Ekkehard Roepert Die Regierung entlastet Eltern und übernimmt 100 Euro der Kindergartengebühren. Daher protestieren Eltern aus Baiersdorf, weil das Geld nur zum Teil bei den Familien ankommt. "Es entsteht der Eindruck, dass dem Bürger von den 100 Euro gleich wieder etwas abgezwickt werden soll", ärgert sich Jürgen Lederer, der Elternbeirat des Kindergartens St. Josef.

Ein Protest-Verbund aus fünf Kindergärten hat sich zusammengeschlossen: Der Elternbeirat des Kindergartens Blumenstraße, die Elterninitiative Kindergarten "Kinderreich" und die drei Elternbeiräte der Kindergärten Seligmannstraße, St. Josef und St. Marien.

Sie wollen erreichen, dass die Stadträte ihren Beschluss vom Juni, die Gebühren bis zu 46 Prozent hochzusetzen, rückgängig machen. Immerhin haben die protestierenden Eltern schon erreicht, dass sich die Baiersdorfer Stadträte in dieser Woche nochmals des Themas annehmen.

Zu sozial gewesen?

Allerdings hält zumindest Kämmerer Hans Hofmann die Forderungen der Eltern für fragwürdig. Er weist auf die Empfehlung der Staatsregierung hin, dass die Gebühren zu je einem Drittel von der Stadt, den Eltern und dem Staat getragen werden sollten. Die Stadt Baiersdorf habe vielleicht den Fehler gemacht, in den vergangenen Jahren "zu sozial" agiert zu haben, meint der Kämmerer. Sprich, lediglich die steigenden Lohnkosten der Erzieherinnen seien auf die Gebühren umgelegt worden; nie aber seien die Lasten gleich verteilt worden. Folge: An der Stadt als Träger von drei städtischen Kindergärten blieben zuletzt 44 Prozent der Kosten hängen, während die Eltern nur 24 Prozent übernahmen. "Die Erhöhung soll das jetzt ausgleichen", sagt Hofmann.

Die Baiersdorfer Eltern machen ihre Hoffnung auf niedrigere Gebühren am Vergleich mit anderen Kommunen fest. Die Stadt Forchheim (siehe nebenstehende Info-Box) gebe die geplante Entlastung durch die bayerische Staatsregierung "komplett an die Familien weiter", heißt es beispielsweise in dem Protest-Brief, den die Eltern dem Bürgermeister, den Räten und an die Medien verschickten.

Während andere Kommunen angeblich keine oder nur geringe Gebührenerhöhungen vorsähen, erhöhe die Stadt Baiersdorf die Kindergartengebühren "um bis zu 46 Prozent", bedauern die Eltern. Im Durchschnitt laufe es auf eine 42-prozentige Erhöhung hinaus - "und die geplante Entlastung verpufft". Dem widerspricht Kämmerer Hofmann. Er habe sich in vergleichbaren Kommunen wie Adelsdorf oder Hirschaid umgehört. "Es sind viele Einrichtungen dabei, die erhöhen. Die Vorwürfe sind im Grunde nicht haltbar."

Über 400 Unterschriften

Die unzufriedenen Eltern sind anderer Meinung: Wenn von 100 gleich mal 70 Euro in die Kasse der Kommune wandern, dann sollte solch eine Unterstützung erst gar nicht groß angekündigt werden. Bei einer Unterschriftenaktion der Elternvertretungen seien "in wenigen Stunden über 400 Unterschriften von Bürgern der Stadt Baiersdorf zusammengekommen, die dieses Vorgehen ebenfalls verurteilen".

Elternsprecher Jürgen Lederer: "Natürlich gibt es überall turnusmäßige Erhöhungen. Aber wenn, wie beispielsweise in meinem Fall, ab September die Gebühren um 65 Euro steigen würden, dann ist das extrem."

Der Hinweis des Kämmerers auf die Drittel-Lösung überzeugt Lederer nicht: "Das ist lediglich eine Empfehlung, die ist bislang noch nie umgesetzt worden." Er sei "zuversichtlich", dass der Stadtrat verständnisvoll auf das Anliegen der Eltern reagieren werde. "Es wird wohl eine Erhöhung geben, aber sie soll kleiner ausfallen, uns stört, dass es extrem hoch ist."