Stephan Herbert Fuchs

Nur einen Tag, nachdem sie wegen einer Trunkenheitsfahrt vom Amtsgericht zu einer Geldstrafe verurteilt worden war, hatte eine 43-jährige Frau aus Kulmbach im Friseursalon im Einkaufszentrum Fritz so richtig aufgedreht. Sie erschien mit mehreren Flaschen Rotwein, nahm immer wieder einen kräftigen Schluck daraus, grölte herum, beschimpfte das Personal mit unflätigen Worten und zur Krönung des Ganzen pinkelte sie auch noch mitten in den Laden.

Wegen Beleidigung in zwei Fällen ist sie jetzt zu einer Geldstrafe von 1200 Euro (120 Tagessätze zu jeweils 10 Euro) verurteilt worden.

Der 19-jährigen Auszubildenden war während ihrer Zeugenaussage der Schreck noch immer anzumerken. "Ich dachte, ich bin im falschen Film", sagte die junge Frau.

Sie sei damals total überfordert gewesen und habe sich nicht mehr zu helfen gewusst. Deshalb habe sie ihre Chefin angerufen, die ausgerechnet an diesem Tag Urlaub hatte. Die Ladeninhaberin eilte, nichts Gutes ahnend, sofort herbei.

Die 40-jährige Friseurin wusste aber nach eigenen Angaben ebenfalls nicht, wie ihr geschah. Nachdem ihr in der Polizeiinspektion Kulmbach erklärt worden sei, dass sie wegen einer anderen Sache keine Streife schicken könne, habe sie die Security-Mitarbeiter des Hauses herbeigerufen. Die führten die Frau schließlich aus dem Salon und erteilten ihr Hausverbot.

Zuvor sei die Frau absolut aggressiv gewesen, dann sei sie über dem Waschbecken kurzzeitig eingeschlafen, um danach noch mehr herumzubrüllen. Fremdschämen sei angesagt gewesen, als die Angeklagte auch noch in den Laden urinierte.

Vor Gericht gab die Angeklagte an, keinerlei Erinnerungen mehr an diesen Tag zu haben. In Abrede wollte sie den Vorfall allerdings nicht stellen. Sie hatte sich bereits telefonisch für alles, was vorgefallen war, entschuldigt, und tat dies auch jetzt noch einmal persönlich bei der Chefin und ihrer Auszubildenden.

Im Bezirkskrankenhaus entgiftet

Die Angeklagte gab an, unter massiven Alkoholproblemen zu leiden. Gleich nach dem Vorfall sei sie zur Entgiftung im Bezirkskrankenhaus gewesen, mittlerweile mache sie eine stationäre Langzeittherapie.

Damals habe sie jeden Tag getrunken, immer Rotwein, manchmal schon ab dem Vormittag.

Zehn Vorstrafen hatte sie bereits in ihrem Register, darunter auch einschlägige, also wegen Beleidigung und wegen Trunkenheit im Verkehr. Zuletzt wurde sie am 8. April dieses Jahres zu 900 Euro Geldstrafe verurteilt, weil sie mit satten drei Promille Alkohol im Blut gegen eine Mülltonne gefahren war. Das war am 8. April dieses Jahres, und schon am 9. April kam es zu den unschönen Szenen im Friseursalon.

Schon allein wegen der hohen Rückfallgeschwindigkeit sah der Vertreter der Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe für nicht mehr ausreichend an und plädierte auf fünf Monaten mit Bewährung. Weil die Frau eingesehen habe, dass sie etwas gegen ihre Alkoholsucht unternehmen muss, könne man eine günstige Sozialprognose stellen.

Verteidiger Frank Laudam aus Bayreuth plädierte dagegen auf eine verminderte Schuldfähigkeit seiner Mandantin, weil die Frau bereits in alkoholisiertem Zustand den Friseursalon betreten hatte. Der Rechtsanwalt sah eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu jeweils zehn Euro (600 Euro) als ausreichend an.

Richterin Sieglinde Tettmann entschied sich schließlich zwar für eine Geldstrafe, setzte sie mit 1200 Euro jedoch doppelt so hoch an wie vom Verteidiger beantragt.

Die verminderte Schuldfähigkeit sei nicht auszuschließen, zumal mal man keinen Blutalkoholwert habe. Weil die Frau aber zwischenzeitlich entsprechende Maßnahmen zur Bekämpfung ihrer Sucht ergriffen habe, sei keine Bewährungsstrafe notwendig.