Was passt eher zum Motto des Internationalen Museumstages "Spurensuche - Mut zur Verantwortung" am 21. Mai, als der Titel der aktuellen Wanderausstellung "Vergissmeinnicht - Schicksale von jüdischen Kindern in der Zeit des Nationalsozialismus"? Die Präsentation wurde am vergangenen Samstag im "Haus der Kultur - ehemalige Synagoge" in Reckendorf eröffnet.
"Eigentlich ist es erst in zweiter Linie interessant, dass es sich hierbei um Kinder aus den ehemaligen Landkreisen Ebern, Haßfurt und Hofheim handelt", so Projektleiter Daniel Heß über die Ausstellung, die er mit den Schülern eines P-Seminar vom Friedrich-Rückert-Gymnasium Ebern im Semester 2016/17 in Angriff genommen hatte. Lokalpatriotismus sei nebensächlich.
Initiatorin für das Schülerprojekt war Diplombibliothekarin Cordula Kappner aus Haßfurt. Sie suchte einen Partner, mit dem sie ihre letzte, die 30. Ausstellung, durchführen konnte. Es war ihr eine Herzensangelegenheit, all die Daten aus ihrem Privatarchiv, die Kinderfotos in ihren Akten, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Da die Geschichtswissenschaftlerin jüngst verstorben ist, handelt es sich jetzt um ihr Lebenswerk. Und der Appell an die Kinder, den Archivarin Adelheid Waschka während der Eröffnung im Auftrag von Cordula Kappner vorlas, lautete: "Ihr habt das große Glück, hier in einer für euch und für uns ungefährlichen Zeit und in einem friedlichen Land zu leben. Dies war den Kindern und Jugendlichen, mit deren Leben ihr euch beschäftigt habt, nicht vergönnt."


Bezug zu Reckendorf

Den Bezug zu Reckendorf, heute Landkreis Bamberg, konnte die Archivarin anschaulich erklären: Die Orte der VG Baunach gehörten bis 1972 zum Landkreis Ebern. Der Reckendorfer Junge Ludwig Schmidt wurde im Alter von zwölf Jahren im April 1942 von Würzburg aus mit seinen Eltern nach Polen deportiert und dort mit ihnen ermordet. Auch über ihn gab es einen Akt im Archiv, und daher wurde auch für ihn ein Banner erstellt und neben seinem Cousin Gert Zeilberger aus Ermershausen eingereiht.
Die Ausstellung ist selbsterklärend: Blaue Banner geben Information, rote Banner berichten über die ermordeten Kinder, die grünen haben es geschafft zu überleben, meist nur mit Hilfe couragierter Mitmenschen.
Nur wer die Vergangenheit kennt, weiß, wo die Zukunft hingehen soll, hatte zu Beginn der Veranstaltung Erster Bürgermeister Manfred Deinlein (SPD) die zahlreichen Gäste begrüßt.
Die Ausstellung ist bis 18. Juni jeden Sonntag und Mittwoch sowie an Fronleichnam (15. Juni) von 15 bis 17 Uhr im "Haus der Kultur - ehemalige Synagoge", Ahornweg 2, zu besichtigen. Am 21. Mai ist zusätzlich die Genisa-Ausstellung in der Frauenempore geöffnet. Eintritt frei. red