"Es wäscht einem den Kopf manchmal gut durch", erklärte am Donnerstag ein Mann zu dem Denkzettel, den er im Amtsgericht erhielt. Weil er säumig im Zahlen von Geldern nach einer von ihm begangenen gefährlichen Körperverletzung war, hatte ihn die Justiz wieder.
Um 7 Uhr klingelte die Polizei bei dem Steinwiesener, um ihn abzuholen. Richter Stefan Jäger mochte sich einfach nicht darauf verlassen, dass der 30-Jährige alleine seinen Weg nach Lichtenfels finden würde. Auf Post reagierte der Mann nämlich nicht. Als er dann vor ihm und Staatsanwältin Sarah Röll saß, klang es auch nicht so, als ob er ein Kommen vorgehabt hätte. Tatsächlich traf er nämlich keine Vorbereitungen, sich bei seinem Chef für den Tag zu entschuldigen.
Was dem als Fahrer arbeitenden Mann zur Last gelegt wurde, war ein Verhalten, das er im Juni 2016 in einem Lokal im Raum Burgkunstadt an den Tag legte. Oder besser gesagt an die Nacht, denn um 0.45 Uhr zeigte der Mann ohne Grund einer Gruppe von Männern seine Tätowierung und löste so einen Tumult aus. Im Verlauf dessen warf er einem anderen Mann ein Glas gegen den Kopf. Die Folge: Prellung und Kopfschmerzen.


Gardinenpredigt der Anklage

Die Erinnerungen zu dem Vorfall waren bei dem Angeschuldigten nicht sehr ergiebig. "Der wenn vor mir stehen würde...", sinnierte der 30-Jährige und beendete es mit einem Kopfschütteln als dem Eingeständnis, dass er sein damaliges Opfer nicht erkennen würde. Einen gewichtigen Anteil daran hatte seine enorme Alkoholisierung, die bei über zwei Promille lag. Der friedfertig auftretende Mann erklärte, nur an Wochenenden zu trinken. Dann aber können vier, fünf Biere dabei sein und manchmal komme noch Schnaps dazu. Mit diesem Kontingent, getrunken in Spielcasinos, sei er am 10. Juni auch mit Kumpels per Taxi von Kronach nach Burgkunstadt gefahren.
Doch sehr viel mehr Erinnerungen stiegen nicht in dem Mann auf. "Hatten Sie öfter einen Filmriss?", erkundigte sich Stefan Jäger. "Ich werde jetzt 30, da waren schon ein paar dabei", so die Antwort des Gefragten. Im Grunde war die Angelegenheit schon vor Monaten ausgestanden, wurde dem Fahrer doch aufgetragen, einen Vergleich zu bedienen und 500 Euro an eine soziale Einrichtung zu zahlen, sowie 1000 Euro an den Geschädigten. Nur zahlte der Mann einfach nie.


"Das trifft ihn härter"

Das brachte ihm eine Gardinenpredigt durch Staatsanwältin Röll ein. "Beim Vergleich nichts gezahlt, auf Post nicht reagiert. Sie leisten sich einen Schnitzer nach dem anderen. Ich bin kein Freund davon, Strafrahmen zu verschieben bei Leuten, die sich hemmungslos besaufen (...) es spricht nichts für Sie."
"Wenn ich eine auf den Deckel kriege, muss ich das hinnehmen", erklärte der Steinwiesener in verständigem Ton. Die Auflagen gegen ihn wurden in gleichem Rahmen erneuert, aber hinzu kommt nun für den beruflich stark eingespannten Mann die verschärfende Auflage, noch zusätzlich 20 Arbeitsstunden zu verrichten.
"Das trifft ihn härter als jemanden, der arbeitslos ist und eh gerade Zeit hat", kommentierte Richter Jäger, der nun auch eine Geldauflage durch Ratenzahlung festzurren ließ.