Forchheim — Schiedsrichter Johannes Gründel vom FC Herzogenaurach hatte keine leichte Aufgabe: Er sollte die Leistung von Referee Marco Rodriguez im WM-Halbfinale zwischen Brasilien und Deutschland bewerten.
"Der fulminante 7:1-Triumph gegen die Seleção überschattete alles, was man sonst über das Spiel sagen könnte, auch die Leistung von Schiedsrichter Marco Rodriguez. Dieser tat aber auch nicht viel Diskussionswürdiges - was für einen Schiedsrichter ja in der Regel ein gutes Zeichen ist. Es gab nur wenige Szenen, in denen er sich auszeichnen konnte, aber diese Gelegenheiten nutzte der Mexikaner. Als sich Boateng und Marcelo in die Haare kriegten, griff er beruhigend ein, nahm sich beide Akteure zur Brust und löste die Situation mithilfe seiner Persönlichkeit. Eine solche Situation birgt Gefahr für einen Schiedsrichter: Reagiert man hier nicht, merken die Spieler: 'Hoppla, bei dem können wir uns heute ja alles erlauben.' Sanktioniert man zu hart, fühlen sich die Spieler ungerecht behandelt und es staut sich Aggressivität auf, die sich früher oder später entladen muss - nicht selten in Form eines groben Fouls oder einer Tätlichkeit. Rodriguez hat hier den goldenen Mittelweg gefunden und das Spiel ruhig gehalten. Auch in den weiteren Szenen, in denen der Frust seitens der Gastgeber auszubrechen drohte, agierte er besonnen und hielt das Spiel durch gezielte Ansprachen ruhig. So beendete er das Halbfinale mit nur einer Gelben Karte, die vollkommen korrekt war. Sicherlich war das auch den schnellen Toren geschuldet, aber solche Spiele können auch ausarten, sofern das Verlierer-Team den Frust nicht kontrollieren kann. Diese Klippen konnte Rodriguez jedoch umschiffen.