von unserer Mitarbeiterin Sabine Weinbeer

Haßfurt — Viele ältere Menschen können sich an den Slogan der 1960er Jahre erinnern: "Schluckimpfung ist süß - Kinderlähmung ist grausam!" In Deutschland ist die Poliomyelitis - wie die Kinderlähmung medizinisch korrekt heißt oder kurz Polio - heute kein Thema mehr, erklärt Helmut Hümmer, der Präsident des Rotaryclubs Haßfurt. Das war nicht immer so, unterstreicht er und weist auf das Engagement der Rotarier weltweit hin.
Poliomyelitis ist eine von Viren ausgelöste Infektionskrankheit. Sie ist nicht heilbar. Man kann nur die Symptome (Lähmungen) lindern. Der einzige Schutz ist nach wie vor die Impfung.
Noch im letzten Jahrhundert wütete Polio auf allen fünf Kontinenten - heute ist sie fast verschwunden. Auf den Philippinen gelang Rotary Ende der 1980er Jahre der Nachweis, dass Polio sich durch konsequente Massenschluckimpfungen auch in Dritte-Welt-Ländern besiegen lässt.

Heute ist Welt-Polio-Tag

Weltweit gibt es noch drei Länder, in denen Polio auftritt: Afghanistan, Pakistan und Nigeria. "Um im Zeitalter des weltweiten Tourismus eine Wiederausbreitung zu verhindern, muss Polio auch in diesen drei Ländern bekämpft und besiegt werden. Darauf will uns der heutige Welt-Polio-Tag hinweisen", erklärt Hümmer im Gespräch mit unserer Zeitung.
Aber: In Syrien erkranken seit Herbst 2013 erstmals seit 1999 wieder Kinder an Polio. Die Kriegswirren haben die Durchimpfungsrate im Land von 91 auf 68 Prozent fallen lassen. In Zeiten großer Flüchtlingsströme und unhygienischer Lebensbedingungen ist die Gefahr groß. So müssen die Kinder in Flüchtlingscamps oder Nomadenlagern geimpft werden, fordert Hümmer.