Ute Wittmann hat nicht lange überlegt. An einem Donnerstag im Juli vergangenen Jahres hatten sie Bekannte auf den Wohnpark "Am Rathausplatz" in Ebersdorf aufmerksam gemacht. Einen Tag später besichtigte sie die Wohnungen, und im Frühjahr dieses Jahres gab die rüstige Seniorin ihr weitläufiges Anwesen mit einem Grundstück von rund 1200 Quadratmetern und einer Wohnfläche von 150 Quadratmetern auf. Seit März wohnt sie nun im Ebersdorfer Wohnpark. Das Service-Wohnen wird vom Regionalverband Coburg des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) betrieben.

Zu ihrer schnellen Entscheidung ("Das war in fünf Minuten für mich klar, dass ich umziehe") steht Ute Wittmann nach wie vor und hat sie noch keine Minute bereut.

Betreutes Wohnen, auch unter dem Begriff Service-Wohnen bekannt, findet immer mehr Verbreitung. Eine umfangreiche Versorgung und Betreuung ist dabei nicht vorgesehen.

Der ASB-Regionalreferent Matthias Neuf verweist darauf, dass die baulichen Voraussetzungen in einem Wohnpark schon bei der Bauplanung auf die Bedürfnisse älterer Menschen ausgerichtet werden. "Selbstverständlich haben diese Häuser alle einen Fahrstuhl, die Wohnungen sind barrierefrei, die Bäder sind mit Haltegriffen ausgerüstet und die Waschtische sind unterfahrbar, also auch zu benutzen, wenn jemand im Rollstuhl sitzt."

Unterstützungsleistungen

Auf der obersten der drei Etagen war Ute Wittmann vor etwas mehr als drei Monaten eine der ersten Bewohner. Das aber hat sich angesichts der hohen Nachfrage schnell geändert.

Beim Service-Wohnen leben die Menschen zur Miete oder haben die Wohnung erworben. Verschiedene Unterstützungsleistungen können in Anspruch genommen werden, so etwa ein Hausmeister- oder Reinigungsdienst, ein Wäscheservice oder die Vermittlung von Pflegedienstleistungen.

"Benötigt jemand ein Rezept oder es muss ein Arztbesuch organisiert werden, unterstützen wir unsere Bewohner", sagt Nicole Langert, die als "die gute Seele des Hauses" am Montag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 17 Uhr sowie dienstags und donnerstags im Quartiersbüro des Wohnparks den Bewohnern mit Rat und Tat zur Seite steht.

Im Erdgeschoss ist auch der große Gemeinschaftsraum zu finden. Jeden Mittwoch, am frühen Nachmittag, steht dort ein gemütlicher Kaffeeplausch auf dem Programm. Im August waren unter anderem Pflaumenkuchen und Himbeer-Schmandkuchen im Angebot. Aber auch Kinonachmittage und Gedächtnistraining sind beliebt.

"Wegen der Corona-Pandemie musste das altersangepasste Sportangebot zurückgefahren werden. Langsam geht es aber wieder an." Unter Einhaltung der Hygienevorschriften (Mund- und Nasenmasken sowie Abstandhalten) sind Ausflüge in Biergärten der Region und in die Therme Natur in Bad Rodach möglich.

Ein Plus an Sicherheit

Das Service-Wohnen bietet besonders älteren Menschen ein Mehr an Sicherheit. Tagsüber ist Nicole Langert im Quartiersbüro, zu allen anderen Zeiten steht der ASB-Hausnotruf im Fall der Fälle zur Seite. "So viel Selbstständigkeit wie möglich und soviel Betreuung wie nötig" ist der Grundgedanke dieses Wohnangebots.

"Die Wohnung ist super", sagt Ute Wittmann. Eine Wand hat sie vor dem Einzug entfernen lassen, "so ist mehr Platz". Man lebe nicht anonym in seiner Wohnung. Der Kontakt mit den Nachbarn rechts und links sowie ein Stockwerk tiefer ist rege. Darüber hinaus sieht man sich bei den Angeboten im Gemeinschaftsraum. Die weite Welt steht der 75-Jährigen durch das Internet auch in Corona-Zeiten rund um die Uhr offen. cw