Hemhofen/Röttenbach — Der Langzeitpumpversuch für die drei Brunnen des Wasserzweckverbands Hemhofen-Röttenbach ist mit gutem Erfolg abgeschlossen. Diplom-Geologe Werner Reiländer stellte der Verbandsversammlung den Bericht vor.
Die Vorgeschichte: Vor rund 15 Jahren entdeckte man im Markwald südlich der Straße Röttenbach-Baiersdorf wasserführende Schichten, die mit Brunnen erschlossen werden konnten. Das war wichtig für die beiden Orte, denn die bisherigen Brunnen weiter nördlich waren nahezu erschöpft und der Zweckverband bezog einen Teil des Wassers aus Adelsdorf, um Wassermangel in heißen Sommermonaten vorzubeugen.


Gericht hat entschieden

Doch derselbe Grundwasserleiter wird auch durch Brunnen der Seebachgruppe nordwestlich von Dechsendorf Richtung Röhrach und Brunnen der Stadtwerke Erlangen in der Nähe der Straße von Dechsendorf nach Möhrendorf angezapft. Beide Wasserversorger befürchteten damals, ihre Brunnen könnten durch die Röttenbacher beeinträchtigt werden. Es kam sogar zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung. Danach erhielt der Zweckverband die Erlaubnis, bis zu 300 000 Kubikmeter Wasser pro Jahr aus dem Markwald zu fördern.
Gewissermaßen eine Spätfolge davon war der einvernehmliche Pumpversuch - unter definierten Bedingungen, so Reiländer - im vergangenen Sommer. Deshalb wurden im Juni und Juli die drei Brunnen auf Höchstförderung gefahren, während auch die Brunnen der Seebachgruppe und Erlangens liefen. "Das war auf die Zeit umgerechnet mehr als erlaubt. Der Grundwasserleiter wurde beansprucht wie sonst niemals mehr", erläuterte der Fachmann. Entnommen wurden in vier Wochen 40 000 Kubikmeter; das entspricht dem Bedarf einer sechswöchigen Trockenperiode.
Dabei sank der Wasserspiegel nicht unter eine bestimmte Linie und vor allem erholte er sich nach Beendigung sehr schnell wieder. Auch während der Pumpzeit zeigte sich, dass die Messstellen, je weiter sie entfernt waren, desto weniger reagierten. "Erkenntnis", so Reiländer, "die Pumpen im Markwald haben keine Auswirkung auf die Erlanger Westfassung und die Seebachgruppe." Das war ursprünglich vermutet worden, weil der Grundwasserleiter, eine rund 80 Meter dicke Gesteinsschicht, von Norden nach Süden verläuft.


Wasseralter bestimmt

Auch die Analyse des Wassers bestätigte die gute Qualität ohne Nitrat oder Eintrag von Düngemitteln. Durch Isotope wurde auch das Alter des Wassers bestimmt. Nur maximal 30 Prozent sind "junges" Wasser, das sich aus versickerndem Oberflächenwasser bildet. Der überwiegende Teil ist sogenanntes älteres Wasser, das vor 2000 bis 3000 Jahren entstanden ist.
Reiländer stellte dazu ein interessantes Detail vor: Alter von Wasser wird auch wie Holz durch die C14-Methode bestimmt. Ein weiterer Indikator ist das Vorhandensein von Tritium. Durch die Atombombenversuche der USA in den 60er Jahren entstand in dieser Zeit eine Anomalie in der Zusammensetzung von Luft und Wasser. "Sie war größer als die Auswirkungen des Reaktorunglücks von Fukushima", erläuterte Reiländer. Und: Sie ist heute noch im Wasser nachweisbar und kann deshalb bei "jungem" Wasser nachgewiesen werden. "Das Tritium bedeutet keinerlei Gesundheitsgefahr", betonte Reiländer. Das Ergebnis: Die 300 000 Kubikmeter sind langfristig förderbar. Es gibt keine verbleibende nachhaltige Absenkung der Wasserspiegel, aber es ist ein langsam reagierendes System. Deshalb legte Reiländer den drei Wasserversorgern nahe, ein gemeinsames Bewirtschaftungskonzept zu erarbeiten und durch Monitoring zu kontrollieren.
Aktuell hat der Pumpversuch noch etwas Gutes gebracht. Da die Schleuse Alterlangen von Grund auf erneuert wird, wird dort eine 30 Meter tiefe Baugrube entstehen. Man wird also bis in das Gestein unter den jungzeitlichen Sanden vordringen. Falls es da zu Problemen kommt, so Reiländer, könne das Ergebnis des Pumpversuchs als eine Art Beweissicherung dienen. Weiter bestellte in dieser Sitzung der Wasserzweckverband Christian Muß zum neuen Geschäftsführer, weil Karlheinz Langfritz in Ruhestand geht.