von unserem Mitarbeiter Richard Sänger

Herzogenaurach — Zu einem launigen Vortrag bei einem ernsten Thema holte sich der Hospizverein Herzogenaurach den Rechtsanwalt Wolfgang Putz, Lehrbeauftragter für Medizinrecht und Medizinethik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er sprach im Vereinshaus über "Patientenrechte am Lebensende".
Wolfgang Putz ist einer der profiliertesten Juristen in Deutschland, wenn es um Fragen zum Bereich "Sterbehilfe" geht. Er erklärt, wann Suizidhilfe erlaubt ist und wann nicht, und warum Ärzte Gefahr laufen, bestraft zu werden, wenn sie schwerstkranken Sterbewilligen helfen, ihr Leiden zu beenden.
Als passiv gilt Sterbehilfe dann, wenn man es zulässt, dass der Tod aufgrund alters- oder krankheitsbedingter Konstitution eintreten kann und dieser Prozess begleitet wird. Hierbei hat die Zustimmung des Patienten, sein Einverständnis im Mittelpunkt zu stehen (eine ärztliche Aufklärung dazu ist aber rechtlich nicht erforderlich). Die Problematik liegt in der Erkundung seines Willens, wenn der Schwerstkranke nicht mehr ansprechbar ist und sein Sterben noch eine Weile hinaus gezögert werden könnte.
Viele Menschen haben Angst, bei schwerer Krankheit oder am Ende des Lebens durch die sogenannte Apparatemedizin gegen ihren Willen unendlich am Leben erhalten zu werden. Sinnvolle Gegenmaßnahmen sind die Patientenverfügung und die Vorsorgevollmacht, erklärt Putz dazu. "Bevor Sie eine Vorsorgevollmacht oder eine Patientenverfügung erstellen, ist eine qualifizierte Beratung allerdings sehr sinnvoll", rät Wolfgang Putz.
In mehreren hundert Fällen hat Putz das selbstbestimmte Sterben von Menschen begleitet und juristisch durchgesetzt. Der Fortschritt in der Medizin macht es möglich, dass heutzutage Patienten selbst bei schwersten, unheilbaren Gehirnschäden noch lange Zeit am Leben gehalten werden können.
Nicht selten muss das Zulassen des Sterbens nach dem Willen des Patienten mit juristischen Mitteln erkämpft werden. Mit mehreren hundert Fällen haben wir im Bereich der Durchsetzung des Patientenwillens die größte Erfahrung in Deutschland, so Putz.
Er setzte sich im nahezu vollbesetzten Vereinshaus nicht nur mit dem Patientenverfügungsgesetz, dem neuen Patientenrechtegesetz und Urteilen zur Sterbehilfe auseinander, er ging auch auf Fragen zu Patientenvollmachten sowie zu Patienten- und Betreuungsverfügungen ein. Dazu gab er wertvolle Tipps, wie diese Formalitäten sinnvoll zu verfassen sind.

Was ist erlaubt, was ist verboten?

"Ab dem 18. Lebensjahr sollte sich jeder damit befassen, vorher können es die Eltern regeln", sagte Putz. Denn eine schwerwiegende Gehirnschädigung könne beispielsweise durch einen Unfall auch junge Menschen treffen. Eine Patientenverfügung würde dabei eine einzige Frage regeln: "Wenn der Herrgott mich ruft, komme ich jetzt oder später?"
Gerade bei der Sterbehilfe stelle sich die Frage - was ist erlaubt, was ist verboten? "In den letzten zehn Jahren hat sich durch die höchstrichterliche Rechtsprechung und durch die Gesetzgebung eine noch nie da gewesene Rechtssicherheit hinsichtlich der Begleitung von kranken Menschen am Lebensende ergeben", erklärte Putz.
So hatte der Bundesgerichtshof klargestellt, dass der Arzt sogar verpflichtet ist, eine künstliche Beatmung aktiv zu beenden, wenn diese nicht mehr indiziert oder vom Patienten nicht mehr gewünscht ist. Geprägt ist die Entwicklung in Medizinethik und Medizinrecht von der uneingeschränkten Selbstbestimmung des Patienten am Lebensende und der Pflicht des Arztes, diese zu respektieren.