Im Wesentlichen war der Sachverhalt schon im ersten Drittel der Verhandlung klar. Alle anderen Aussagen sollten am Dienstag im Amtsgericht noch Puzzleteile zu dem Bild liefern, dessen Rahmen stand: gefährliche Körperverletzung, begangen von einem prügelnden Duo an einem Mann am Bahnhof Lichtenfels.
Der 20. Dezember 2016 war kein guter Tag für einen säumigen Schuldner. So wurde der Mann von der 30-jährigen Hausfrau aus Kronach bezeichnet, die vorgab, rund 500 Euro von ihm zu bekommen. Als er sich gegen 20.20 Uhr nahe Gleis 1 befand, geriet der 25-jährige Lichtenfelser in die Hände und an die Fäuste der Frau und ihres 36-jährigen Kronacher Lebensgefährten. An die Schläfe und ins Gesicht schlug ihm das Duo laut Anklageschrift.
"Ich hab' gehört, dass er sie abgezockt hat", erklärte der Beschuldigte vor Richter Stephan Jäger und Staatsanwältin Dominique Amend. Dabei zeigte er Mitgefühl für die finanziell angespannte Lage, in der sich seine Freundin befunden haben soll. "Mit zwei Kindern ist das schwierig, und der Schmarotzer hat ihr Geld verzockt." Aber er zeigte auch ein gewisses Vergnügen an der Tatkraft seiner Freundin. Durchaus amüsiert erklärte er: "Sie hat ihm ein paar in die Fresse gehauen."


"Bekannte" aus der JVA

Gekannt haben die beiden Männer sich schon vorher, begegneten sie einander doch in der Justizvollzugsanstalt. Direkt einsichtig äußerte sich der Angeklagte nicht. Auf die von Staatsanwältin Amend gestellte Frage, was er sich bei seinem Tun gedacht habe, gab der Gefragte zurück: "Na ja, man muss Konsequenzen tragen, wenn man wen abzockt." Auf eine Entschuldigung von seiner Seite brauchte Amend nicht hoffen. "Das werde ich machen - wenn er bezahlt", so der Angeklagte.
"Vor Wut und lauter Hass habe ich ihn gehauen", erklärte die 30-jährige Hausfrau ihren Standpunkt. Doch im Laufe ihrer Vernehmung sollte sich auch zeigen, dass sie die rund 500 Euro nicht zum Lebensunterhalt verwenden wollte, sondern - kuriose Note daran - um selbst Drogengeschäfte abzuwickeln.
Sie brachte zudem eine weitere Variante des Geschehens ins Spiel, als sie vorgab, ihr Lebensgefährte habe nur Streit zwischen ihr und dem Schuldner schlichten wollen und sei darum handgreiflich geworden.
Das Opfer der Angelegenheit vom 20. Dezember hinterließ kein gutes Bild bei seiner Vernehmung. "Ich möchte die Zeugenaussage verweigern, weil ich hab' eh keine Zeit." Zudem legte er eine besondere Form von Gleichgültigkeit an den Tag: "Ich habe am Bahnhof gesessen, da kamen sie angelaufen und da habe ich eine kassiert. Vielleicht zu Recht, vielleicht auch net", so seine Kurzversion.
Am Ende sollten sich in gewisser Weise die Wege des Paares in dieser Verhandlung trennen. Der Angeklagten, die bislang nur einmal wegen eines Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz mit dem Recht in Konflikt geriet, gestand Amend in ihrem Plädoyer eine Haftstrafe auf Bewährung zu. Ganz im Gegensatz zu dem 36-Jährigen. "Bei Ihnen schaut es ja nicht so rosig aus", so Amend. Einfuhr von Betäubungsmitteln, gefährliche Körperverletzung, Trunkenheit im Verkehr und gefährliche Körperverletzung standen zu Buche. Zudem, so hielt Amend fest, habe er während seiner Tatbeteiligung unter offener Bewährung gestanden. Neun Monate Haft auf Bewährung zu 100 Arbeitsstunden forderte Amend für die Angeklagte, ein Jahr und drei Monate ohne Bewährung hingegen für ihren Lebenspartner. Nach reichlich Bedenkzeit verhängte Jäger wegen gemeinschaftlich begangener gefährlicher Körperverletzung sechs Monate Haft auf Bewährung gegen die Frau und acht Monate ohne Bewährung gegen den Mann.