Lichtenfels — Über seinen Verteidiger gab der Angeklagte eine Erklärung ab. Die, wonach er den Belastungszeugen nur flüchtig kenne und ganz sicher keine Drogen von ihm bezogen habe. Die Staatsanwaltschaft sah das anders und strengte am Mittwoch im Amtsgericht die Verurteilung an. Sechs Monate Haft auf Bewährung und allerlei Auflagen für den schon zweimal wegen Drogenbesitzes Vorbestraften kamen dabei heraus.
Kopfschütteln beim Angeklagten, als Richterin Anja Wolf-Albrecht das Urteil verlas. Doch schon vorher neigte der nach Bamberg verzogene 28-Jährige dazu, Gehörtes und Gesagtes im Prozess gestisch zu kommentieren. Dass eine einfache Beschuldigung eines Zeugen zur Verurteilung ausreichen könne, wollte ihm nicht einleuchten. Sowohl für die Vorsitzende des Prozesses als auch für den Vertreter der Staatsanwaltschaft, Christoph Pabstmann, reichten die schmucklosen Ausführungen des 24-Jährigen aus. "Wir haben uns ab und an getroffen und da hab' ich ihm was verkauft", eröffnete dieser umstandslos. 15 Käufe von Marihuana im Bereich um die acht Gramm sollen zwischen Frühjahr 2013 und Sommer 2014 über die Bühne gegangen sein. Die Bühne, das war das Michelauer Klärwerk.

Profiteur eines Paragraphen

Maximilian Glabasnia, Verteidiger des Angeklagten, suchte für seinen Mandanten die Glaubwürdigkeit des Zeugen zu hinterfragen. Er stellte fest, dass der 24-Jährige Profiteur eines Paragraphen sei, der Strafnachlass bei Aussagen macht. Hier setzte Glabasnia an und stellte die Frage, ob ein Strafnachlass nicht auf Kosten seines Mandanten ginge. Da die zeitlichen Angaben ungenau sind, könne sein Mandant auch nicht etwaige Alibis vorbringen. Hier sah Glabasnia eine "Beschränkung der Verteidigungsmöglichkeit" und forderte einen glatten Freispruch.
Das Bild, das Richterin Anja Wolf-Albrecht gewonnen hatte, war, dass der Zeuge "keinen Belastungseifer" an den Tag legte, dass er mit den Aussagen über den 28-Jährigen auch sich selbst belastet habe und darum glaubwürdig genug sei. In ihrem Urteil stützte sie sich Rauf die Glaubwürdigkeit des Zeugen und erklärte: "Man kann nicht sagen, nur weil Straffreiheit winkt, lügt er."
"Macht er aber", warf der Angeklagte protestierend und das Plädoyer unterbrechend ein und erntete ein: "Sie halten jetzt den Mund, jetzt bin ich dran." Neben den sechs Monaten Haft auf Bewährung, erging noch die Auflage einer dreijährigen Bewährungszeit und der Zahlung von 800 Euro. MH