Im Gegensatz zum Gymnasium nimmt die fachpraktische Ausbildung in der elften Jahrgangsstufe der Fachoberschule einen hohen Stellenwert ein. Die Hälfte des Schuljahres ist mit Praktika in mehreren Betrieben ausgefüllt. In Zeiten von Corona kein leichtes Unterfangen. "Es war nicht einfach, die Schüler unterzubringen. Natürlich hatten wir Ausfälle", sagt Nora Whetzal, Betreuungslehrkraft an der Adalbert-Raps-Schule.

Dies klingt eher unspektakulär, Fakt ist aber, dass die Organisation der Praktika 60 Stunden mehr in Anspruch nahm als in normalen Jahren. "Corona hat alles verändert. Wir haben Vereinbarungen getroffen, die am nächsten Tag schon wieder hinfällig waren. Es war wirklich nicht einfach, aber letztlich hat alles geklappt", so Whetzal. Will heißen: Alle FOS-Schüler konnten untergebracht werden.

"Unsere Praktikanten sind in Grundschulen, Kindertagesstätten, Behinderteneinrichtungen, bei Therapeuten, bei der Caritas-Sozialstation und bei den Rummelsberger Diensten eingesetzt", verrät Whetzal. Einige Schüler absolvierten darüber hinaus ihr Praktikum schulintern beim "Future Online Social School Project", das von Tina Hämmer-Stosch geleitet wird. Sie bringen Menschen mit Handicap den Umgang mit Computern näher.

Nicht lange überlegt

Florian Wick, Geschäftsführer Ergotherapie bei "Die Therapeuten", musste nicht lange überlegen, ob er Praktikanten aufnehmen sollte. "Ich erinnere mich noch genau, als ich selbst ein Praktikum gemacht habe. Das ist wichtig. Denn die Schüler müssen praktische Erfahrungen sammeln können", sagt er. Natürlich könnten in der Praxis derzeit nur medizinisch notwendige Anwendungen durchgeführt werden, aber "zum Glück sind unsere Therapieräume so groß, dass wir die Distanz wahren können".

So konnte Marie-Elaine Wolf in die verschiedenen Therapie-Bereiche hineinschnuppern. "Es war sehr interessant. Allerdings werde ich wohl beruflich in eine ganz andere Richtung gehen", sagt sie. Aktuell tendiere sie eher in Richtung Polizei oder zu einem juristischen Beruf. "Mein absoluter Traum wäre es, Gerichtsvollzieher zu werden", sagt sie. Prinzipiell sei es wichtig, einen Eindruck zu bekommen, was in den Berufen so auf einen zukomme, so Marie-Elaine Wolf. Persönlich habe sie vor allem eins gelernt: Ihr späterer Beruf muss unbedingt krisensicher sein.

"Sehr gut hat mir gefallen, dass die Therapeuten so gut mit den Patienten zusammenarbeiten und mit ihnen das weitere Vorgehen besprechen", zieht Wolf eine Bilanz. Jetzt sei erst einmal wieder Schule angesagt, bevor es im März mit dem Praktikum weitergeht.

Auch Sabrina Knauer hatte Glück. Sie absolvierte ihre fachpraktische Ausbildung beim Kinder- und Jugendtherapeuten Stefan Brendel. "Wir sind wahrscheinlich die einzige Praxis, die im Lockdown eine Praktikantin aufgenommen hat. Aber das ist nun mal die einzige Gelegenheit, in dieses Berufsfeld hineinzuschnuppern. Man muss die Praxis sehen, sonst hat man einfach keine richtige Vorstellung", sagt er.

Schon seit vielen Jahren nehme er Praktikanten auf - meistens interessierten sich Mädchen für seinen Beruf. "Ich hatte wirklich erst einen Jungen", so Brendel. "Ich habe mir den Beruf schon ungefähr so vorgestellt. Was mich aber überrascht hat, war, dass die Fälle so unterschiedlich sind. Die Kinder und Jugendlichen sind völlig verschieden, auch ihre Reaktionen", so Knauer. Nach Anweisung des Therapeuten konnte die Jugendliche kurze Konzentrations- und IQ-Tests mit Kindern durchführen. "Natürlich würde sie nicht dabei sein, wenn ein Patient an der gleichen Schule wäre", so Brendel.

Sabrina Knauer war von den ersten Wochen derart begeistert, dass sie in Erwägung zieht, einmal beruflich in diese Richtung zu gehen. Dass sie geduldig und ruhig ist, komme ihr entgegen. "Ich habe schon immer gerne anderen geholfen", sagt Knauer. Für sie sei das Praktikum auch ein Stückchen Normalität gewesen.

Vedran Sabor hat an der FOS den technischen Zweig gewählt. Er leistet sein Praktikum auf Distanz. "In der Werkstatt ist es schon anders, denn man kann mehr machen. Ich kann zu Hause nicht schweißen und sägen, weil ich das Werkzeug nicht habe", sagt der junge Mann. Die Theorie in der Elektronik könne auch gut online vermittelt werden. "Nur wenn wir Platinen fräsen und löten müssen, wäre es besser, in der Werkstatt zu sein", findet er.

Gut ausgestattet

"Ich mag Technik. Ich bin auch gut ausgestattet", sagt der Schüler und zeigt auf sein kleines Reich. In seinem Zimmer steht ein großer Computer mit zwei Monitoren. "Ich komme zurecht. Das Gute ist, dass ich nicht um sechs Uhr aufstehen muss, sondern dass ich hier sitzen und einfach meine Aufgaben erledigen kann. Aber mir fehlen meine Freunde schon ein bisschen, auch wenn wir online Kontakt halten", sagt Vedran Sabol. Nach den vielen Wochen Distanz-Unterricht und beobachte er außerdem, dass es nicht immer leicht sei, sich zu motivieren. "Ich mag Physik. Aber manche haben gar keine Lust mehr", erzählt der Schüler. Persönlich hat Vedran Sabol allerdings keine Motivationsprobleme, im Gegenteil: Während der letzten Monate hat der Schüler zu seiner Passion gefunden: Er ist sich sicher, dass er in Richtung Elektrotechnik gehen möchte und arbeitet jetzt mit Feuereifer auf dieses Ziel hin.