Auch in Mannsgereuth erinnert man sich gerne an "30 Jahre Deutsche Einheit". Beim Gesangverein "Zum Lindenbaum" waren sich die beiden damaligen Vorsitzenden Werner Knoth und Gustav Spörlein nach der Grenzöffnung am 9. November1989 sofort einig: "Wir fahren nach Judenbach!" Nachdem bei der Gründung des Gesangvereins im Jahr 1950 Willi Krempel aus dem thüringischem Judenbach der erste Dirigent war - sein Grab befand sich auf dem Friedhof in Beikheim - musste mit den Sängern aus Judenbach Verbindung aufgenommen werden.

Die damalige Vereinswirtin Dora Kestel hatte immer Kontakt mit der Familie Krempel und so fand man schnell Kontakt. Nach ersten Anrufen bei den Söhnen Hans und Ulrich Krempel kam sofort Begeisterung auf.

Bereits Ende November fuhren dann die beiden Vorsitzenden nach Judenbach zu einer Singstunde des Männerchores. Man musste durch Grenzkontrollen, Fragen beantworten, "Kofferraum auf", hieß es damals kurz nach der Öffnung noch. Aber es ging problemlos. Am Rande der Singstunde dann großes "Hallo" und freundliche Umarmungen. Vorsitzender Werner Knoth sagte spontan: "Am Europatag, 5. Mai 1990 kommt ihr nach Mannsgereuth, wir feiern da unser 40-jähriges Jubiläum." Bei einer Singstunde in Welitsch wurde dann alles perfekt gemacht.

Um die Grenzöffnung, aber auch das 40-jährige Jubiläum des Lindenbaums richtig feiern zu können, hatten die Sänger für Übernachtungsmöglichkeiten der Judenbacher Gäste gesorgt.

Bereits nach der Ankunft am frühen Nachmittag an der Dorflinde in Mannsgereuth wurden von den Sängern erste Kontakte aufgenommen.

Der Höhepunkt war dann der Ehrungs- und Jubiläumsabend am Abend im Saal der Gastwirtschaft Kestel. Neben dem Mannsgereuther Männerchor bestach der Männerchor Judenbach, ein Spitzenchor in der damaligen DDR durch hervorragende Liedvorträge, die die Zuhörer förmlich von den Stühlen rissen.

Der damalige Vorsitzende Werner Knoth zeigte sich über den Besuch der Judenbacher sehr erfreut. Auch hatte er organisiert, dass der Judenbacher Chor am 1. Juli 1990 am "Europäischen Tag der Musik" in Küps teilnimmt. Der Redwitzer Bürgermeister, es war damals Jochen Neumann, stellte den Wahlspruch "Singen heißt verstehen" in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Anschließend wurden Gastgeschenke ausgetauscht und in gemütlicher und in einer sehr freundschaftlichen Runde zusammen mit vielen Mannsgereuthern, aber auch Gästen aus der Sängergruppe Steinachtal und benachbarten Orten das Jubiläum gefeiert.

"Unvergesslich!" hieß der einheitliche Tenor dieses deutsch-deutschen Abends. Auch beim 50-jährigen Bestehen des Gesangvereins "Zum Lindenbaum" Mannsgereuth im Jahr 2000 war es für die Judenbacher eine Ehre, nach Mannsgereuth zu kommen. Auch hier bestachen die Sänger aus Thüringen mit ihren hervorragenden Beiträgen. Bis heute bestehen vereinzelt auch weiterhin noch freundschaftliche Beziehungen.

Fragt man heute Werner Knoth, kommt die Antwort: "Wir - ich meine, neben meiner Person den Zweiten Vorsitzenden Gustav Spörlein, Chorleiter Herbert Stumpf und Ehrenvorsitzenden Oswald Vetter - haben gleich nach der Grenzöffnung gehandelt. Wir waren das auch unserem ersten Chorleiter Willi Krempel aus Judenbach schuldig, der den Chor gemeinsam mit uns aufgebaut hat." wkn