Roland Schönmüller Am heutigen 18. November ist Buß- und Bettag. Dieser kirchliche, traditionsreiche Feiertag findet immer mindestens elf Tage vor dem ersten Advent statt.

Wo ist der Buß- und Bettag ein Feiertag? Der Buß- und Bettag ist derzeit nur noch in einem Bundesland ein gesetzlicher Feiertag: in Sachsen. Die Geschäfte bleiben dort am heutigen Mittwoch geschlossen. Nicht wenige Menschen dürften größtenteils daheim sein, ausschlafen und Aktivitäten in Haus, Hobbywerkstatt und Fitnessraum entwickeln. Wer sich aber noch ein paar Weihnachtsgeschenke und Winter-Schnäppchen sichern will, der kann als Sachse in den an Sachsen angrenzenden Bundesländern Bayern, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg zum Einkaufen fahren. Alternativ kann natürlich auch virtuell fleißig geshoppt werden. Online-Portale locken mit zahlreichen Angeboten.

Kein Unterricht in Bayern

Eine Sonderregelung gibt es für Schüler in Bayern: Sie haben heute unterrichtsfrei und dürften diesen Tag maskenfrei in ihren vertrauten Räumen daheim genießen. Bundesdeutschen Arbeitnehmern ist es möglich, sich an diesem Tag aus religiösen Gründen freizunehmen. In Bayern gilt der Buß- und Bettag außerdem als stiller Tag. Das heißt, dass an diesem Tag Tanzverbot gilt. Das Tanzverbot startet um zwei Uhr in der Früh und dauert bis Mitternacht an.

Bekanntlich hat der Buß- und Bettag einen evangelischen Ursprung. Das verrät schon der Titel des Feiertags.

Aber: Obwohl der heutige Tag als Buß- und Bettag bezeichnet wird, muss an diesem Tag keine Buße mehr geleistet werden. Es ging bei diesem protestantischen Feiertag einst nicht um Strafe, sondern um Reflexion und Schuldgefühle für bereits vergangene Sünden.

Eine Art Neujahrstag

Heutzutage hat der Buß- und Bettag eine andere Bedeutung: Es wird an diesem Tag auf sozio-ökologische Probleme hingewiesen. Die Evangelische Kirche in Bayern charakterisiert diesen Tag auch als letzten Feiertag im Kirchenjahr. Der Buß- und Bettag symbolisiert damit auch eine Art Neujahrstag der Evangelischen Kirche.

Die Evangelische Kirche selbst erklärt den Hintergrund des Tages folgendermaßen: "Der Gedenktag dient dem Nachdenken über individuelle und gesellschaftliche Irrtümer wie beispielsweise Ausländerhass, Umweltzerstörung und die Ausgrenzung von Armen und Obdachlosen. Insbesondere die Buße passt so gar nicht in das Selbstbild des modernen Menschen", erläutert ein evangelischer Pfarrer aus Franken. Denn: "Mit Buße hat Jesus von Nazareth tatsächlich die Sinnesänderung, die Umkehr gemeint. Und die dachte er durchaus radikal. Gemeint war nicht, ein wenig über das eigene Leben nachzudenken, über eigene Verfehlungen oder Möglichkeiten der Selbstoptimierung, sondern eine radikale Neubesinnung." Als evangelischer Feiertag bietet der Buß- und Bettag der Gesellschaft die Gelegenheit, innezuhalten, den eingeschlagenen Kurs zu überprüfen und - wenn nötig - zu korrigieren.