Die Vogelgrippe war das beherrschende Thema bei einer Versammlung der Lichtenfelser Kreisvereine im Verband der Bayerischen Rassegeflügelzüchter. Dabei kritisierten die Mitglieder, dass sie sich schon immer um eine artgerechte Tierhaltung bemüht hätten, aber gerade sie die negativen Auswirkungen dieser Viruserkrankung am meisten zu spüren bekommen.


Keine Geflügelschau

Es wäre der Eröffnungstag der diesjährigen 69. Kreisgeflügelschau gewesen, erinnerte Kreisvorsitzender Joachim Lerf zu Beginn der Versammlung im Vereinsheim des Geflügelzuchtvereins Weismain. Bei einem Blick in die Reihen der Mitglieder stellte Lerf eine gewisse Verärgerung fest, dass die Ausstellung nicht stattfinden darf und die gegenwärtige Stallpflicht sowie die Ausstellungsverbote die Züchter in einem erheblichen Maße beeinträchtigen.
Allerdings wolle er in Anbetracht der Situation keine große Ansprache halten, sagte Lerf. Ihn interessiere vielmehr, wie es den Rassegeflügelzüchtern seines Kreisverbandes in dieser schwierigen Situation gehe.
Insbesondere die gesetzgeberischen Anordnungen, die vom Bund in die Länderhoheit übertragen wurden, und die Entscheidungen mancher Bundesländer, trotz aller Warnungen Geflügelausstellungen zu genehmigen, beschäftigten die Zuchtfreunde.
Wie gravierend dies sein kann, verdeutlichte der Vorsitzende des Geflügelzuchtvereins Weismain anhand eines Beispiels. Während in Fürth am Berg (Kreis Coburg) die Stallpflicht gelte, fänden einige hundert Meter weiter in Thüringen Geflügelausstellungen statt. Vielleicht so der Tenor, wäre es sinnvoller, die Verantwortung darüber, ob Taubenmärkte und Geflügelausstellungen zugelassen werden, den Kreisbehörden zu übertragen.


Virus oft in Großbetrieben

Als besonders bezeichnend nannten es einige Zuchtfreunde, dass dieser Virus häufig und meist zuerst in Großmastbetrieben auftrete, wo dann ganze Tierbestände geschlachtet werden müssten. Hierbei rege sich kaum Widerstand von Tierschützern, die aber immer ein besonderes Augenmerk auf die Rassegeflügelzüchter werfen würden.
Ebenfalls sei es diskussionswürdig, dass in Holland die Jagd auf Wildgänse drastisch eingeschränkt werde, diese aber nach einer explosionsartigen Vermehrung in Container getrieben und vergast würden. Demgegenüber bemühten sich Rassegeflügelzüchter immer um eine artgerechte Tierhaltung.
Durch die derzeitigen Anordnungen, so Lerf, sei aber nicht nur die Existenz der Vereine bedroht. Es sei vielmehr zu befürchten, dass die Zuchten langsam, aber kontinuierlich wegbrechen und bestimmte Rassen aussterben werden.
Besonders gravierend, dies verdeutlichten Zuchtfreunde aus dem Landkreis Bamberg, sei die Situation bei den Gänsezüchtern. Wenn den Tieren das Wasser fehle, bedeute dies eine ständige Verschmutzung der Ställe. Zudem bekämen die Gänse Langeweile und fressen dadurch sogar den eigenen Kot. Die Folge: Sie müssen permanent entwurmt werden.


Woher kommt Vogelgrippe?

Anschließend war die "Vogelgrippe" selbst Diskussionsthema. "Woher kommt sie und wie sind die Infektionswege?", fragte der Vorsitzende der Weismainer Züchter, Hans Schramm.
Weitere gestellte Fragen: Erfolgt die Ansteckung durch Zugvögel und wenn ja, wie kommt der Virus dann in abgeschirmte Großzuchtanlagen? Ist das Futter, das teilweise aus Asien kommt, ein Auslöser?
Die Züchter stellten fest, dass auch der Landesverband der Bayerischen Rassegeflügelzüchter in der Pflicht sei - wie Wolfgang Lex (Geflügelzuchtverein Marktzeuln) anmahnte. Joachim Lerf sagte zu, dass die Kreisvorstandschaft über den Bezirksverband tätig werden wolle und auch das Gespräch mit der Kreisverwaltung suche.
"Es hätte für uns ganz einfach nicht schlimmer kommen können" fasste der Vorsitzende der Marktgraitzer Geflügelzüchter, Hilmar Neder, das Ausstellungsverbot und die Stallpflicht zusammen. dr