von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg

Lichtenfels — Eine starke Provokation sei seinem Gewaltausbruch vorausgegangen, behauptete der 22-jährige Lichtenfelser Bürokaufmann. Diese hielt Staatsanwalt Stefan Jäger durchaus für möglich. "Es wird nicht nichts gewesen sein", pflichtete er dem Angeklagten bei. Aber der Schlag ins Gesicht eines Gleichaltrigen aus dem Ebens felder Raum kam den Korbstadter trotzdem teuer zu stehen.
"Es tut mir sehr leid, es kommt auf keinen Fall wieder vor", beteuerte der Angeschuldigte. Aber er wiederholte zuvor in dem Verfahren um vorsätzliche Körperverletzung auch, dass man sich über ihn lustig gemacht habe. So soll sein Opfer ihn während einer Party am 27. September 2014 in der Stadthalle gegen 1 Uhr mit Blicken taxiert haben - abfälligen Blicken. Und einem Grinsen.
Als der Betrachter zur Rede gestellt worden sei, habe der noch ein "fette Sau" angefügt. "Da ist mir die Hand ausgerutscht", so der etwas korpulente Mann. Ob er, wie er sagte, nur mit der flachen Hand zuschlug oder gar mit der Faust, war für eine Weile in der Verhandlung von Belang. Denn es löste sich eine Füllung aus dem Zahn des Opfers und das käme doch wohl nicht vor, wenn es sich um das Werk einer flachen Hand gehandelt hätte. Das jedenfalls bemerkte Staatsanwalt Stefan Jäger zu dem Fall.
Rechtsanwalt Bernd Legal, den Beschuldigten vertretend, hielt entgegen, dass die Füllung schadhaft gewesen sein könne. Der Ebensfelder, der unter dem Ausbruch des Lichtenfelsers zu leiden hatte, bestritt zumindest vehement, sich beleidigend geäußert zu haben. Seiner Darlegung nach war ihm der Vorfall gänzlich anders in Erinnerung. So habe er sich mit einer Freundin unterhalten und als der Angeklagte in Gesellschaft eines Freundes, und wohl auf dem Heimweg befindlich, auf seiner Höhe angekommen war, habe der Beschuldigte ihm die Mütze vom Kopf gezogen. Bei der Nachfrage zum Grund "hat er mir sofort eine gelangt".
Demnach hätte eine Provokation einen umgekehrten Verlauf genommen und sei vom Täter ausgegangen. Unstrittig hingegen war, dass der Schläger stark alkoholisiert gewesen ist. Wohl weit über ein Promille hatte er intus, hervorgerufen durch mehrere Biere und wohl auch Cocktails. Auf einer Skala von 1 bis 7 "zwischen nüchtern und voll" sollte der Angeklagte Richter Christoph Lehmann benennen, wie voll er sich damals vorkam. "Sieben", so der Gefragte, zu dem ein als Zeuge auftretender Polizist die Aussage traf, dass er damals "sehr stark alkoholisiert" und "abweisend" gewesen sei. 80 Tagessätze zu 35 Euro forderte Jäger für den Mann, der bislang wegen eines Zigarettendiebstahls aufgefallen war. 50 Tagessätze zu 35 Euro hielt hingegen Legal für angemessen. In seiner letzten Verhandlung am Amtsgericht Lichtenfels fällte Christoph Lehmann sein letztes Urteil. Mathematisch ein Kompromiss zwischen beiden sind die 65 Tagessätze zu 35 Euro (2275 Euro).