"Übergreifender Abteilungsleiter" lautete die Berufsbezeichnung eines 46-jährigen Angestellten eines mittelständischen Unternehmens im Landkreis Kronach in seinem Arbeitsvertrag. Diese Aufgabe nahm der Mann in Führungsposition im Frühjahr vergangenen Jahres allzu wörtlich: Einer 18-jährigen Auszubildenden soll der verheiratete Mann aus Thüringen damals während der Dienstzeit in seinem Büro Fragen sexistischen Inhalts gestellt, ihr verbal Avancen gemacht und sie körperlich an empfindlichen Stellen angefasst haben.

Nach der Anzeige der jungen Frau bei der Firmenleitung kurze Zeit später hatte der Angreifer seine fristlose Kündigung erhalten. Wegen sexueller Belästigung musste er sich am Donnerstag nun auch vor dem Kronacher Strafrichter Christoph Lehmann verantworten.

Einspruch hatte der Angeklagte gegen einen Strafbefehl zur Zahlung von 3000 Euro, inklusive voraussichtlicher Eintragung ins Vorstrafenregister, eingelegt. Nach der Aufarbeitung des unrühmlichen Betriebsgeschehens im Gerichtssaal wandelte der Richter die Strafe in die Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage um. Damit dieser Vorfall später nicht im Sündenregister des Staates auftritt, musste der Angeklagte nun 1000 Euro drauflegen: Das Verfahren wurde gegen Zahlung von 4000 Euro ohne offizielles Urteil und Eintrag eingestellt.

Staatsanwältin Jana Müller informierte darüber, dass der Angeklagte damals in seinem Büro die Auszubildende unter vier Augen befragt haben soll: "Wie ist denn Deine Lieblingsstellung beim Sex?" Großzügig soll er ihr angeboten haben, dass man sich heimlich treffen könne. Seine Angetraute müsse davon aber nichts wissen. Zum Abschluss soll er die Hüfte der Auszubildenden umschlungen und ihr einen Schlag auf den Po verpasst haben.

Handynummern ausgetauscht

"Ich hatte zu ihr kein schlechtes Verhältnis, es war freundschaftlich und umgänglich", erklärte der Angeklagte. Die 18-Jährige habe ihn während des ersten Lockdowns gebeten, ihr beim Homeschooling zu helfen. Deshalb habe man Handynummern ausgetauscht.

Der Richter verlas im Gerichtssaal einiges vom Chat-Verlauf zwischen dem mutmaßlichen Täter und dem Opfer. So habe die 18-Jährige unter anderem mit Smileys und Küsschen korrespondiert. Der Angeklagte hatte in gleicher Weise in einigen Teil noch viel intensiver geantwortet und dabei versucht, Kontakte anzuzetteln, mit dem mutmaßlichen Ziel zukünftiger privater Treffen.

"Ist das ein Umgangston zwischen Abteilungsleiter und Auszubildender?", fragte der Richter. "Sie haben eine Vorbildfunktion und keine Herzchen und Küsschen zu schicken."

Der Angeklagte beteuerte: "Ich wollte cool sein, nett und jugendlich. Ich wollte reagieren, so wie sie es machte." Die Frage nach den Sexvorlieben habe eher witzig sein sollen. An dem Tag habe er die Auszubildende in seinem Büro lediglich an die Hüfte gefasst: "Am Po habe ich sie nicht angegriffen."

Anders sah dies die 18-Jährige als Zeugin. Sie erklärte den Versand der Herzchen und Smilyes ihrerseits an den Angeklagten während des Homeoffices so: "Das mache ich immer und bei jedem so, ich habe mir nichts dabei gedacht."

Ihr nun angeklagter Vorgesetzter habe ihr auch oft angeboten, dass er sie nach Hause fahren könnte, mit der Ergänzung: "Mein Auto ist dafür groß genug."

Nach dem Übergriff im Büro habe sie zuerst nicht reagiert. "Ich war im Schockzustand." Mit dem Geständnis gegenüber der Firmenleitung habe sie nur bezwecken wollen, dass der Angeklagte in eine andere Abteilung versetzt werde und sie keinen Kontakt mehr zu ihm haben müsste.

Eine Rüge vom Richter

Die Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage von 5000 Euro wollte die Staatsanwältin. Die Prozessbeteiligten einigten sich schließlich auf die genannte Summe, auch hinsichtlich der Tatsache, dass der 46-Jährige bereits seinen langjährigen Arbeitsplatz verloren hat. Richter Lehmann meinte abschließend zum Angeklagten: "Ich finde es unmöglich, was sie als erwachsener Mann und Abteilungsleiter gemacht haben." Dies sei unerträglich im betrieblichen Umfeld - und das auf sexueller Ebene.