Purim, wörtlich das Fest der Lose, das heuer am 21. März gefeiert wird, ist eine fröhliche Angelegenheit: Die Kinder verkleiden sich, die Erwachsenen feiern ausgelassen, mit humoristischen Darbietungen und mit reichlich Essen und Trinken. Manche vergleichen es mit Fasching; und es finden sich tatsächlich einige Gemeinsamkeiten, auch wenn statt der Krapfen Hamantaschen gebacken werden, ein traditionelles Gebäck mit Mohn- oder Hiffenmarkfüllung.

So lustig es an Purim zugeht, ist der Hintergrund des Festes, im Gegensatz zum Fasching, dennoch ein sehr ernster. Und er ist bis heute hochaktuell, auch wenn das Buch Ester, in dem die Entstehung des Losfestes beschrieben wird, schon etwa 500 Jahre v.d.Z. verfasst wurde. "Losfest" heißt es deshalb, weil Haman, der intrigante oberste Minister des persischen Königs Achaschverosch (Xerxes), per Los bestimmt, an welchem Tag im ganzen persischen Reich ein Massaker an den dort lebenden Juden stattfinden und ihr Vermögen eingezogen werden soll. Es gelingt aber, nicht durch ein plötzliches Wunder, sondern durch die göttliche Vorsehung, den Lauf der Geschichte so zu ändern, dass die Juden gerettet und Haman und seine Anhänger am Ende selber hingerichtet werden. Damit ist Purim Symbol der sich wieder und wieder ereignenden Geschichte von Verfolgung, Widerstand und Überleben des jüdischen Volkes.

In den Synagogen wird zu Purim die Megillat Ester, das Buch Ester gelesen, und wir danken im Gottesdienst dem Ewigen für die wunderbare Errettung.

Und doch - wenn man die Ester-Geschichte aufmerksam liest, fällt einem auf, dass der Ewige dort kein einziges Mal erwähnt wird. Kein übernatürliches Ereignis, kein Engel mit dem Flammenschwert begegnen uns da, nur ganz normale Menschen, die mit Mut und Entschlossenheit handeln, ihrem Gewissen folgend, und unter Einsatz des eigenen Lebens. Es ist schon richtig: Der Ewige ist dort nicht genannt; und dennoch ist Er da, verborgen lenkt Er den Lauf der Geschichte, auch wenn Er scheinbar abwesend ist. Nichts geschieht zufällig. Dies zeigt uns das Wortspiel zwischen dem Namen der jüdischen Königin Ester und dem Begriff Hester Panim, dem "Verbergen des (göttlichen) Gesichtes". Darin findet sich die wahre Bedeutung von Purim als eine Botschaft der Hoffnung, dass der Ewige sich unserer annimmt, dass keiner je von Ihm alleingelassen wird, dass Er stets bei uns ist, gerade auch in solchen Situationen, wo wir Seine Anwesenheit am wenigsten spüren. Es ist gut, sich von Zeit zu Zeit fröhlich daran zu erinnern, in Dankbarkeit und Zuversicht!

Antje Yael Deusel ist Rabbinerin der Liberalen Jüdischen Gemeinde Mischkan ha-Tfila Bamberg.