VON katja glatzer

Schweinfurt — Verworren geht es zu im Prozess gegen einen 21-jährigen Italiener wegen des Überfalls auf eine fahrbare Filiale der Sparkasse Schweinfurt in einem Ortsteil von Werneck. Er soll im November 2013 zusammen mit zwei Frauen - 48 und 49 Jahre alt - und einem weiteren Mann, den Raub ausgeführt haben (wir berichteten). Bei der Tat wurden 20 580 Euro entwendet.
Der Fall wird in drei getrennten Verfahren vor dem Schweinfurter Landgericht, dem Amtsgericht und dem Jugendschöffengericht verhandelt. Der Jugendrichter entschied im vergangenen Oktober, das Hauptverfahren gegen den Italiener auszusetzen, bis ein Urteil im Prozess der Frauen vorliegt, um diese dann als Zeuginnen befragen zu können. Das war jetzt der Fall. Die Staatsanwaltschaft legt dem heute 21-Jährigen zur Last - nach einem bereits gescheiterten Versuch im September 2013 - auch den zweiten Überfall am 19. November mitgeplant zu haben.
Während die Mittäterinnen im Auto auf ihn warteten, soll der Angeklagte mit einem Elektroschocker bewaffnet den Bankangestellten überfallen und eine Geldtasche entwendet haben. Das Opfer, der Schwager der 49-jährigen Angeklagten, muss zum x-ten Mal vor Gericht den traumatischen Vorfall schildern. Es sei kurz vor 18 Uhr gewesen, als er den Sparkassenbus in der Garage parkte. Den Geldkoffer habe er kurz neben sich abgestellt, um das Garagentor mit beiden Händen zu schließen, so der Mitfünfziger. Plötzlich sei der Täter auf ihn zugerannt und habe ihn "volles Rohr" umgestoßen. Danach habe er auf ihn eingetreten. Erkannt hat der Bankangestellte den durch eine Kapuze vermummten Täter aber nicht. Von der Statur her sei er männlich gewesen.
Nach dem Überfall ist der Sparkassen-Mitarbeiter vorsichtiger und misstrauischer geworden, schildert er Veränderungen. Bezüglich der fahrenden Filiale sei einiges umorganisiert worden, "so dass sich ein Überfall definitiv nicht mehr lohnt".
Entlastung für den 21-Jährigen gibt es vor Gericht von der vermeintlichen Komplizin, die sich nach ihrem Urteil (drei Jahre vier Monate) wegen einer Drogenentziehungs-Therapie in einer psychiatrischen Einrichtung befindet.

Verurteilte entlastet 21-Jährigen

Der Italiener sei nicht an Idee und Ausführung beteiligt gewesen. "Er ist einfach nur mitgefahren, weil ihm langweilig war", so die 48-Jährige vor Gericht. Ihre Aussagen sind durcheinander, variieren von denen ihres eigenen Prozesses. Der Raub sei nicht mehr als eine "spinnerte Idee" gewesen, zur Tatzeit seien alle bei ihrer Mutter zuhause gewesen. "Endlich kann ich mal reden", fügte sie an. In ihrem Prozess sei sie ja nicht zu Wort gekommen.
Die Mutter der Angeklagten bestätigt, dass der Italiener zusammen mit ihrer Enkelin am Nachmittag gekommen sei, kurze Zeit später sei auch ihre Tochter mit der Bekannten eingetroffen. Zur Tatzeit gegen 18 Uhr seien alle bei ihr gewesen. Die 49-jährige Bekannte machte von ihrem Aussage-Verweigerungsrecht Gebrauch, da sie Berufung gegen das Urteil (drei Jahre, neun Monate) eingelegt hat.
Der 21-Jährige verhält sich still, gibt es doch bisher nichts, was ihn schwer belastet. Einigen Dorfbewohnern war zwar Wochen vor der Tat ein junger Mann mit weißem Kapuzenpulli aufgefallen, doch genauer identifizieren konnten sie diesen nicht. Auch ein Mann, der vom Tatort wegrannte, konnte nicht zugeordnet werden. Signale vom Handy des 21-Jährigen gibt es nicht. Was fehlt, ist auch das Geld. Zwar wurden bei der 48-Jährigen 3000 Euro Bargeld gefunden, beim Italiener etwa 1500 Euro. Ersteres sei ein Geburtstagsgeschenk gewesen, sagte die Mutter der Verurteilten, letzteres ein Zuschuss seiner Familie, bestätigte die Mutter des jungen Mannes aus Italien schriftlich.
Auf die Täter hingewiesen wurde die Polizei von einem Bekannten des vierten Mitangeklagten, der sich erst unter einem Decknamen gemeldet hatte. Weiter geht der Prozess am Mittwoch, 15. April, um 9 Uhr.