Voll besetzt waren am Montagabend bei der Gemeinderatssitzung alle rund 60 Besucherplätze. Die Gäste waren gekommen, um sich über die weiteren Vorstellungen der Gemeinde für das Baugebiet "Röttenbach West" zu informieren. Das nach einem Bürgerentscheid seit 2016 in Planung befindliche Projekt steht vor einer Überarbeitung. Der Gemeinderat diskutierte die vorgebrachten Einwendungen und gab Stellungnahmen zum Verfahren ab.

Was die Änderungen am bisherigen Flächennutzungs- und Landschaftsplan betrifft, ging es bei den meisten Einwendungen um angeblich falsch ausgewiesene Flächen, Eingriffe in Eigentumsrechte und Probleme der Oberflächenentwässerung. Die Gemeinde wies darauf hin, dass grundsätzlich das Bauleitplanungsrecht nicht von privaten, zivilrechtlichen Vereinbarungen betroffen ist und Änderungen nicht willkürlich, sondern im Rahmen städtebaulicher Planungserfordernisse erfolgten.

Später Thema

Die Oberflächenentwässerung sei nicht Gegenstand der vorbereitenden Bauleitplanung, sondern werde zu einem späteren Zeitpunkt detailliert geklärt. Es seien aber bereits mögliche Varianten mit dem Wasserwirtschaftsamt Nürnberg abgestimmt worden.

Die maßgeblichen Einwendungen von Behörden und Verbänden bezogen sich auf den tatsächlichen Bedarf und auf den Naturschutz. Sowohl die Regierung von Mittelfranken als auch der Planungsverband Region Nürnberg meldeten Zweifel bezüglich des Bedarfs in der vorgelegten Größenordnung von acht Hektar Wohnbaufläche an und verwiesen auf den Vorrang einer möglichen Innenentwicklung.

Angabe stimmt nicht

Die Gemeinde wiederum wies darauf hin, dass die zugrundeliegende Machbarkeitsstudie den Bedarf belege und der aktuelle Demografiespiegel einen, wenn auch moderaten, Bevölkerungszuwachs prognostiziere. Zudem umfasse die eigentliche Planfläche an Baugrundstücken lediglich 5,35 Hektar. Potenziale einer weiteren Innenentwicklung bestünden nicht, was aus Eigentümer-Befragungen hervorgehe.

Den Bedenken beider Behörden zu Belangen des Artenschutzes hofft die Gemeinde durch die Ausweisung externer Ausgleichsflächen begegnen zu können. Letztendlich billigte der Gemeinderat unter Berücksichtigung der Beschlüsse zu den Einwendungen den von der Planungsgruppe Strunz aus Bamberg vorgelegten Plan mit einer deutlichen Mehrheit von 15:1 Stimmen.

Mehr Privatsphäre gewünscht

Bei den privaten Einwendungen gab es zudem Forderungen nach einem größeren Bauabstand im Bereich Fliederweg und Nachfragen zu einer möglichen Bodenbelastung durch eine ehemalige Schrottdeponie. Die Gemeinde trägt dem Wunsch nach größeren Bauabständen teilweise Rechnung merkt aber allgemein an, dass Beeinträchtigungen so weit hinzunehmen seien wie es die Abstandsflächenregelung der Bayerischen Bauordnung zulasse.

Was die Bodenbelastung betrifft, konnte die Gemeinde Entwarnung geben, da Bohrungen keine Hinweise auf Belastungen ergeben hätten. Der Naturschutz und die schonende Nutzung der Ressource Boden wurde in vielen Einwendungen, unter anderem des BUND Naturschutz Röttenbach thematisiert.

Die Gemeinde stellte dazu grundsätzlich fest, dass ausreichende Artenschutz- Maßnahmen unabdingbare Vorraussetzung für die weitere Planung seien und man im engen Austausch mit den zuständigen Behörden stehe.

Forderungen des BN nach einer Verkleinerung des Baugebiets oder der Ausweisung von Flächen für Mehrfamilienhäuser wurden nicht berücksichtigt.

Um zu gewährleisten, dass die ausgewiesenen Grundstücke tatsächlich bebaut werden, hat die Gemeinde mit den Flächeneigentümern Verträge geschlossen. Demnach geben diese 50 Prozent der Flächen an die Gemeinde ab. Für diese Flächen besteht dann Bauzwang innerhalb von fünf Jahren. Für die übrigen Flächen werden Fristen zwischen fünf und zehn Jahren festgelegt.

Darüber hinaus sind nur Grundstückswerber antragsberechtigt, die kein Wohnungseigentum, zu Wohnzwecken geeignetes Erbbaurecht oder zu Wohnzwecken geeignetes Grundeigentum besitzen und deren Eltern auch über keine bebaubaren Grundstücke verfügen.

Auch diese Planungen billigte der Gemeinderat mit einer deutlichen Mehrheit. Beide Pläne gehen nun in eine zweite öffentliche Auslegungsrunde. Ab Mitte des Jahres ist frühestens mit einem möglichen Satzungsbeschluss zu rechnen.