Mit einer Investitionssumme von rund 1,8 Millionen Euro nimmt die Sanierung der Remise des Oberen Schlosses in Küps eine Sonderstellung bei den gemeindlichen Projekten der Förderoffensive Nordostbayern ein. Mit einer Spitzenförderung von 90 Prozent durch das Amt für Ländliche Entwicklung kann der vorher mehrere Jahre leerstehende Anbau, zusammen mit einem im Haupthaus liegenden Kreuzgewölbesaal und historischen Gewölbegängen, für eine öffentliche Nutzung saniert und hergerichtet werden.

Im Anschluss an die Sanierung werden die Räumlichkeiten einer musealen Nutzung zugeführt. Derzeit wird ein entsprechendes museales Konzept erarbeitet. Das Haupthaus wird im Anschluss durch die neue Schlossherrin, Anna-Helen Feulner, saniert und soll weiterhin Wohnzwecken dienen.

Nachdem bereits im letzten Jahr Abbruch- und Entkernungsarbeiten an der Remise vorgenommen wurden, bei der unter anderem Grundmauern aus mittelalterlicher Zeit dokumentiert werden konnten, kam die Sanierung bis zum Jahresende gut voran.

Aufzugsschacht eingebaut

Ein erster umfangreicher Schritt war die Durchführung der notwendigen Rohbau- und Baumeisterarbeiten im Sanierungsobjekt durch das Küpser Bauunternehmen Hartfil. Vermauerungen, Verdübelungen von Mauerrissen, die Setzung einer stabilisierenden Bodenplatte sowie der Einbau eines Aufzugschachtes waren nur die größten Posten dieses Gewerks, welches denkmalgerecht und schnell durch das Küpser Bauunternehmen umgesetzt wurde. Viele Wochen nahmen auch umfangreiche Zimmererarbeiten am Dachstuhl und im Bereich der historischen Fachwerkwände durch die Zimmerei Konrad in Anspruch. Auch die Stabilisierung der Böden und Balken des Obergeschosses mit dem Einbau stabilisierender Stahlträger gehören zum Aufgabenportfolio der Kulmbacher Zimmerer.

Nun sind die Lattungen für die neue Dacheindeckung vorbereitet, so dass bereits im Januar die Neueindeckung erfolgen kann. Die neue Ziegeldeckung wird durch die Dachdeckerei Fischbach, Ludwigsstadt, aufgebracht - die Verblechungen sind größtenteils bereits erledigt. Auch die Schreinerei Hofmann, Lußberg (Kreis Haßberge), fertigt bereits die ersten Fenster nebst Glasfassade, um die Baustelle beheizbar zu machen. Auch hier steht der Einbau im Januar unmittelbar bevor.

Die mit den Maler- und Putzarbeiten beauftragte Firma Gepa Putz, Marktgraitz, hat bereits die ersten alten Verputzungen abgenommen, wobei zum Teil das historisches Fachwerk zum Vorschein kam. Außerdem wurden Ausgleichsputze im Inneren aufgebracht.

Die weiteren Schritte im neuen Jahr sind darüber hinaus der Verbau der Installations-, Strom- und Heizungsleistungen sowie der weitere Innenausbau.

Geplant ist, die Sanierungsarbeiten im nächsten Jahr abzuschließen. Denn dann gibt es etwas zu feiern - 300. Geburtstag nämlich: 1721 wurde der historische Anbau im Auftrag von Carl Sigmund Philipp von Redwitz erbaut. Davon kündet noch heute eine historische Inschrift auf einer der erhaltenen Säulen des ehemaligen Laubengangs. Der junge Adelsspross wurde 1687 geboren und war verheiratet mit Dorothea Eleonora von Künßberg-Hain. Weitere Bauprojekte nahm er in Angriff. So ist er auch für das heutige Aussehen des Neuen Schlosses in Küps maßgeblich verantwortlich, woran eine Relieftafel am Eingangsportal erinnert. Die Tafel zeigt das Wappen des Carl Sigmund Philipp von Redwitz sowie die von Dorothea Eleonora von Künsberg und Maria Rosina von Guttenberg, mit denen der Freiherr nacheinander verheiratet war.

Unten Pferde, oben Gäste

Kommen wir in das Baujahr der Remise 1721 zurück - es war ein denkwürdiges Jahr für den adeligen Bauherrn. Freud und Leid lagen für ihn dabei dicht beieinander. Der Besitz der Herrschaft Küps ging in diesem Jahr auf Carl Sigmund Philipp über, und sogleich wurden entsprechende Bauprojekte in Angriff genommen. Der zugrundeliegende Bauplan jener Tage für die Remise, der im Mainfränkischen Museum untergebracht ist, kann als Fotoreproduktion eingesehen werden. Der Plan zeigt, dass das Erdgeschoss der Remise aus einer großen Halle bestand, welche als Pferdestallung diente. Dieser soll künftig als Versammlungsraum dienen. Im ersten Stock waren vier mit Stuckdecken verzierte Räume eingerichtet, die man wohl als Gästezimmer nutzte. Diese Räume werden nun einer musealen Nutzung zugeführt. Auch leidvolle Veränderungen standen, wie erwähnt, ins Haus. Mit nur 30 Jahren starb 1721 seine erste Ehefrau Dorothea Eleonora aus dem Hause Künßberg-Hain. Am 11. Januar jährt sich ihr Todestag zum 300. Mal.