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Rotmilian

Wasserkuppe (me). Die Rhön hat mit dem Rotmilan ein neues Wappentier gefunden. Als "Charaktervogel der Rhön" soll er künftig gelten. Für das Naturschutzprojekt wurde von der Präsidentin des Bundesamtesfür Naturschutz (BfN) Prof. Beate Jessel der Zuwendungsbescheid in Höhe von 700.000 Euro an die ARGE Rhön übergeben und damit der Startschuss für das Rotmilanschuztprojekt in der Rhön gegeben.
Aufgrund fortschreitender Veränderungen in der Argarlandschaft nehme der Bestand des beeindruckenden Greifvogels seit Jahren ab. "Denn in den intensiv genutzten Landschaften findet der Rotmilan nicht genügend Nahrung zur Aufzucht seiner Jungen", sagte Beate Jessel. Mit dem Naturschutzprojekt "Artenhilfsprojekt Rotmilian in der Rhön" soll diese negative Entwicklung gestoppt werden.
Zwar sei der Rotmilan nicht vom Aussterben bedroht, doch er stehe auf der Liste der Arten, für die Deutschland eine besondere Verantwortung trage. "Der Rotmilian ist ein echter Europäer und mehr als die Hälfe aller auf der Welt vorkommenden Rotmiliane brüten in Deutschland", so Jessel. Sein Verbreitungsgebiet der etwa 20.000 bis 25.000 Brutpaare beschränke sich ausschließlich auf Europa. 200 Paare brüten alleine in der Rhön. Damit stelle die Rhön einen bedeutenden Verbreitungsschwerpunkt der Art dar und eigene sich hervorragend für das Naturschutzprojekt.
Leider habe die Anzahl der brütenden Paare in den letzten 20 Jahren deutlich abgenommen. Einer der Hauptgründe für diese negative Entwicklung, sei die insgesamt zunehmende Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung. Der Rotmilan sei auf abwechslungsreiche, kleinstrukturierte Landschaften mit Wiesen, Weiden und Wäldern angewiesen. Nur dort könne er ausreichend Nahrung zur Aufzucht der Jungtiere finden. Doch diese Lebensräume finde der Rotmilan in der heutzutage vielerorts ausgeräumten Agrarlandschaft immer seltener. Hinzu komme die Gefährdung durch Windkraftanlagen, Stromleitungstrassen und illegale Verfolgung.
In der Rhön finde der Rotmilan immer noch vergleichsweise günstige Landschaftsstrukturen vor. Die Landschaft sei geprägt durch einen hohen Grünlandanteil, zahlreiche kleine Laubwälder und Feldgehölze sowie eine insgesamt kleinstrukturierte Landschaft. Aber auch hier schreite der landwirtschaftlich Strukturwandel ungebremst voran. Grünlandumbruch, der steigende Anbau von Raps und Mais sowie der Verlust von gliedernden Landschaftsstrukturen wirken sich negativ auf den Bestand es Rotmilans aus.
Diesen negativen Bestandstrend will die ARGE Rhön mit dem Vorhaben "Artenhilfskonzept Rotmilan in der Rhön" stoppen und eine Steigerung der Rotmilanpopulation initiieren. Das Projekt orientiere sich an den naturräumlichen Grenzen des Mittelgebirges Rhön und umfasse sechs Landkreise in drei Bundesländern.
Um den Lebensraum für diesen charismatischen Greifvogel attraktiver zu machen und ihn bei der Aufzucht der Jungen zu unterstützen, sollen in enger Zusammenarbeit mit den Landwirten der Region verschiedene, auf die Ansprüche des Rotmilans angepasste Maßnahmen in der Agrarlandschaft umgesetzt werden. Dazu zähle unter anderem die Erhöhung des Grünlandanteils und die Förderung des Anbaus von Hackfrüchten und Luzerne.
Brütende Rotmilane brauchen zu dem sehr viel Ruhe. Daher werden neben den Maßnahmen in den Nahrungshabitaten auch Maßnahmen im unmittelbaren Umfeld der Horste umgesetzt, wie die Einrichtung von Horstschutzzonen, in denen Waldarbeiten eingeschränkt werden, Maßnahmen zur Besucherlenkung und das Anbringen von Metallmanschetten zum Schutz der Horste vor kletternden Beutegreifern, wie dem Waschbär. Diese Maßnahmen sollen den Bruterfolg zusätzlich steigern.
Der Rotmilan gelte außerdem als sehr windenergieempfindliche Vogelart. Vor dem Hintergrund der Energiewende und dem verstärkten Ausbau von Windenergieanlagen seien die Rotmilanverluste deutschlandweit in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Die Rhön sei bisher frei von Windenergienanlagen. Um Verluste des Rotmilans durch Windkraftanlagen im Projektgebiet auch künftig zu vermeiden, werde die Planung und Genehmigung von Anlagen aktiv begleitet, um rotmilianfreundliche Lösungen zu arbeiten.
Um die Begeisterung für den Rotmilan auch in der Öffentlichkeit zu wecken, sei die Erarbeitung von Unterrichtsmaterialien für Schulen in der Rhön sowie Informations- und Fachveranstaltungen sowie eine Wanderausstellung geplant.
Als Grundlage für die vielfältigen Maßnahmen werden die Horststandorte und Reviere der Rotmilane sowie der Bruterfolg von einem Netzwerk ehrenamtlich tätiger Menschen regelmäßig erfasst. "Wir erwarten von dem Projekt wertvolle Ergebnisse für die Politikberatung und Hinweise, mit welchen Maßnahmen die Ansprüche des Rotmilans bestmöglich erfüllt werden können", so die Professorin. Nicht allein wegen seines drei Bundesländer übergreifenden Projektansatzes, sondern auch wegen der Modellhaftigkeit und Übertragbarkeit auf andere grünlandgeprägte Gebiete Deutschlands, liege das Vorhaben im erheblichen Interesse des Bundes.
Neben Dankesworten von Fuldas Landrat Bernd Woide, der im Namen seiner Landratskollegen Thomas Habermann (Rhön-Grabfeld) und Thomas Bold (Bad Kissingen) sprach, stellte Martin Hormann von der Staatlichen Vogelschutzwarte Hessen, den Rotmilan in beeindruckenden Bildern und mit vielfältigen Informationen zu Verbreitung, Schutz und Gefährdung vor.