von unserem Redaktionsmitglied 
Andreas Lösch

Ebelsbach — Wir hätten da ein heruntergekommenes Schloss im Angebot, das mit sehr hohen Investitionen und viel Arbeitsaufwand wiederaufgebaut werden muss. Es besteht die Gefahr, dass Sie sich finanziell ruinieren. Interesse?
So könnte eine ehrliche Anzeige in der Tageszeitung zum Verkauf des Schlosses Ebelsbach ausschauen. Denn der Wiederaufbau der alten Gemäuer im Herzen des Dorfes ist eine echte Herausforderung. Es gibt aber Menschen, die mit dem Gedanken spielen, das Schloss zu kaufen: "Es gibt mehrere Interessenten", sagt der Anwalt David Herzog von der Kanzlei Dr. Vocke und Partner in Würzburg. Herzog wurde gerichtlich als Nachtragsliquidator bestellt. Der 46-Jährige ist jetzt quasi vorübergehend vor dem Gesetz der Besitzer des Schlosses, er ist in allen Angelegenheiten verfügungsberechtigt. "Wie ein nachgelagerter Insolvenzverwalter", erklärt er.


Überblick verschaffen

Seine Aufgabe: Sich einen Überblick verschaffen über die Grundbucheinträge des Schlosses, also etwa welcher Wert und welche Schulden vorhanden sind. Und einen Käufer finden, der ein schlüssiges Finanzie-rungs- und Nutzungskonzept vorlegt, mit dem er das Schloss wieder aufbauen will.
Der Gebäudekomplex hat nach Auffassung Herzogs viel Potenzial, aber der Anwalt steht selbst noch am Anfang seiner Arbeit und muss sich erst einen Überblick verschaffen. Er rechne damit, dass es noch etwa zwei Monate dauern wird, "bevor die Rechtslage geklärt ist".


Nicht für einen Euro

Sagen könne er bisweilen, dass es das Schloss nicht zum symbolischen Preis von einem Euro geben werde. Es müsse von vornherein eine gewisse Finanzkraft da sein, allein um dringend notwendige Erstmaßnahmen zu bezahlen, denn die beschädigten Gebäude sind Wind und Wetter ausgesetzt. "Fast alle Dächer sind undicht. Balken faulen weg", sagt Herzog. Auch das Nachtragsliquidationsverfahren muss bezahlt werden, der Verkaufspreis wird somit "entsprechend ausfallen". Hinzu kommen weitere Kosten: Um die Gebäude langfristig aufzubauen, muss der künftige Besitzer mit Investitionen im zweistelligen Millionenbereich rechnen, so schätzt Herzog.
Um das Schloss winterfest zu machen, erklärte Ebelsbachs Bürgermeister Walter Ziegler gestern dem Fränkischen Tag, soll heuer noch der Südflügel, der durch eindringendes Wasser stark beschädigt wurde, renoviert werden. Kosten: etwa 80 000 Euro, die zum größten Teil das Landesamt für Denkmalpflege und mit jeweils rund 8000 Euro Beteiligung der Landkreis Haßberge sowie die Gemeinde Ebelsbach übernehmen werden.
Anwalt David Herzog hat angesichts der sonst sehr strengen Denkmalschutzauflagen eine "gute Nachricht": Weil bei dem Großbrand des Hauptgebäudes im Jahr 2009 sehr große Zerstörung angerichtet wurde, wird es vermutlich beim Wiederaufbau der Räumlichkeiten keine strengen Auflagen geben. Herzog geht davon aus, dass der künftige Besitzer das Gebäude entkernen darf, ohne dabei gegen den Denkmalschutz zu verstoßen. Somit erhöhe sich der Spielraum bei der Erstellung eines Nutzungskonzeptes enorm.


Mit Planen abgedeckt

Nachdem das Hauptgebäude des im 16. Jahrhundert erbauten Renaissanceschlosses im Jahr 2009 nach unaufgeklärter Brandstiftung bei einem Großbrand zerstört worden war, zerfällt die denkmalgeschützte Anlage mehr und mehr. Das Einzige, was seitdem geschah: Maßnahmen zur Notsicherung. So wurde etwa der zerstörte Dachstuhl des Hauptgebäudes mit Planen abgedeckt.
Zuletzt hatte auch ein erst im September dieses Jahres gegründeter Verein Interesse an dem Schloss angemeldet: Der "Schlossverein Phönix Ebelsbach" unter seinem Vorsitzenden Knut Teichmann würde das Schloss gerne kaufen und wieder aufbauen. Verhandlungen mit dem früheren Besitzer brachten keinen Abschluss, nach der Bestellung des Nachtragsliquidators Herzog hat der Phönix-Verein nun einen neuen Ansprechpartner. Teichmann erklärte dem Fränkischen Tag, dass sowohl die Gemeinde Ebelsbach als auch das Landratsamt bislang keine Unterstützung signalisiert haben, nachdem er sein Konzept für das Schloss vorgestellt hatte.Teichmann schwebt vor, das Denkmal mithilfe von Sponsoren und ehrenamtlicher Eigenleistung über einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren wieder möglichst originalgetreu aufzubauen.
Sein Konzept sieht auch die Vermietung der Räume an caritative Vereine und Verbände vor, so könnte laut Teichmann etwa eine Behindertenwerkstatt oder eine Anlage für therapeutisches Reiten eingerichtet werden. Auch Wohnraum sollte vermietet werden, zumal solle das Schloss der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, etwa indem Veranstaltungen wie Mittelaltermärkte organisiert würden. Teichmann bezeichnet sich selbst als Mittelalterfan, für ihn und die bislang insgesamt elf Mitglieder des Vereins sei die Sache eine Herzensangelegenheit.


Überhaupt machbar?

Anwalt Herzog weiß um die Ideen von Teichmann und erklärte, dass er prinzipiell mit jedem Interessenten sprechen und deren Nutzungs- und Finanzierungskonzepte prüfen werde. "Ich habe keine Präferenzen." Ob ein kleiner Verein das Mammutprojekt stemmen kann? Schließlich sind das "Millionen, die da gebraucht werden", gibt Bürgermeister Ziegler zu bedenken. "Zu einem Konzept gehört dazu, dass begründete Aussicht auf Realisierung besteht."