von unserem Mitarbeiter Thomas Weichert

Wiesenttal — Das war ein Schock für die Wiesenttaler Marktgemeinderäte, als Ingenieur Friedrich Trautner die Objektplanung für den Förderantrag zur interkommunalen Zusammenarbeit des Markts Wiesenttal mit dem Wasserversorger der Aufseßgruppe vorgestellt hatte.
Denn die Kosten für die Verbindungsleitung der Wasserversorgungen des Markts Wiesent-tal und der Aufseßgruppe zwischen Voigendorf und Albertshof sind seit dem Frühjahr geradezu explodiert.
Rechnete Trautner damals noch mit überschlägigen Kosten von rund 500 000 Euro, kam er nach den neuesten Berechnungen nun auf rund 824 000 Euro netto für die 2428 Meter Wasserleitung. Die Räte wie auch Bürgermeister Helmut Taut (FWW) waren zunächst sprachlos. Trautner begründete die enorme Kostensteigerung unter anderem damit, dass Kunststoffrohre um bis zu 30 Prozent teurer geworden sei. Mit einer Leitung ist es aber nicht getan. Es müssen in Voigendorf, Gößmannsberg und Albertshof auch Abgabeschächte, in Voigendorf mit Pumpwerk, errichtet werden.

Deutliche Mehrkosten

Trautner hat aufgrund des Zuwendungsantrags die Kosten an der oberen Grenze festgesetzt. Würde man zu wenig beantragen und es käme dann teurer, würden die Mehrkosten nicht mit 50 Prozent bezuschusst.
Trautner hofft, dass es am Ende nicht so teuer kommt wie er nun errechnet hat. Einige Leitungsabschnitte könnten vielleicht eingepflügt werden. Dies würde die Kosten der Erdarbeiten, die der größte Kostenfaktor sind, senken. Möglich sei auch die Verlegung von Guss- anstatt Kunststoffrohren, falls diese günstiger kämen.
Als erster Redner zeigte sich Helmut Hofmann (ZJ) trotzdem völlig geschockt. "Wie will man der Bevölkerung gegenüber diese Kostenmehrung innerhalb eines Jahres vertreten?", fragte Hofmann.
Der Planer verteidigte sich damit, dass die erste Berechnung lediglich eine Kostenschätzung war. "Das haut mich schier um", so Hofmann, der eine genaue Kostenaufstellung forderte. "Hundert Prozent Mehrkosten sind ja die Härte", so auch Roland Knauer (BGS).
Für 250 000 Euro habe man ganz andere Hausaufgaben in der Wasserversorgung zu machen. "Anstatt eine imaginäre Leutung zu bauen können wir auch einen zweiten Brunnen bohren", so Knauer, der deshalb eine gemeinsame Sitzung mit dem Zweckverbandsräten der Aufseßgruppe anregte. "Wir haben noch zwei bis drei weitere Bauprojekte. Dritte Bürgermeisterin Susanne Braun-Hofmann (CSU) betonte ihrerseits, dass ihr die Gesamtkonzeption für die Wiesenttaler Wasserversorgung fehle. "Noch größere Bauchschmerzen werden wir mit dem Gesamtkonzept haben. Dann können wir einpacken, zusperren und heimgehen", zeichnete Joachim Gebhard (BGS) eine düstere Zukunft.

Frage der Alternativen

"Haben wir Alternativen? Wir stehen unter Zwang, das ist unser Problem", so Hans Heißenstein (WU). Denn bis Ende September muss der Zuschuss beantragt sein.
"Wenn wir noch etwas rumtun, brauchen wir im August drei Sondersitzungen", so Taut. Er schlug deshalb vor, einen Förderantrag zu stellen. Ob damit am Ende aber gebaut wird oder nicht, ist damit noch nicht gesagt.