Das Umfeld der "Unteren Stadt" in Burgkunstadt, insbesondere die Bahnhofstraße, hatte auch in der Entwicklungsgeschichte der Schuhindustrie von Burgkunstadt einen besonderen Stellenwert. Neben der Lichtenfelser und der Kulmbacher Straße siedelten sich hier einstmals die größten Schuhfabriken von "Klein-Pirmasens", wie Burgkunstadt aufgrund seiner wirtschaftlichen Bedeutung manchmal genannt wurde, an. Namen wie Püls, Kreuch (vor allem in Altenkunstadt), Hühnlein, Büttner (in der Oberstadt von Burgkunstadt), Pretzfelder & Riexinger sowie die Obermain AG verliehen diesem Raum am Obermain über Jahrzehnte hinweg ihre Prägung. Die erste mechanische Schuhfabrik war schon 1888 entstanden.

Die Firma Hühnlein & Co. hatte ihren Ursprung in Strössendorf und betrieb einen Handel mit landwirtschaftlichen Produkten, wobei die beiden Söhne, Johann August und Otto, die bei der Schuhfabrik Püls in die Lehre gegangen waren, 1919 den Schritt in die Selbstständigkeit wagten. Dies geschah im sogenannten "Felsenbeckenhaus", am Aufgang zur Lend. Neben dem landwirtschaftlichen Sortiment nahmen sie Schuhmacherbedarfsartikel, Gerbrinde, Leder, usw. in das Sortiment mit auf. Und das Unternehmen entwickelte sich aufstrebend, so dass sich die Brüder entschlossen, an der Bahnhofsstraße ein neues und eigenes Wohn- und Geschäftsgebäude zu errichten.

Ein schwerer Schicksalsschlag

Dabei traf auch ein schwerer Schicksalsschlag die Familie, denn am 26. April 1925 starb Johann August Hühnlein im Alter von nur 34 Jahren. Otto Hühnlein, der zwischenzeitlich Mary Schuh, die Schwester der späteren Versandhauschefin Kathi Baur, geheiratet hatte, führte das Unternehmen nun alleine weiter. Es stellte bald auch Hausschuhe und Schäfte her, wobei für Letztere vor allem die Maßschuhmacher zu dieser Zeit dankbare Abnehmer waren.

Otto Hühnlein gliederte 1930 seinem Unternehmen eine Sohlenstanzerei und eine Schnellbesohlungsanstalt an. Als eines der Erfolgsmodelle zur damaligen Zeit erwies sich jedoch die Sandalenfertigung: 1938 betrug die Jahresproduktion 1,2 Millionen Sandalen, die selbst in viele afrikanische Länder bis an die Goldküste exportiert wurden.

Das Firmenareal am Schwarzen Graben in Burgkunstadt hatte schon mehrfach Erweiterungen erfahren. Als die Nachfrage nach Hausschuhen immer umfangreicher wurde, entschied sich Otto Hühnlein im Jahr 1938, die leer stehenden Räumlichkeiten der einstigen Schuhfabrik Schonath & Behringer im heutigen Altenkunstadter Gemeindeteil Woffendorf zu erwerben. Er verlegte einen erheblichen Teil seiner Produktion dorthin und baute so die Fertigungskapazitäten weiter aus.

Ein kleines Küken als Logo

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Sortiment mit Herrenschuhen und modernen Damenschuhen ergänzt. Marken wie "Passat" und das Firmenlogo, ein kleines Küken mit ausgebreiteten Flügeln (ein "Hühnlein" eben), prägten dabei das Unternehmen. 1956/57 erfolgte in Woffendorf eine Werkserweiterung. Die Firma Hühnlein beschäftigte damals zeitweise bis zu 450 Mitarbeiter an ihren Standorten.

Am 30. Juni 1974 war Schluss

Allerdings hinterließ auch die fortschreitende wirtschaftliche Entwicklung ihre Spuren. Der Lohn- und Preisdruck, insbesondere durch Produkte aus dem Ausland, nahm immer stärker zu. Im Frühjahr 1974 verkündete die Geschäftsleitung der Otto Hühnlein GmbH ihre Entscheidung, die Schuhfabrik zum 30. Juni 1974 zu schließen. Entscheidend dafür waren aber nicht finanzielle Gründe, denn das Unternehmen war stets liquide, sondern vor allem die Tatsache, dass der Inhaber Otto Hühnlein, mittlerweile verwitwet und achtzigjährig, keine Nachfolgeregelung für sein Unternehmen finden konnte. Sein einziger Sohn und Erbe war in den letzten Kriegstagen 1944 bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen. Damit ging ein weiteres Kapitel der Schuhgeschichte von Burgkunstadt zu Ende.

Die Familie Hühnlein fand auf dem Friedhof der Schuhstadt, gleich neben der von der damaligen Firma Hans Püls gestifteten großen Kreuzigungsgruppe, ihre letzte Ruhestätte. Sie haben wie auch weitere große Namen wie Baur, Püls, Riexinger et cetera über Jahrzehnte hinweg in der Schuhindustrie und im Handel Tausenden von Menschen Arbeit und Brot gegeben und sich als große Förderer ihres Heimatortes, sei es auf kulturellem Gebiet, im kirchlichen Bereich oder bei der Unterstützung der Vereine, erwiesen. Sie werden deshalb auch den folgenden Generationen in guter Erinnerung bleiben.