"Die Diakonie bleibt in Presseck." Das hat die Diakonie Hochfranken über ihren Pressesprecher bestätigen lassen (wir berichteten). In der Stellungnahme im Nachgang zu Vorwürfen von Bürgermeisters Christian Ruppert und der Vorsitzenden des Diakonievereins Presseck-Grafengehaig, Heidrun Hemme, hatte der Verband ausdrücklich Befürchtungen widersprochen, wonach die ambulante Pflege im Oberland ganz eingestellt werden könnte, wenn die Diakoniestation im Alten Rathaus zum 30. Juni geschlossen wird. "Die Gemeinde schaut positiv in die Zukunft und hofft, dass die Diakonie Wort hält," reagiert Ruppert auf diese Erklärung aus Hof. "Es ging uns immer nur um die Pflegebedürftigen und dass ein verlässlicher Partner vor Ort ist".

Anfragen für neue Nutzung

Dass das Alte Rathaus erst vor fünf Jahren für die Bedürfnisse der Diakoniestation saniert wurde und nun nicht mehr gebraucht wird, sei für die Kommune traurig, aber nicht das Problem. Es werde weiter für soziale Einrichtungen genutzt, es gebe schon Anfragen. Dennoch seien er und der Diakonieverein von der plötzlichen Kündigung überrumpelt worden. Es sei nämlich nicht so, dass beim letzten Sondierungsgespräch Ende 2020 in Presseck davon die Rede gewesen sei, "dass es keine weitere Nachnutzung der Räume durch Angebote der Altenhilfe mehr geben wird."

Vielmehr, so der Bürgermeister, sei bei diesem Gespräch seitens der Diakonie "eine positive Zukunft dargestellt" worden, in der über "weitere Nutzungsmöglichkeiten" nachgedacht werde. "Es hieß, Presseck sei nicht das Hauptproblem, vielmehr wäre ein Standort der Diakonie Hochfranken im Kreis Kulmbach sicher von Vorteil."

Auch sei bei besagtem Gespräch von Seiten der Diakonie zugesagt worden, dass man nochmals auf die Gemeinde und den Diakonieverein zugehen und Informationen zum weiteren Vorgehen frühzeitig übermitteln werde. Dies sei jedoch nicht geschehen. Vielmehr sei nur die Kündigung der Räumlichkeiten per Post eingetroffen. Deshalb hätten Pfarrerin Hemme und er die schlechte Kommunikation moniert.

Dass die ambulante Pflege funktioniert, stellt der Bürgermeister nicht in Abrede. Er nehme die Diakonie Hochfranken im Interesse der Pflegebedürftigen beim Wort und vertraue auf die Zusage, dass die ambulante Pflege gesichert bleibt. Aber: Auch wenn sich Hochfranken dazu nicht geäußert habe, sollte nicht verschwiegen werden, dass es dem vormaligen Betreiber, der Zentralen Diakoniestation (ZDS) in Münchberg, anzulasten sei, "dass die Station in Presseck den Bach runter ging".

"Fehler künftig vermeiden"

Der Vorwurf der Misswirtschaft steht im Raum. "Es gefällt mir nicht, wenn den Pflegerinnen eine Schuld oder Mitschuld zugeschanzt werden soll. Die haben ihre Arbeit gemacht." Er sei mehrfach von Pflegebedürftigen, Angehörigen und Pflegerinnen angesprochen worden, dass es bis 2020 "überhaupt nicht gut mit der Pflege" gelaufen sei. Er sei auch dafür gewählt worden, um die Probleme deutlich anzusprechen und nicht, um sie unter den Tisch zu kehren. "Die Fehler muss man künftig vermeiden."

Den Pflegebedürftigen und deren Angehörigen gehe es nämlich nicht nur um die "technische" Betreuung an sich. Vielmehr sei ihnen die Diakonie eine Herzensangelegenheit, "für die sie sich im Diakonieverein oft über Jahrzehnte engagiert haben." In diesem Sinn habe man seinerzeit der ZDS in Münchberg die Aufgaben vertrauensvoll übertragen, als diese rein ehrenamtlich nicht mehr zu bewältigen gewesen seien. "Die politische Gemeinde kann nur die Rahmenbedingungen stellen. Das Ausfüllen der Aufgabe ist Angelegenheit der Diakonie."