Eine Vortragsreihe zur Ausstellung "Martin Luther und die Folgen" im Stadtmuseum soll die Reformationszeit Interessenten näher bringen. Diese wurde von Hans-Peter Weigel und seinem Vortrag "Der katholische Luther" eröffnet.
Museumsleiterin Irene Lederer stellte den katholischen Theologen vor, der aus Nürnberg stammend, katholische Theologie unter anderem in Tübingen bei Hans Küng und dem späteren Kurienkardinal Walter Kasper studiert hatte. Nach seiner Priesterweihe war er Kaplan in St. Anton in Nürnberg und avancierte über den Religionsunterricht zum hauptberuflichen Religionslehrer am Melanchthon Gymnasium in Nürnberg. Nach der Pensionierung unterstützte er als Pfarrvikar die Seelsorge in den Pfarreien Herz-Jesu in Erlangen, St. Ludwig in Nürnberg und seit 2014 die Stadtpfarrei in Herzogenaurach. Weigel ist außerdem Künstlerseelsorger im Erzbistum Bamberg
Im Stadtmuseum Herzogenaurach nahm Hans-Peter Weigel bei seinem Vortrag die Zuhörer auch mit auf den Weg durch die Ausstellung im Museum, um seine Ausführungen mit Objekten aus der Ausstellung zu verdeutlichen. Die Erfindung der Druckkunst, die die Verbreitung der 95 Thesen erst ermöglichte, ein Konfirmationskleid, protestantische Patendankbriefe, aber auch ein katholisches Meßgewand, eine Monstranz und ein Reliquiar.


Kein Respekt vor dem Papst

Als Luther aufwuchs, war der Respekt vor dem Papsttum längst dahin. Die zeitweilige Verlegung des Sitzes von Rom nach Avignon schadete dem Ansehen, auf dem Konzil von Konstanz wurden 1417 gleich drei Päpste abgesetzt. Weigel sah eine "verdinglichte Frömmigkeit im ausgehenden Mittelalter". Johan Huizinga hat mit seinem Buch "Herbst des Mittelalters" die Situation plastische beschrieben.
Die Ämterhäufung, obwohl verboten, war in kirchlichen Kreisen an der Tagesordnung, so bezahlte Kardinal Albrecht von Brandenburg seine Strafgelder für seine Bischofstitel mit Geldern aus dem Ablasshandel und wurde damit zu einem der Auslöser für die Reformation. Eine Pervertierung des Ablasshandels stieß nicht nur bei Luther auf Kritik. Martin Luther wurde in diese Zeit hineingeboren. "Er hat als katholischer Christ gefühlt, geglaubt und gelitten", umschrieb Weigel seine Lebenssituation.
Nach der Reformation ging ein tiefer Riss durch die Gesellschaft, beide Konfessionen entwickelten unterschiedliche Traditionen, die auch in der Jetztzeit noch erkennbar sind: Während die Konfirmandinnen in schlichtem schwarz ihren Festtag begehen, gehen bei der Erstkommunion die "Weißen Mädchen" zum ersten Mal zum Tisch des Herrn. Nach der Reformation "schärften" beide Seiten ihre Profile. Auf der katholischen Seite waren dies unter anderem der Reliquienkult und das Fronleichnamsfest.


Provokationen

Gegenseitige Provokationen waren angesagt, so wurde von Katholiken am Karfreitag Wäsche aufgehängt, während die protestantische Seite an Fronleichnam Teppiche ausklopfte. Während auf katholischer Seite Martin Luther verteufelt wurde, haben ihn die Protestanten auf einen hohen Sockel gestellt. Weigel sieht aber in der Jetztzeit Fortschritte im Miteinander der beiden Konfessionen: "In der Jetztzeit bemühen sich beide Seiten Luther gerecht zu werden."