schmerzindikatoren können ständiges Umhergehen, Schlafstörungen, angezogene Knie oder aggressives Verhalten sein wie beispielsweise Fluchen. Rosmarie Maier nennt als Beispiel eine alte Frau, die jeder in ihre Nähe kommenden Person zugerufen hat: "Ich spalte dir den Kopf!" Ihre Pfleger berichteten, dass die Seniorin sehr aggressiv geworden sei. Dabei litt sie unter starken Kopfschmerzen, konnte sich aber nicht verständlich machen. Nach der Behandlung mit Schmerzmittel habe sich ihr Verhalten deutlich gebessert.

Kein schnelles Urteil fällen

Die Grundlage einer Schmerzeinschätzung beinhalte das gesamte Verhalten und die Befindlichkeit des Betroffenen. Die Referentin gab zu bedenken, dass alte Menschen nicht nur unter Demenz leiden, sondern auch unter anderen Krankheiten wie Arthrose, Osteoporose oder Neuralgien. Rosmarie Maier warnte davor, einen Betroffenen vorschnell zu beurteilen. Häufig würden auch Verhaltensweisen falsch gedeutet als eine Form von Langeweile oder als Bequemlichkeit, wenn jemand partout nicht aufstehen will. Auch wenn eine Person mit Demenz die Frage nach Schmerzen verneint, sollte die Aussage noch einmal hinterfragt werden. "Für den Betroffenen wäre es fatal, wenn er Schmerzen verneint, aber dennoch darunter leidet." Aus Erfahrung weiß Rosmarie Maier, wie schwer der Pflegealltag oft ist. Ein Pfleger, der unter eigenen Schmerzen einen Dementen aus dem Bett hebt, der nimmt vielleicht dessen Schmerzen kaum mehr wahr. Ihr Rat: das Verhalten auch mit anderen Krankheiten in Verbindung bringen. Steht der alte Vater jede Nacht mehrmals auf, könnte er unter einen Harnwegsinfekt leiden. Oder die Mutter kann wegen fortgeschrittener Osteoporose nicht lange im Bett liegenbleiben und wandert deshalb umher. Aufschluss könnte eine vom Arzt verordnete Medikamentengabe über einen Zeitraum von drei Tagen geben.
Forschungen gehen davon aus, dass in der letzten Lebensphase sogar 83 Prozent der Menschen mit Demenz in stationären Betreuungseinrichtungen unter Schmerzen leiden, die zu Inaktivität, Depression und einen Rückgang der Lebensqualität führen, erklärte Petra Mayer.