Neugierig beugt sich ein Ehepaar zu einem roten Würfel herunter, betrachten ihn sich genauer. Direkt daneben steht, in einer gläsernen Vitrine verwahrt, der schwarz angemalte Kopf einer Puppe. Um die Stirn trägt er ein Stück dunklen Maschendrahts. Die beiden Kunstinteressierten blicken sich verdutzt in die Augen, runzeln ein wenig die Stirn. Das kann also auch Kunst sein.
Die experimentelle Skulptur mit dem Titel "Burn-out" wurde von Maren Ibe erstellt. Sie gehört zu den 36 Künstlern, deren Arbeit in der Vernissage "100 Jahre Bildende Kunst" ausgestellt ist. Diese feiert nicht nur die Kunstschaffenden der vergangenen 100 Jahre in Staffelstein und dem Obermaingebiet. Die Ausstellung markiert zudem das 20-jährige Bestehen der Kultur-Initiative Bad Staffelstein.


Austausch mit den Künstlern

Deren Vorsitzender Herrmann Hacker freut sich über die zahlreichen Besucher in der "Alten Darre" und wünscht viel Spaß beim Betrachten der Kunstwerke. "Natürlich gibt es auch die Gelegenheit, sich mit den jeweiligen Künstlern über ihre Bilder zu unterhalten", meint Hacker. Einige von ihnen sind bei der Eröffnung anwesend. Hacker selbst ist ebenfalls mit drei Bildern vertreten: Mit den Blei- und Buntstift-Zeichnungen "Franconian Mount Rushmore", einem Selbstportrait und einem Bild, welches wohl den Nerv der Zeit wie kein anderes trifft: "Selfie-Narzissmus".
Expressionismus, Surrealismus, Postmoderne. Die Stilrichtungen der einzelnen Bilder sind vielseitig. Das Titelbild der Ausstellung ist eher dem Realismus zuzuordnen: Es trägt den Namen "Sirin" und zeigt das Gesicht eines Mädchens, deren Körper von einem bunten Federgewand umhüllt ist. Eine Sirin ist eine Sagengestalt, zur einen Hälfte schöne Frau, zur anderen eulenähnlicher Vogel. "Wir haben das Bild ausgewählt, weil es plakativ und modern ist", erklärt Anton Köcheler von der Kultur-Initiative. "Und weil meinen Fisch sicher niemand als Titelbild sehen will", sagt er schmunzelnd.


Ausdruck der Gefühle

Damit meint er sein Acrylgemälde, welches eine ausgenommene Forelle darstellt. "Ich wollte eben ein bisschen damit provozieren", erklärt der Künstler. Provokant ist ebenfalls Roland Krappmanns "Der Eid", um das sich einige Besucher geschart haben. Die Bleistift-Zeichnung wirkt wüst, bizarr. Der abgebildete Mensch in der Mitte scheint traurig und zerrissen. "Jeder Künstler bringt seine eigenen Gefühle in das Bild", gesteht Krappmann, "es ist ein Ausdruck seiner Persönlichkeit."
Während sich die Besucher ein Kunstwerk nach dem anderem anschauen, sorgt Rainer Meyer mit den sanften Klängen seiner Gitarre für die musikalische Untermalung des Abends. Zu der Ausstellung gehört neben den Gemälden und Skulpturen auch eine Auswahl an Fotographien, die im Obergeschoss der "Alten Darre" zu finden sind. Sie zeigen beispielsweise eindrucksvolle Luftaufnahmen vom Staffelberg und von Schloss Banz.
Die Ausstellung ist bis zum 20. August zu sehen und kann jeden Donnerstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr besucht werden.