Ohne Thomas Nagel gäbe es die Akademie für Neue Medien in der heutigen Form sicher nicht mehr, darin waren sich die Gäste der kleinen Jubiläumsfeier unter 2G-Auflagen im Langheimer Amtshof einig. Seit 35 Jahren werden in der Einrichtung Journalisten ausgebildet, immer wieder mussten Durststrecken überwunden werden, sogar die Schließung drohte vor einigen Jahren.

"Doch Thomas Nagel hat immer wieder neue Chancen ergriffen, um die Akademie neu aufzustellen", sagte Bezirkstagspräsident Henry Schramm, der sich wie Landrat Klaus Peter Söllner immer wieder für den Erhalt des Akademiestandorts eingesetzt hatte. Eine Institution in Kulmbach voranzubringen sei deutlich schwieriger als in München, ergänzte der Landrat und betonte die Relevanz des Medienstandorts Kulmbach. "Es ist ein Lebenswerk, auf das du stolz sein kannst und für das wir dankbar sind", sagte Henry Schramm an Akademieleiter Thomas Nagel gewandt.

Thomas Nagel ist heuer 30 Jahre im Amt. Er blickt auf diese ereignisreiche Zeit gerne zurück. "Mein persönliches Fazit lautet: Die Technik hat sich geändert, die journalistischen Grundlagen sind geblieben." Von der Bandmaschine zum Smartphone - so ließe sich wohl die Entwicklung seines Jobs kurz und bündig zusammenfassen. Er sei der typische Quereinsteiger gewesen.

"Kalt und zugig"

Nagels journalistischer Weg begann mit einem Praktikum beim damaligen Lokalradio Welle Plassenburg, nach einem halben Jahr durfte er am ersten Kompaktkurs zum Broadcaster teilnehmen. Schließlich bekam er ein Volontariat bei Radio Plassenburg angeboten. Mit zwei Halbtagsstellen fing er dann 1992 bei der Akademie für Neue Medien und der Akademie der Bayerischen Presse an. "Mein Schreibtisch stand im Gang, kalt und zugig", erinnerte sich Thomas Nagel.

Am 26. Februar 1987 war die Akademie für Neue Medien von Verleger Horst Uhlemann gegründet worden. "1988 begann der erste Kompaktkurs mit Plattenspieler, Kassettenrekordern und Bandmaschinen", erklärte Thomas Nagel. Mit Rasierklinge und Klebeband seien die Beiträge produziert worden. 1992 startete er als Seminarleiter im Langheimer Amtshof, 2002 wurde er zum Studienleiter ernannt. "Die Ausbildung an der Akademie hat sich gewandelt, vom Broadcaster über den PR-Manager und den Onlinejournalisten hin zum Crossmediaexperten." Diese Ausbildung wurde 2019 erstmals angeboten. Über den Wandel, dem der journalistische Beruf in den letzten 35 Jahren unterworfen war, sprach auch Vorsitzender Johann Pirthauer. "Zählt der Journalismus noch zu den Traumberufen?", fragte er sich. Auf jeden Fall, lautete seine Antwort, aber der Job sei anspruchsvoller und unsicherer geworden. Die Gesellschaft müsse sich fragen, für welche Informationen sie noch bereit sei, Geld zu zahlen. Eine zunehmende Verrechtlichung des Geschäfts erschwere den Journalisten die Arbeit ebenso wie Attacken von Querdenkern & Co. "Mit großer Sorge blicke ich in die USA, wo immer mehr Lokalzeitungen von der Bildfläche verschwinden."

Medienkompetenz als Schulfach

Die Folge sei eine Ausdünnung des seriösen Informationsangebots, die schließlich zu einer Verschiebung des gesamten Wertesystems führe. Die Aufdeckung von Fake News spiele daher im journalistischen Alltag eine immer größere Rolle. "Die Prüfung von aktuellen Fakten ist der Kern des Journalismus", sagte Pirthauer. In der Ausbildung dürften nicht nur die Basics vermittelt werden. Wichtig seien darüber hinaus Verantwortung, eine "kritische Loyalität" gegenüber den Institutionen eines demokratischen Staates, Unabhängigkeit und ein Stück Bildungsauftrag und Wertschätzung für die Menschen und deren Sorgen und Fragen. Darüber hinaus plädierte er dafür, das Fach Medienkompetenz zumindest an allen weiterführenden Schulen einzuführen. "Die digitale Transformation unserer Gesellschaft ist so umfassend, dass künftige Generationen entweder selbstbestimmt damit umgehen können oder von Filterblasen und Aggregatoren beherrscht werden", sagte Johann Pirthauer.

Mehr Informationen zur Akademie: www.bayerische-medienakademien.de.