Eine Freundschaft zu pflegen kann aufwendig sein, aber es lohnt sich. Die Höchstadter Ritter-von-Spix-Schule und die finnische Schule Rukan Kuolu beschlossen deshalb, nach dem Ablauf des Schüleraustausch-Projektes Comenius im Jahr 2015 ein neues Projekt zu starten. Viel Papierkram und jede Menge E-Mails zwischen Finnland und Deutschland später wurde das "Erasmus+"-Förderprojekt "Wir in Europa, weltoffen, lokal verwurzelt" von der Europäischen Union genehmigt. "Das Comenius-Projekt hat uns gezeigt, dass man von dem gegenseitigen Kontakt sehr profitiert", stellt Rektor Michael Ulbrich fest. "Mit dem ,Erasmus+‘-Projekt wollen wir nun für Nachhaltigkeit sorgen."
In den kommenden drei Jahren wird es für die teilnehmenden Lehrer und Schüler aus den beiden Ländern spannend: Zuerst besuchen sich die Lehrer gegenseitig, dann die Schüler. Während die finnischen Gäste den Aischgrund und seine Umgebung kennenlernen werden, geht es für die deutschen Teilnehmer nach Rukan in der Nähe der 15 000 Einwohner großen Stadt Kuusamo im Nordosten Finnlands. Rukan ist für die Eröffnung des Weltcups im Skilanglauf und weitere internationale Wintersportwettkämpfe bekannt. Untergebracht werden die Schüler jeweils bei Gastfamilien.
Derzeit sind drei finnische Lehrerinnen in Höchstadt zu Gast. Zusammen mit den teilnehmenden Lehrern der Ritter-von-Spix-Schule und Schulleiter Ulbrich besuchten sie am Donnerstag das Spix-Museum, wo der langjährige Vorsitzende des Spix-Vereins, Karl-Dieter Reinartz, ihnen den Namensgeber der Höchstadter Partnerschule näherbrachte. Ein Ausflug ins Freilandmuseum in Bad Windsheim und zur Luther-Ausstellung in Nürnberg stand ebenfalls schon auf dem Programm.
Für die gegenseitigen Besuche stehen den beiden Schulen über die gesamte Projektdauer insgesamt 70 000 Euro zur Verfügung. Aber die Austauschprogramme sind nur ein Teil des gegenseitigen Kennenlernens, bei dem es darum geht, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen beiden Ländern herauszufinden.
Auch in der Zeit zwischen den gegenseitigen Besuchen stehen die beiden Schulen miteinander in Kontakt und tauschen sich über das Leben, das Schulsystem, Feste und Traditionen im eigenen und fremden Land aus. Die Schüler lernen dabei nicht nur die fremde, sondern auch die eigene Identität besser kennen, erklärt Agnes Büttner, die vonseiten der Ritter-von-Spix-Schule das Projekt betreut. Eine von mehreren Aufgaben der Schüler besteht deshalb darin, einen Fragenkatalog zur eigenen Heimat durchzuarbeiten, um die Ergebnisse danach mit der - noch - fremden Umgebung zu vergleichen.


Erfahrungen teilen

Genauso überraschend wie die Unterschiede sind Büttners Erfahrung zufolge die Gemeinsamkeiten beider Kulturen. Das dritte und letzte Jahr des Projektes ist deshalb dem Thema "Europa" gewidmet. In zwei Projektwochen, die jeweils in Höchstadt und Rukan stattfinden, geht es darum, sich der Bedeutung eines gemeinsamen Europas bewusst zu werden. Festgehalten werden sollen die gesammelten Erfahrungen und Erkenntnisse schließlich in einem Online-Medium, das auch anderen Schulen und Interessierten zur Verfügung steht.