Anfang des Jahres hatte die Gemeinde Wonsees den Biologen Martin Feulner aus Neustädtlein beauftragt, eine Biotopkartierung der Hülweiher in und um die Ortsteile Feulersdorf, Großenhül, Kleinhül und Gelbsreuth durchzuführen. Feulner fertigt für Behörden und andere Institutionen in der Region und darüber hinaus solche Gutachten an. Dazu besucht er die Biotope mehrmals im Jahr und macht eine Bestandsaufnahme der Tiere und Pflanzen. Ziel der Wonseeser Biotopkartierung war es, mehr Informationen über die Hülen zu sammeln, um Einheimischen und Besuchern ihre ökologische Bedeutung näherzubringen. Der Abschlussbericht liegt der Gemeinde nun vor. Die Ergebnisse waren zum Teil sehr überraschend, wie es in einer Pressemitteilung der Verwaltungsgemeinschaft Kasendorf heißt.

Außergewöhnlich klares Wasser

Die Bodhül bei Großenhül, die kürzlich mit einem eigenen kleinen Lehrpfad in die Hül- und Lindenrunde integriert wurde, befindet sich laut Feulners Bericht in einer "sehr guten ökologische Situation". Das Wasser sei im Juli "außergewöhnlich klar" gewesen. Zwar fällt das Gewässer im Herbst weitgehend trocken, füllt sich aber im Frühjahr wieder mit Wasser. Im Wasser kommt eine reichhaltige Fauna an sogenanntem Makrozoobentos vor. So bezeichnet man kleine, tierische Organismen, die man noch mit bloßem Auge erkennen kann. Ruderfußkrebse sind dabei eines der wichtigsten Elemente in der Nahrungskette. Von den etwa zwei Millimeter kleinen Krebsen ernähren sich zahlreiche andere Wasserorganismen. Während der drei Termine, an denen Feulner in und um die Bodhül Inventur gemacht hat, hat er Wasserläufer, Rückenschwimmer, Taumelkäfer, Gelbrandkäferlarven und Libellenlarven beobachtet. "Das Vorkommen dieser Tierarten ist sehr reichhaltig", schreibt er in seinem Bericht. Ab Juli schwirrten Hufeisenazurjungfern über das Wasser. Das sind etwa vier Zentimeter lange, azurblaue Libellen, deren Larven meist in stehenden Gewässern zu finden sind. "Ab Mai war die Bodhül voller Erdkröten-Kaulquappen." Im Ufergehölz fand er eine besonders geschützte Schmetterlingsart, in den Bäumen für die Region typische Vogelarten wie Goldammer, Amsel, Buchfink und Blaumeise. Im September beobachtete er am Ufer ein Rebhuhn beim Trinken. Die Bodhül mit den sie umgebenden Zitterpappeln und Salweiden sei somit ein wichtiger Rückzugsort und Lebensraum für viele für die Region typische Arten. Im vergangenen Jahr wurde eine Pufferzone hin zur umgebenden Ackerfläche geschaffen, um Eintrag von Sediment und Nährstoffen vorzubeugen.

Eine wichtige Tränke für Wildtiere scheint auch die Hül außerorts von Gelbsreuth zu sein. Im Gegensatz zur Bodhül, die mitten in der Feldflur liegt, liegt diese Hül in einem Waldstück. Feulner fand immer wieder Wühlspuren von Wildschweinen und nahm mit einer Wildkamera Zilpzalp, Eichelhäher und Gelbhalsmaus beim Trinken auf. Ein Stockentenpärchen gründelte im Frühjahr immer wieder nach Wasserinsekten und wühlte dabei den Boden auf. Bereits im Juli fällt die Waldhül fast trocken. Dem Biologen zufolge ist das ein Zeichen dafür, dass die Abdichtung nicht mehr intakt ist. Historisch wurden Hülen von Menschenhand angelegt, indem man natürliche Senken im Boden mit Lehm auskleidete. Ohne die Lehmschicht versickert Regenwasser schnell im natürlichen Karstgestein der Jurahochfläche. Eine Restauration der Hül wäre aufwendig. Man müsste sie ausbaggern und die Lehmschicht erneuern. In dem Fall müssten die Gehölze am Nordrand auf Stock gesetzt werden, so dass künftig weniger Laub ins Wasser fällt. Die Maßnahmen werden diskutiert, doch ist fraglich, ob der Nutzen den Aufwand rechtfertigt. Im Gemeindegebiet Wonsees sind zwei Dorfhülen in den Ortsteilen Feulersdorf und Kleinhül erhalten geblieben. Erstere wurde vor einigen Jahren restauriert und die Ufer relativ flach mit Kalksteinen gemauert. Eine Umwälzpumpe verhindert Algenbewuchs. Die Hül ist die einzige der vier mit typischen Wasserpflanzen: Auf der Oberfläche schwimmen Seerosen, am Rand steht ein Röhricht aus Breitblättrigem Rohrkolben, Sumpfbinse und Wasserschwaden. red