Erinnerungen an den 2013 verstorbenen Frohnlacher Mäzen Willi Schillig werden wach. Legendär waren seine Brandreden nach so manch verlorenem Bayernligaspiel. Der Ehrenpräsident des ruhmreichen VfL ließ es sich vor dem Montagstraining nicht nehmen, die Mannschaft samt Trainern auf dem Nebenplatz vor dem Sportheim um sich zu scharen, um sie mit einem Monolog aus teils drastischen Worten auch schon einmal niederzubügeln.

"Willi war ein schlechter Verlierer", verriet einmal seine Frau Trude. Sie sprach aus Erfahrung, denn nach dem einen oder anderen verlorenen Mensch-ärgere-dich-Duell auf dem heimischen Balkon zog sich Wischi öfters schmollend zurück.

Stefan Finzel zog sich vor kurzem nach einer bitteren Heimniederlage in der Landesliga gegen den FC Lichtenfels nicht zurück. Er wartete auch nicht bis Montag, sondern ging sofort nach dem Schlusspfiff in die Offensive. Wütend stürmte er auf den Sylvia-Platz, um seinen Spielern einmal richtig die Meinung zu geigen. Er sprach sogar von Arbeitsverweigerung und Rufschädigung. Frust und Wut hatten sich beim Hauptsponsor nach einer verkorksten Vorrunde mit enttäuschenden Ergebnissen und noch schwächeren Leistungen angestaut. Der Geldgeber machte seinem Ärger Luft. Recht hat er. Und das Recht dazu hat er auch.

Kurzfristig scheint er seine Ebersdorfer Mannschaft damit erreicht zu haben. Die zuletzt stark kritisierten Landesliga-Kicker zeigten prompt ihre beste Saisonleistung - schossen am Samstag den SV Euerbach-Kützberg gnadenlos mit 8:2 ab. "Plötzlich kombinierten die Jungs wie am Schnürchen. Das hätten sie einmal sehen sollen. Da ging die Post ab", war Finzel zwei Tage nach dem Spektakel immer noch begeistert. Immerhin gegen ein Team, das in die Aufstiegsrunde wollte.

Doch mit einer Brandrede alleine wird der Aufsteiger die Liga nicht halten. Spätestens nach der Weihnachtspause ist dieser eindringliche Appell von Finzel für die meisten Spieler sicher Schall und Rauch.

Dann bleibt aus Ebersdorfer Sicht nur die Hoffnung, dass die Protagonisten auf dem Platz ihre schwierige Ausgangslage im Abstiegskampf kapiert und nicht zu viel Winterspeck angesetzt haben, denn Finzel spricht noch einmal Tacheles, wenn er unverblümt feststellt: "Einige unserer Spieler waren in der Vorrunde nicht fit. Das muss besser werden." Und damit hat er schon wieder recht.