Als am Dienstagnachmittag ein Mann mit einem Hammer auf einen Polizisten vor der Pariser Kathedrale Notre-Dame einschlug, war Regionalbischöfin Dorothea Greiner nur 50 Meter vom Tatort entfernt. Sie weilt derzeit mit dem Dekanekonvent des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Bayreuth in der französischen Hauptstadt. Wir konnten mit der Bischöfin telefonieren.

Gerade als Sie in der Kathedrale Notre Dame waren, geschah das Hammer-Attentat auf einen Polizisten. Was passierte mit Ihnen?
Dorothea Greiner: Mein Mann und ich verbrachten einen privaten Nachmittag mit einem eigenen touristischen Programm. Wir standen gerade in der Schlange an, um die Türme von Notre-Dame zu besteigen, als wir in unmittelbarer Nähe Schüsse hörten. Wir stiegen dennoch die vielen Treppen nach oben, durften uns dann dort nicht weiter bewegen und saßen auf der Plattform fest. Von oben sahen wir einen jungen Mann leblos auf der Straße liegen und hörten, dass es wohl ein Attentat war. Nach einer Stunde wurden wir in den Innenraum der Kathedrale geführt und mussten uns seitlich der Chorschranken auf den Boden setzen. Verlassen durften wir die Kirche nicht.
Wie haben Sie es empfunden, in der Kathedrale zunächst eingesperrt zu sein?
Ich bin völlig ruhig geblieben und hatte keine Angst. Das war ein Geschenk. Doch auch die vielen Menschen in der Kirche waren ruhig, einige weinten.

Wie erleben Sie die Tage in Paris nach dem Attentat?
Die Franzosen lassen sich das Leben nicht nehmen, es geht unaufgeregt weiter. Und auch die Medien spielen das Attentat nicht hoch.

Ist der Bamberger Dekan Hans-Martin Lechner, der zum Dekanekonvent gehört, ebenfalls wohlauf?
Dekan Lechner geht es gut! Er war wie die anderen Dekane nicht in Notre Dame dabei.

Hilft gegen Terrorismus nur noch beten?
Beten hilft und wirkt auf jeden Fall! Ich bin froh über jeden Mitbeter. Wir brauchen Gottes Macht und Hilfe, um hasserfüllte Herzen zu wandeln in Liebe. Aber auch das benediktinische Prinzip "bete und arbeite" ist wichtig. Es muss an guten Sicherheitskonzepten in den europäischen Staaten gearbeitet werden. Noch wichtiger ist eine gute Außen- und Entwicklungspolitik, um die Ursachen für Terrorismus anzugehen sowie Feindbilder und Ungerechtigkeitssyndrome zu entmachten. Viel zu viele Menschen müssen unter unwürdigen Lebensbedingungen existieren, ein Nährboden für Hass und Terror.

Das Gespräch führte
Marion Krüger-Hundrup