Der Eberner Bürgermeister Jürgen Hennemann empfing Landwirte mit Nutzflächen in den Wasserschutzgebieten sowie die Vertreter des Bauernverbands, der Fachbehörden und der Verwaltung im alten Rathaus in Ebern. Eingeladen hatten die Wasserversorger Stadt Ebern und die Pfarrweisacher Gruppe mit dem Vorsitzenden und Bürgermeister Ralf Nowak. Jürgen Hennemann bedankte sich ausdrücklich bei allen Beteiligten für die gute Zusammenarbeit, wie die VG Ebern mitteilte.

2018 war in Deutschland das wärmste und eines der trockensten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Dies unterstreiche, dass Wasserversorger und Landwirte in einem Boot sitzen und die Herausforderungen der Zukunft gemeinsam meistern müssten, sagte Hennemann. Und weiter: "Wir müssen gemeinsam als Wasserversorger und Landwirte dafür sorgen, dass wir unsere Wasserversorgung mit gutem Trinkwasser für die Bevölkerung erhalten und für die Zukunft sichern."

1990 wurden die ersten Kooperationsverträge abgeschlossen mit dem Ziel, die Trinkwasserqualität in den insgesamt sechs Brunnen zu sichern. Die Landwirte verpflichteten sich, Düngung und Pflanzenschutz über die geltenden Fachgesetze hinaus grundwasserschonend zu gestalten. Dafür erhalten sie seitdem Ausgleichsleistungen, deren Höhe an den Gehalt des Bodens an mineralischem Stickstoff im Spätherbst gekoppelt ist.

Um den neuen gesetzlichen Regelungen gerecht zu werden und möglichst weiter die Nitratwerte im Grundwasser zu senken, hatte die Verwaltungsgemeinschaft (VG Ebern) Christoph Hartmann vom Fachbüro GeoTeam aus Bayreuth beauftragt, die Kooperation weiterzuentwickeln. "Das alte Rathaus ist genau der richtige Ort für dieses Thema", sagte Hartmann. Hier kamen früher die Bauern und Bürger zum Markt zusammen. "Das brauchen wir heute, damit wieder mehr miteinander und nicht übereinander gesprochen wird."

Er berichtete, dass die Nitratgehalte in den Brunnen bereits rückläufig seien, aber weitere Maßnahmen umgesetzt werden sollten, um diese Erfolge zu sichern. Zudem werde es als ungerecht empfunden, wenn der Landwirt sich an alle Vorgaben gehalten hat und ihm das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht. Daher sei eine Kombination aus handlungsbezogenen Prämien, zum Beispiel für Zwischenfruchtanbau ohne Leguminosen, und ergebnisbezogener Honorierung sinnvoll. Das solle in die zukünftigen Verträge aus Sicht der Wasserversorger einfließen, um die Mitarbeit der Landwirte zu honorieren.

Hartmann schlug vor, die gesetzlichen Ansprüche zukünftig ohne Koppelung an den Stickstoffwert des Bodens mit festen Ausgleichbeträgen abzugelten. Heute sei zum Beispiel in der engeren Schutzzone (Zone II) aus hygienischen Gründen ein generelles Ausbringungsverbot für Wirtschaftsdünger notwendig. Deshalb müssten viehhaltende Landwirte oft Gülle auf weiter entfernte Flächen ausbringen. Oder sie müssten entscheiden, ob sie stattdessen mehr mineralischen Dünger zukaufen. Auf freiwilliger Basis haben sich laut Hartmann in benachbarten Projekten verschiedene Prämienbausteine bewährt, um Überschneidungen mit dem Kulturlandschaftsprogramm auszuschließen. So seien in den Wasserschutzgebieten der Brunnen mit erhöhten Nitratwerten zusätzliche Prämien geplant für weniger düngeintensives Winterbraugetreide, Dinkel und Roggen sowie für die Optimierung des Mais- und Rapsanbaus.

Nach dem Vortrag und den Erläuterungen von Hartmann entstand eine rege Diskussion wegen der teilweise hohen Stickstoffwerte, die im letzten November und Dezember in den Böden gemessen wurden. Manche Messwerte seien nicht nachvollziehbar, hieß es. Besonders die hohen Werte bei Grasflächen. Joachim Dömling vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schweinfurt wies darauf hin, dass diese Methode für Ackerflächen entwickelt worden sei und daher für nicht gedüngte Blüh- und Stilllegungsflächen keine genauen Aussagen erlaube. Hartmann ergänzte, dass im Sickerwasser unter Dauerbegrünungen in der Regel deutlich weniger Nitrat zu finden sei als unter Ackerflächen. Er empfiehlt den Wasserversorgern, für Ackerflächen, die extensiviert, zum Feldfutteranbau oder als Grünland genutzt werden, den vollen Ausgleich ohne Bodenproben zu leisten. Dies stieß auf Zustimmung.

"Die Auswirkungen des Klimawandels machen sich bei uns schon bemerkbar. Die Bedeutung der Kooperation mit den Landwirten wird daher in Zukunft weiter zunehmen, gegebenenfalls auch über die Wasserschutzgebiete hinaus in den Einzugsgebieten der Brunnen", stellte Hartmann fest. Praxisgerechte Lösungen müssten jedenfalls in einem konstruktiven Dialog mit den Beteiligten vor Ort gefunden und umgesetzt werden, sagte der Experte.

Genau das soll im Laufe dieses Jahres geschehen, wie der Bürgermeister Ralf Nowak am Ende der Versammlung betonte. Nur so könne man das wichtigste Lebensmittel für die Kinder und Enkelkinder bewahren. red