Seit 24 Jahren haben Luise (79) und Manfred Morck (80) einen Dauerparkplatz in der Tiefgarage unter dem Zentralparkplatz. Jeden Monat kostet dieser Stellplatz 50 Euro. Das Ehepaar wohnt in der Spitalgasse, muss nur über die Straße gehen - und schon ist es in der Tiefgarage. Das Auto steht so im Sommer und im Winter trocken und sicher. Alles eine komfortable Situation, fanden die Morcks.

Doch plötzlich durfte das Ehepaar mit dem Toyota Yaris Hybrid nicht mehr auf den Dauerparkplatz. Überrascht nahmen sie das Verbotsschild am Eingang der Tiefgarage zur Kenntnis - und hielten sich dran. "Wir haben im Vorfeld keine Informationen bekommen", prangert Manfred Morck an. Nachdem das Ehepaar quasi "ausgesperrt" wurde, setzte es sich mit der Stadt Kulmbach in Verbindung. Dort bot man den Morcks zunächst an, doch in das Parkhaus Basteigasse zu wechseln. Glücklich wäre das Ehepaar darüber nicht gewesen, weil es dann weit hätte laufen müssen. Und mit 79 und 80 Jahren sind die Senioren nicht mehr so gut zu Fuß, dass sie sich das zumuten wollten.

"Aber die Auskunft war dann sowieso falsch. Denn nach wenigen Tagen hat das Verbot ja auch für dieses Parkhaus gegolten", bringt Luise Morck die Sachlage auf den Punkt. "Wir sind sehr verärgert über die Stadt. Wir haben angerufen, aber die Zuständige war nicht da, hatte Urlaub. Und wir haben bis heute nichts gehört - auch keine Entschuldigung oder Rückerstattung des bereits abgebuchten Beitrags oder so", schimpft Luise Morck.

Zum ersten Mal auf einer Demo

Das Ehepaar hat jetzt selbst eine Lösung herbeigeführt: "Der Hybrid war ein hervorragendes Auto. Der ist gefahren wie der Teufel. Das Auto war wirtschaftlich, und es hatte auch keinen Lithium-, sondern einen Nickel-Akku", erklärt Manfred Morck die technischen Details.

"Wir haben jetzt wohl oder übel den Rückschritt gemacht, weil wir einfach das Auto in der Garage parken wollen, weil die nah ist", sagt Luise Morck. Kurzerhand hat Toyota Hahn dem Ehepaar einen Yaris-Benziner vermittelt. Ein gebrauchtes Fahrzeug mit gelben Rallye­-Streifen. "Zum Glück konnten wir uns das neue Auto leisten", sagt Luise Morck. Durch das Elektro-Auto- und Hybridautoverbot war das Ehepaar zum ersten Mal auf einer Demo. "Das war wirklich gut. Michael Möschel hat das sehr gut organisiert. Wenn ich auch so reden könnte, hätte ich weitergekämpft", sagt Luise Morck. Auch für Manfred Morck war es die erste Demo seines Lebens. "Aber in unserem Alter wollen wir Frieden. Wir verstehen die Entscheidung nicht, denn unser Hybrid war sicher."

Noch keine Entschuldigung

Dass die Stadt Kulmbach auf dem Zentralparkplatz acht Parkplätze für Autos, die nicht mehr in die Tiefgarage dürfen, ausgewiesen hat (im Landkreis sind mehr als 1200 Elektro- und Hybridfahrzeuge angemeldet), ist für die Morcks kein Argument. Denn ihr Hy­brid bringt es nicht auf eine rein elektrische Reichweite von 50 Kilometern.

Damit haben die Morcks auch keinen Anspruch auf ein E-Kennzeichen. Somit dürften sie auf diesen neu ausgewiesenen Parkplätzen, die allerdings immer wieder von Verbrenner-Pkws zugeparkt werden, ohnehin nicht parken.

"Wir finden es einfach traurig, was die Stadt da entschieden hat", sagen Luise und Manfred Morck einhellig und betonen, dass beide gerne einen Beitrag zur umweltfreundlicheren Fortbewegung geleistet hätten.

Dass die Stadt Kulmbach sich bislang noch nicht bei dem Ehepaar entschuldigt oder gemeldet hat, hält Pressesprecher Jonas Gleich "für einen Einzelfall und für ein bedauerliches Versehen".

"Wenn wir jünger wären, hätten wir die Sache durchgekämpft", sagt Luise Morck und fügt sich jetzt der Entscheidung der Stadt. Für die Morcks hat sich die Sachlage durch den Kauf des Benziners erledigt.

Nicht ganz so einfach sieht Barbara Hahn die Sachlage: "Ich muss Kunden jetzt wieder viel mehr erklären, dass es sich bei einem Hybrid nicht um eine rollende Zeitbombe handelt." Sie hofft, dass der Umtausch keine Schule macht.

Wie geht's jetzt weiter?

Ob und unter welchen Bedingungen Elektro- und Hybridfahrzeuge in die Tiefgarage dürfen, ob die Feuerwehr mit zusätzlichem Material ausgestattet wird, damit sie - wie in anderen Kommunen auch - ein brennendes Auto löschen kann oder ob das Verbot bestehen bleibt, hätte in der März-Sitzung der Stadt Kulmbach auf der Tagesordnung gestanden. Doch jetzt wurde der Tagesordnungspunkt in die April-Sitzung verschoben.