Jetzt sind sie da. Die Weideschweine von Heidemarie und Benno aus Maineck. Sechs an der Zahl, vier Schweine und zwei Eber, weiden nun auf dem großen Areal am Ortsrand von Maineck. Hier sollen sie unter möglichst artgerechten Bedingungen wachsen und groß werden.

Die beiden Eheleute sind gerade zu ihren Ferkeln gekommen, um frisches Wasser und Beifutter zu bringen. Heidemarie fällt gleich auf, dass durch die Sonne zwei Ferkel etwas gerötet am Rücken sind, und Benno handelt gleich und reibt diese mit Schlamm am Rücken ein, um Linderung zu schaffen. Schweine sollen intelligenter sein als Hunde, las Benno schon vor vielen Jahren. Seither lässt ihn der Wunsch nach eigenen Schweinen nicht mehr los. Ihre Lernfähigkeit haben seine während der ersten Woche in Freilandhaltung schon mehrmals bestätigt, denn der Unterschied zum Zuchtstall war groß und fast alles war neu.

Innerhalb eines Tages haben sie den neuen Freilauf kennen und den Elektrozaun nach zweimal Berühren beachten gelernt. Seit der ersten Nacht mit offener Stalltür beschmutzen sie ihr Strohnest kaum noch und suchen ihren Kotplatz abseits von Stall und Futterstelle auf. Wie intelligent ihre Schweine sind zeigt sich auch, dass sie sich nun bei Hitze im Schlamm suhlen oder im Stall ruhen. Jetzt rennen die Tiere zu den Futtertrögen und freuen sich über das mitgebrachte Fressen.

Wie sich die Fütterung weiter entwickelt, wird sich noch zeigen. Bisher haben sie Muttermilch und Getreideschrot gekannt. Erst zögerlich, doch nach einer Woche scheint ihnen das frische Grün besser zu schmecken als das Getreide. Ausgelassen nutzen die Tiere den großen Bereich und fressen friedlich Gras und Wurzeln. "Die Tiere zeigen mit ihrem ganzen Verhalten, wie sauwohl sie sich fühlen", so Benno.

Bauausschuss zwei Mal ab

Bis es soweit kam, war es ein langer Weg für die Eheleute. Im März 2017 stellten sie einen Antrag für die Haltung bei der Gemeinde Altenkunstadt. Der zuständige Bauausschuss lehnte mehrheitlich ab. Die untere Aufsichtsbehörde, das Landratsamt, vertrat die Ansicht, dass der Bauantrag genehmigungsfähig sei und wies den Antrag zurück an die Gemeinde. Erneut wurde der Antrag im Bauausschuss behandelt und erneut abgelehnt. Das Landratsamt Lichtenfels hob die Entscheidung jedoch auf und erteilte den Antragstellern die Genehmigung. Danach war der Weg frei für das Vorhaben, und Heidemarie und Benno begannen das Grundstück für die Haltung vorzubereiten.

Ein kleiner Stall bietet den Schweinen Schutz vor Unwetter und dient als Schlafgelegenheit. Das rund einen Hektar große Gelände wurde mit einem doppelten Zaun ausgestattet. Der äußere dient als Schutz vor anderen Wildtieren, der innere, um die Schweine abzugrenzen. Der innere Bereich wird immer wieder erweitert, und so haben die Ferkel die Möglichkeit, neues Futter zu suchen. Dass es sich hier nicht um einen Streichelzoo handelt, dürfte allen klar sein, dennoch freuen sich Benno und Heidemarie über große und kleine Gäste, die sich nach ihren Weideschweinen umsehen und sie beim Größerwerden beobachten.