Alles gut - das ist die Quintessenz, die bei der Feierstunde anlässlich des 50. Jubiläums der Gebietsreform von Landrat Klaus Peter Söllner gezogen wurde. Söllner bezeichnete die einst vom Innenminister Bruno Merk in die Wege geleitete Gebietsreform als Segen und "gelungene Dreierbeziehung". Denn schließlich gehören zum einst selbstständigen Landkreis Stadtsteinach, der im Kreis Kulmbach aufgegangen ist, auch die kreisfreie Stadt Kulmbach: eine von insgesamt vier übrigen kreisfreien Städten (früher waren es neun).

Es steht wohl außer Frage, dass die 22 Gemeinden, die heute den Landkreis Kulmbach bilden, im letzten halben Jahrhundert zu einem Herzen Oberfrankens zusammengewachsen sind. Doch der Weg, bis die Gebietsreform vollzogen war, war kein bisschen frei von politischen Querelen. Es ging ziemlich heftig zu. Der Leiter des Staatsarchivs Bamberg, Archivdirektor Dr. Klaus Rupprecht, stellte die Überlegungen vor. Eine Idee war, die Landkreise Lichtenfels und Staffelstein zu zerschlagen und auf die Landkreise Bamberg, Coburg und Kulmbach aufzuteilen. Die andere Idee sah vor, weiterhin einen Landkreis Lichtenfels zu lassen. Die Politiker feilschten um den Erhalt verschiedener Gemeinden. In Presseberichten des Fränkischen Tages aus dem Jahr 1971 wurden die Coburger als "Möchtegern-Okkupanten" bezeichnet, den Kulmbachern wurde "Katzenbalgerei" um den finanzstarken Landkreis Lichtenfels vorgeworfen. Und der Landtagsabgeordnete Franz Pensel (FDP) sagte damals: "Dieses politische Gebaren der Bierstädter hat für hiesige Begriffe - mit Verlaub - die Ethik blanken Raubrittertums."

Relativ schnell stand fest, dass die Kreisverwaltung ihren Sitz in Kulmbach haben sollte. Denn schließlich war dort 1967 ein moderner Neubau des Landratsamtes entstanden. Als Kleinzentren sollten Mainleus, Marktleugast, Neudrossenfeld, Presseck, Thurnau und Wirsberg weiterbestehen. Stadtsteinach wurde Unterzentrum, Kulmbach Mittelzentrum. Allerdings sahen die ersten Planungen vor, dass Buchau zum Landkreis Lichtenfels kommen und dass die Gemeinden Harsdorf, Neustädtlein am Forst und Wasserknoden dem Landkreis Bayreuth zugeschlagen werden sollten. Gösmes, Grünlas, Hohenberg, Horbach, Rappetenreuth und Walbergrün sollten an den Landkreis Hof abgetreten werden, Seibelsdorf und Gössersdorf an den Landkreis Kronach.

Die Stadt Kulmbach kämpfte einst um die Kreisfreiheit. Und der Landkreis Bayreuth schlug sogar vor, dass der gesamte Landkreis Kulmbach, weil er eigentlich zu klein war, dem Landkreis Bayreuth zugeschlagen werde. "Der Appetit der Nachbarlandkreise auf einige Happen aus unserem Gebiet ist jedenfalls riesengroß", merkte der frühere Kulmbacher OB Dr. Erich Stammberger an und mahnte zur Einigung.

Nur noch eine Nummer?

Doch innerhalb der Kreisstadt Stadtsteinach waren sich die Politiker nicht ganz so einig. Landrat Hans Köstner aus Stadtsteinach konnte sich mit den Grundzügen der Gebietsreform anfreunden, Bürgermeister Werner Döll warnte davor, dass Stadtsteinach "in einem großen Amt zur Nummer" werde. Und dann gab es noch das Stadtsteinacher Oberland, das aus den Gemeinden Presseck, Grafengehaig, Wartenfels und Enchenreuth gebildet werden solle. "Dies scheiterte schon daran, dass insbesondere Grafengehaig eine Einheits- und keine Mitgliedsgemeinde sein wollte. Und es scheiterte an dem halsstarrigen Begehren Enchenreuths, dass nach Helmbrechts eingemeindet werden sollte", erinnerte der Leiter des Stadtarchivs. Bei einer Bürgerversammlung wurden Landrat Hans Köstner und Landtagsabgeordneter Herbert Hoffmann als "Diktatoren", "Sklavenhändler" und "Seelenverkäufer" bezeichnet. Schließlich kam es zu einer Einigung. Doch abgeschlossen war die Gebietsreform nicht.

Denn es folgte die Gemeindegebietsreform, die noch viel stärkere Umwälzungen als die Kreisgebietsreform mit sich brachte. Die 81 Gemeinden, die sich danach ergeben haben, reduzierten sich auf 54 Gemeinden. 1974 wurde auch Schwand eingegliedert. Zum eigentlichen Abschluss der großen Kommunalreform setzte sich der Landkreis Kulmbach nur noch aus 23 Gemeinden zusammen, davon fünf Einheitsgemeinden und 18 Mitgliedsgemeinden mit insgesamt 489 Gemeindeteilen.

Heftige Widerstände

Der stellvertretende Landrat Jörg Kunstmann bezeichnete die Gebietsreform als "bedeutendes Ereignis für den Landkreis", das es zu feiern gelte. Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz erinnerte an die heftigen Widerstände, die die Reform einst ausgelöst habe. "Die komplette Landkarte Bayerns wurde neu gezeichnet. Aus 143 Landkreisen wurden damals 71, das war also eine glatte Halbierung. Auch die Zahl der kreisfreien Städte wurde fast halbiert: Aus 48 wurden 25", so die Regierungspräsidentin. Die Zahl der bayerischen Gemeinden reduzierte sich von einst 6962 auf knapp 2000 im Jahr 1978, als auch die zweite Stufe der Reform abgeschlossen war. Bezirkstagspräsident Henry Schramm gab offen zu, dass es damals viel Ärger gegeben habe. "Solange noch einer, der die Gebietsreform damals miterlebt hat, lebt, wird es keine neue Gebietsreform geben", merkte Schramm an.

Hautnah miterlebt

Ein solcher Vertreter ist der ehemalige stellvertretende Landrat und Pressecker Bürgermeister Erhard Hildner. Er hatte bei der Jubiläumsfeier, die in der Steinachtalhalle zelebriert wurde, viel zu erzählen. Denn Hildner ist vor exakt 50 Jahren in die Kommunalpolitik gewählt worden. "Ich war 1972 Gemeinderat in Reichenbach. Damals war Reichenbach noch eigenständig." Doch nicht mehr lange, denn 1975 wurde der kleine Ort nach Wartenfels eingemeindet. "Diese Entscheidung wurde getroffen unter der Voraussetzung, dass Wartenfels nach Presseck gehen würde - nicht nach Stadtsteinach. Wenn das passiert wäre, dann wäre Reichenbach nach Presseck."

Auch in Wartenfels hatte er Erfolg. Doch er wurde nur Dritter Bürgermeister. Als dann aber die neuerliche Reform kam, kandidierte Hildner im Jahr 1978 in Presseck als Bürgermeister. Er konnte sich zunächst gegen Georg Aures aber nicht durchsetzen. Doch dann wurde Aures krank, Hildner übernahm die Amtsgeschäfte und beerbte schließlich 1980 den SPD-Bürgermeister. Bis 2008 hatte er das Amt inne, im Kreistag ist er bis heute vertreten.

Die 50-Jahr-Feier wurde von der Original Fränkischen Trachtenkapelle des Musikvereins Stadtsteinach und dem Bürgermeisterchor musikalisch umrahmt und ging mit einer Fest-Brotzeit zu Ende. Allerdings blieben viele Tische, die für Kreistagsmitglieder reserviert waren, leer.