Auch die Seelsorge in Zeiten von Corona muss auf Abstand gehen. Das stellt für Höchstadts Stadtpfarrer Kilian Kemmer eine bittere Erfahrung dar. "Hausbesuche zu runden Geburtstagen zum Beispiel bestehen meistens für das Gratulantenteam und mich im Einwurf der Glückwunschkarte in den Briefkasten und im Abstellen des Geschenkes an der Haustür." Die Krankenbesuche des Krankenhausseelsorgers Diakon Paszek und der anderen Seelsorger können - wenn überhaupt - nur mit hohen Hygienestandards stattfinden. Auch die Gottesdienste sind nicht öffentlich.

Ein schmerzlicher Umstand gerade in der Karwoche und am Osterfest, wie Kilian Kemmer gesteht. Trotzdem ergeben sich unzählige Kontakte in der verordneten und notwendigen Distanz. Eine diesbezügliche Erfahrung stellen die vielen "Gebetsketten" dar, die sich gebildet haben. Jeden Abend um 18 Uhr betet der Stadtpfarrer an der Lourdesgrotte in den verschiedensten Anliegen, die die Pandemie mit sich bringt und hervorruft. Wenn Kemmer an der Lourdesgrotte um diese Zeit eine Kerze entzündet, weiß er von vielen, die zu Hause gleichzeitig oder zeitversetzt beten und dazu auch eine Kerze entzünden. Die Lourdesgrotte wurde in diesen Wochen überhaupt zu einem Anziehungspunkt für Menschen, die den Ort täglich oder in regelmäßigen Abständen zum Gebet aufsuchen. Die täglich von 8 bis 18 Uhr geöffnete Stadtpfarrkirche nutzen viele Passanten, nicht zuletzt in der Mittagspause zum stillen Gebet.

Intensive Erfahrungen

Auch die täglichen Messfeiern der Priester ohne Öffentlichkeit stellen "eine intensive Erfahrung mit ausstrahlender, spiritueller Wirkung dar", wie der Stadtpfarrer und die beiden Pfarrvikare Dominik Syga und James Nangachiveetil übereinstimmend zu berichten wissen. Gerade auch an Sonntagen, wo auf dem Altar in St. Georg eine Monstranz mit dem Allerheiligsten steht, bemerken die Verantwortlichen des Pfarramtes viele Menschen, die zum persönlichen Gebet kommen und gehen.

Das Pfarrbüro hat sich zu einer Sorgenanlaufstation entwickelt. "Unsere Büroleiterin Silvia Lohmann könnte direkt bei der Telefonseelsorge anfangen", zeigt sich Kilian Kemmer dankbar. Ein ganz neues Feld stellt die digitale Seelsorge dar. Pastoralreferentin Monika Urbasik hält digitalen Kontakt zu den Kommunionkindern und deren Familien, zu den Jugendlichen und anderen Gruppierungen der Pfarrei. Die Weißen Sonntage mussten ebenso abgesagt werden wie alle anderen Veranstaltungen der Pfarrei. Diese Form der Kontaktpflege wie viele derartige seelsorgliche Berührungspunkte fordern die junge Theologin momentan schwerpunktmäßig.

Täglich um 19.30 Uhr überträgt die Pfarrei über ihre Homepage www.st-georg-hoechstadt.de einen Livestream aus der Stadtpfarrkirche. Dies soll nach dem Wunsch des Seelsorgeteams mindestens bis 3. Mai so weitergehen. Seit 28. März sendet die Pfarrei täglich. Bis Anfang Mai werden das knapp 30 Sendungen sein. Dank des engagierten Einsatzes eines Technikteams kann jeden Sonntagabend um 19.30 Uhr ein Gottesdienst aus St. Georg live angeschaut werden. Alle Sendungen und Gottesdienste sind im Archiv abrufbar, denn aufgrund der Internetüberlastung sind die Übertragungen manchmal nicht ganz störungsfrei. Die fünf jungen Techniker freuen sich, dass ihre Arbeit bereits mit knapp 19 000 Aufrufen gewürdigt wurde.

Um Abwechslung zu ermöglichen, werden nun neben den Geistlichen der Pfarrei auch andere Personen in der Reihe "Halb acht - kurz nachgedacht" einen Livestream gestalten. Maria Lisch, Karola dos Reis Goncalves, Sabine Dorsch, Rektor Michael Ulbrich, der Chefarzt des Krankenhauses, Martin Grauer, Bürgermeister Gerald Brehm und Landrat Alexander Tritthart haben ihre Beiträge bereits dem Pfarramt zugesagt. Auch Bambergs Erzbischof Ludwig Schick würdigt das Engagement der Pfarrei, indem er zu einem Livestream nach Höchstadt kommt.

"Auf vielfältige Art und Weise versuchen wir trotz der momentanen Distanz zugunsten einer ganzheitlichen Gesundheit von Menschen eine Form von Nähe herzustellen, die uns sehr eng verbindet", so Kemmer. LM