Generalsanierung oder Neubau? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Gemeinderat am Dienstagabend. Architekt Andreas Klerner aus Lichtenfels rechnete dem Gremium vor, dass eine Sanierung der Grundschule rund 5,8 Millionen, ein Neubau nur 4,5 Millionen Euro kosten würde. Auf den ersten Blick betrachtet, mag Letzterer günstiger erscheinen, doch der Experte gab immer wieder zu bedenken: "Bei den Kosten für einen Neubau handelt es sich um einen reinen Zweckbau für acht Klassen. Die Summe für die Generalsanierung beinhaltet auch die finanziellen Aufwendungen für die Turnhalle, eine offene Ganztagesschule und die Räumlichkeiten für die Vereine." Zugleich legte er großen Wert darauf, dass es sich bei beiden Zahlen um geschätzte Summen handele.


Sondersitzung am 12. September

Eine Antwort auf die eingangs genannte Frage gab es noch nicht. Der Vortrag des Fachmanns diente lediglich der Information. Den Ratsmitgliedern wurde Zeit gegeben, sich näher mit der Materie auseinanderzusetzen. In einer Sondersitzung am 12. September, einen Tag vor der regulären nächsten Sitzung, soll eine Entscheidung gefällt werden. Die Einschätzung des Experten, was die Generalsanierung anbetraf, fiel eindeutig aus: "Der Hauptbaukörper ist absolut in Ordnung", sagte er. Der Experte hat aber auch nicht verschwiegen, dass es zu Überraschungen während der Sanierung kommen könne.
Martina Mätzke von der Jungen Wähler Union (JWU) befürchtete mit Blick auf mögliche Überraschungen, dass eine Sanierung zu einer Kostenexplosion führen könnte. Vor Überraschungen sei man nie gefeit, konterte Klerner. Das gelte auch für Neubauten: "Sie können auf Wasseradern stoßen oder Probleme mit felsigem Untergrund bekommen", zählte er zwei Beispiele für mögliche Unwägbarkeiten auf.


Asbest in der Wandverkleidung

Zuvor hatte er den Gemeinderäten anhand von Bildern vor Augen geführt, weshalb die Bildungseinrichtung, die sich aus einem Alt- und Neubau sowie einer Turnhalle zusammensetzt, sanierungsbedürftig ist: Das Pultdach des Neubaus ist nicht mehr ausreichend gedämmt, das Dach am Altbau braucht spätestens in zehn Jahren eine neue Ziegeleindeckung, die veraltete Heizung führt zu Wärmeverlusten und die Wandverkleidung des Neubaus besteht aus dem gesundheitsschädlichen Baustoff Asbest. Klerners Konzept sieht eine Vielzahl von Maßnahmen vor: Eine neue Heizungsanlage soll eingebaut werden. Für denkbar hält der Experte den Anbau einer Hackschnitzelanlage. Der Brandschutz soll auf den neuesten Stand gebracht werden. Auch an die Barrierefreiheit ist gedacht: Neben dem Haupteingang könnte ein kleiner Windfang mit Aufzug entstehen.
Auch räumliche Veränderungen sehen die Planungen vor: Im Erdgeschoss soll die Schulverwaltung vom Neubau in den Altbau umziehen. Dafür werden im Neubau ein Aufenthalts-, ein Computer- und ein Mehrzweckraum sowie die Lernwerkstatt untergebracht. Die alte Pausenhalle im Erdgeschoss mit ihren bemoosten Flachdächern und dem Innenhof, die Klerner für nicht mehr sanierungsfähig hält, soll durch eine neue und vor allem kleinere Halle ersetzt werden. Sie wird weiterhin als Bindeglied zwischen den drei Gebäuden dienen. Die bestehende Küche soll durch eine Ausgabeküche ersetzt werden.
Für überdimensioniert hält der Architekt die 70 Quadratmeter großen Klassenzimmer, von denen sich jeweils vier im ersten und vier im zweiten Obergeschoss befinden. Sie sollen verkleinert werden, um Platz für 25 Quadratmeter große Gruppenräume zu schaffen. Drei Altenkunstadter Vereine nutzen den Altbau: Die Schützen können weiterhin im Keller bleiben, der Radfahrverein Concordia und der Musikverein sollen vom zweiten Obergeschoss, dem Dachgeschoss, in leer stehende Räume im ersten Stock umziehen. Dadurch könne man das Dachgeschoss entkernen und zurückbauen. Außerdem erspare man sich eine Renovierung des Dachgeschosses, so der Fachmann.
Aus eigenen Mitteln kann die Gemeinde die Generalsanierung, die einem Kraftakt gleichkommt, nicht schultern. Mit staatlichen Zuschüssen soll das Projekt gestemmt werden: Bereits bewilligt wurde der Kommune eine Fördersumme von rund 900 000 Euro aus dem Kommunalen Investitionsprogramm (KIP) des Bundes. Außerdem will man Fördermittel nach dem Finanzausgleichsgesetz (FAG) anzapfen. "Der individuelle Fördersatz liegt hier bei vergleichbaren Projekten bei derzeit 44 Prozent. Für Einrichtungen der offenen Ganztagesschule werden zusätzlich 15 Prozent gewährt", erläuterte Geschäftsstellenleiter Alexander Pfaff. Die Maßnahme selbst muss bis 2020 beendet sein. Die Maßnahmen, die die Vereine betreffen, können nicht gefördert werden.


Neubau: Nachweis verlangt

Wie sieht es bei einem Ersatzneubau aus? "Die Regierung von Oberfranken als zuständige Förderstelle bezuschusst Sanierungsmaßnahmen nach dem FAG mit einem Kostenrichtwertsatz von 3957 Euro pro Quadratmeter. Falls ausnahmsweise ein Ersatzneubau vom Antragsteller gewünscht wird, ist ein Nachweis zu erbringen, dass dieser wirtschaftlicher ist", klärte Pfaff auf. Die Förderung nach dem KIP könne anders als bei der Sanierung nicht angerechnet werden. Auch zur Ganztagesschule äußerte sich der Geschäftsstellenleiter. Derzeit gibt es in der Grundschule noch keine offene Ganztagesschule. Die Nachmittagsbetreuung wird über einen Hort realisiert. Für eine gebundene Ganztagesschule mit rhythmisiertem Unterricht, wie es sie an der Mittelschule gibt, bestehe derzeit kein Bedarf an der Grundschule, so Pfaff. Auch organisatorisch ist die Sanierung ein Kraftakt. Aus diesem Grund ist angedacht, die drei Gebäudeblöcke nacheinander zu sanieren und lärmintensive Bauarbeiten in den Ferien durchzuführen. Klerner hat bereits Erfahrungen sammeln können und zwar beim Erweiterungsbau der Burgkunstadter Realschule. "Sicherlich gab es Beeinträchtigungen beim Unterricht, konnten die Schüler ihre gewohnten Wege eine Zeit lang nicht mehr gehen. Doch das Ganze war überschau- und lösbar. Nach eineinhalb Jahren hatten wir es geschafft."