Alle an die Uni? Der Trend zum Abitur hält deutschlandweit ungebrochen an, doch auch die Quote derer, die keinerlei Schulabschluss erreichen, steigt langsam wieder an. Unter den Schulabgängern im Sommer 2015 hatten im Kreis Kronach rund 31,8 Prozent das Abitur in der Tasche, 3,4 Prozent blieben ohne jeglichen Abschluss. In der Bundesliga der Abiturienten liegt der Kronacher Landkreis damit auf Platz 198 unter den rund 400 im Regionalatlas ausgewerteten Städten, Kreisen und Stadtstaaten Spitzenreiter mit einer Abiturientenquote von 58,5 Prozent war die Stadt Darmstadt. Bei den Jugendlichen ohne Abschluss ist es für den Kreis Kronach Platz 352, wobei hier der letzte Platz der Beste ist, denn das ist der mit der niedrigsten Quote und gehört mit 1,7 Prozent dem bayerischen Landkreis Main-Spessart.


Regionalatlas Deutschland

Vielfach gelten sie als Bildungsverlierer - die Jugendlichen ohne Abschluss. Sie kommen allerdings teilweise aus Förderschulen und konnten nie einen Hauptschulabschluss erreichen. Dennoch ist in manchen Regionen die Zahl der Schüler ohne Abschluss sehr hoch. In den neuen Bundesländern ist im Schnitt jeder zehnte Schüler betroffen, geht aus den Zahlen der Statistischen Landesämter, gebündelt im Regionalatlas Deutschland, hervor. Im Kreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt sogar mehr als jeder sechste (17,3 Prozent). Das ist bundesweit unter den Städten und Kreisen zugleich der unrühmliche Spitzenplatz.
In ganz Bayern beendeten 4,6 Prozent junger Menschen die Schulzeit, ohne einen Hauptschulabschluss in der Tasche zu haben. Das ist eine etwas höhere Quote als im Vorjahr mit damals 4,4 Prozent. Deutschlandweit ist der Anteil der Abschlusslosen zum zweiten Mal in Folge - nach Jahren mit sinkender Tendenz - wieder leicht gestiegen: und zwar zuletzt von 5,5 auf runde 5,6 Prozent.
Etwa gut die Hälfte der Schulabgänger ohne Abschluss besuchte zuvor eine Förderschule, viele von ihnen eine mit den Schwerpunkten Lernen oder Geistige Entwicklung, die meist gar keinen Hauptschulabschluss anstreben konnten.
In der Summe blieben nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes bundesweit rund 47 400 aller 846 300 Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss, darunter 38 200 Deutsche und rund 9200 Ausländer. Doch selbst wenn man großzügig alle Förderschüler, also rund die Hälfte abzieht, verpasst eine hohe Zahl Jugendlicher die nötige Ausbildungsreife.


Brisante Zahlen

Aktuell entfernen sich die Zahlen deutschlandweit wieder vom Fernziel, das die Bundesregierung beim Bildungsgipfel im Jahr 2008 ausgerufen hat: Bis ins Jahr 2015 sollte sich die Quote der Schulabgänger ohne Abschluss von damals acht auf nunmehr runde vier Prozent halbieren. Aktuell sind es 5,6 Prozent.
Im Kreis Kronach entwickelten sich die brisanten Zahlen folgendermaßen: 2007 blieben 6,2 Prozent ohne Abschluss, 2010 waren es 5,0 und aktuell sind es 3,4 Prozent.
Während die einen damit denkbar ungünstige Voraussetzungen für den Start ins Berufsleben haben, steht den Abiturienten - zumindest auf dem Papier - alle Welt offen. Und immer mehr wollen diesen Abschluss erreichen: Lässt man die überhöhte Quote der doppelten Abiturjahrgänge (G8/G9) außen vor, machten im Sommer 2015 im Kreis Kronach rund 31,8 Prozent der Schüler Abitur. Verglichen mit der Basis 2014 (27,4 Prozent) ist das ein Plus von über einem Zehntel. Demgegenüber erreichten hier im Jahr 2007 rund 21,2 Prozent aller Schulabgänger den begehrten Abschluss. Deutschlandweit hatte zuletzt mehr als jeder dritte Schulabgänger (34,0 Prozent) das Abitur in der Tasche, sagt der Regionalatlas.
Dessen Zweck ist es, die lokalen Gegebenheiten vergleichbar zu machen. Und dafür sind im Moment noch die 2015er-Zahlen ausschlaggebend, weil nicht alle Statistischen Landesämter schon die 2016er-Daten zusammengezählt haben. red