Wenn ein Junge in den Stimmbruch kommt, dann ist das ein Zeichen seines Heranreifens.Wenn das gleiche aber einer Orgel passiert, dann ist das ein Vorbote des nahenden Untergangs. Genau dies war der Fall bei der Orgel der Stadtsteinacher Pfarrkirche St. Michael.

Deshalb entschloss man sich dazu, sie zu restaurieren. Keine Minute zu früh: Denn in absehbarer Zeit wäre das wertvolle Instrument nicht mehr zu retten gewesen. "Sie hätte den nächsten Winter sicher nicht mehr überstanden", ist sich Organistin Cornelia Helfricht sicher.

Die Arbeiten begannen am 1. April. Karsten Hörl hatte alle Hände voll zu tun. Im Inneren der Orgel baute er Pfeifen aus. Manche sind aus Holz, andere aus Metall - für den hellen Klang. Die kleineren Teile nahm der Orgelbauer mit in seine Werkstatt nach Helmbrechts, die größeren behandelte er vor Ort, befreite sie vom Dreck der Jahrzehnte, der den Klang getrübt oder sogar ganz hatte verstummen lassen. Und vom Schimmel, der die Substanz angegriffen hatte: "Wenn kalte auf warme Luft trifft, dann gibt es Feuchtigkeit - ein idealer Nährboden für den Schimmel."

Alkohol gegen den Schimmel

Ihm rückte der Fachmann mit ausgesuchten Mitteln zu Leibe. Die Stücke wurden gewaschen und getrocknet und danach mit einer 70-prozentigen Alkohollösung behandelt. Dieses Isopropanol reinigt das Material nicht nur, es desinfiziert es auch und erschwert die Bildung neuer Schimmel-Kulturen.

Der Fachmann nahm auch die Pedalerie heraus und ertüchtigt sie. Er entfernte den Schutt, der bei der letzten Kirchen-Sanierung Mitte der 1980er Jahre im Inneren des Gehäuses liegen geblieben war.

Der Eingriff war dringend geboten. Denn im Laufe der Arbeiten stellte sich heraus, dass der Verfall des wertvollen Instruments weiter fortgeschritten war, als es den Anschein hatte. Vor allem das Innere der Pfeifen war von schwarzem Schimmel überzogen, oft bis kurz vor dem Auslass. Eine paar Monate später hätte es keine Rettung mehr gegeben für die Bauteile. Und sicher auch keinen originalgetreuen Ersatz. Denn das Stadtsteinacher Instrument ist eines der letzten vier noch erhaltenen Strebel-Orgeln auf der Welt. Kulturhistorisch gesehen "ein Juwel", wie Organistin Cornelia Helfricht unterstreicht.

Der Untergang eines solch wertvollen Stücks wäre ein Schlag ins Kontor gewesen und hätte die Pfarrei vor Probleme gestellt - vor allem finanzieller Art. Denn ein neues Instrument einzubauen, würde Kosten im sechsstelligen Euro-Bereich verursachen. "Das hätten wir in hundert Jahren nicht schultern können", ist sich Pastoralreferent Klaus Oberkofler sicher. Solche Ausgaben sprengten die Möglichkeiten der Pfarrei. Vor allem deshalb, weil es von der Erzdiözese keinen Zuschuss gegeben hätte.

Die Rechnung für die nunmehr kleine praktizierte Lösung mutet dagegen deutlich sozialverträglicher an. 32 000 Euro sind dafür fällig. Über Spenden sind bereits 18 000 Euro angesammelt worden. Weitere Zuwendungen werden gerne entgegengenommen (Spendenkonto DE 76 7715 0000 0000 3159 45 bei der Sparkasse Kulmbach- Kronach).

"Meine Pfeife ist die größte"

Auch die Patenschaften waren hilfreich: Hier konnte sich jeder Interessent eine Pfeife persönlich widmen lassen, für die er dann einen Obolus entrichtete. "Ich hab da mitgemacht. Meine Pfeife ist die größte", sagt Organistin Gislinde Schuster-Namer mit verhaltenem Stolz. Sie ist froh, dass die "Königin der Instrumente" nun wieder gut klingt: "Es war ja schon schlimm. Vorher hattest du den Eindruck, dass du falsch spielst."

Dies hing mit dem Umstand zusammen, dass die Intonation nicht mehr beständig war. Will heißen: Die Töne wurden völlig anders wiedergegeben, als sie hätten klingen müssen. " Zwei bis drei Töne zu tief", wirft Cornelia Helfricht ein. Auch sie ist glücklich, dass das Meisterwerk aus Holz und Metall gerettet werden konnte. Die Organistin würdigt vor allem das Engagement von Kirchenpfleger Klaus Geier, der das Projekt maßgeblich begleitet hatte.

Der ist ebenfalls mit dem Ergebnis zufrieden. Für die nächsten 40 bis 50 Jahre sei der Bestand nunmehr gesichert, hofft er. Wenngleich es auch weiterhin noch einiges zu tun gibt. Im Ansaugkanal für die Luftzufuhr zur Orgel müssen Filter eingebaut werden, damit nicht Schmutz und Staub ins Innere gelangen. Um weitere Ausgaben zu sparen, will die Gemeinde diese Arbeiten in Eigenregie durchführen. Das kommt deutlich günstiger als die veranschlagten 5000 Euro.

Zudem will man künftig besonderen Wert darauf legen, Temperatur-Schwankungen in der Kirche zu vermeiden. Denn dies gilt als eine ideale Voraussetzung für den zerstörerischen Pilzbefall. Schließlich möchte man den Erfolg der Restaurierung nicht wieder aufs Spiel setzen. Und man will die noch klaffende Finanzlücke von 14 000 Euro schließen. Dazu plant Cornelia Helfricht im Advent Konzerte. Dies habe zudem einen günstigen Nebeneffekt: In der veranstaltungsarmen Corona-Zeit "braucht der Mensch was für seine Seele". Und dazu könne die Strebel-Orgel in St. Michael eine ganze Menge beitragen. Jetzt wieder mit klarem, reinem Klang ... red