In vielen Frankenwald-Kirchen ist er zu Hause und hält einen meist milden Blick-Kontakt zu den Besuchern der hiesigen sakralen Gebäude - als Schutzpatron, Schützenheiliger und Beistand in besonderen Nöten - beispielsweise in Neuses. Es ist Sankt Sebastian, der überall an markanter Stelle am Hoch- oder Seitenaltar halbnackt und mit getroffenen Pfeilen positioniert ist: ein Symbol für den mitleidenden Glaubensbruder in schweren Zeiten, die wir auch gegenwärtig erfahren und durchleben müssen.

Warum war der Heilige, der am heutigen 20. Januar - zusammen mit Fabian - seinen Namenstag feiert, schon früher so beliebt? War es seine jugendliche Ausstrahlung, seine Leidensgeschichte oder die damit verbundenen legendären Wunder- und Erlösungs-Erzählungen.

Sebastian galt in der Zeit der Kreuzzüge als einer der beliebtesten Heiligen. Der ungewöhnlich schöne, junge Mann aus Mailand erlitt 288 das Martyrium unter dem berüchtigten römischen Christenverfolger, dem Kaiser Diokletian, in dessen Prätorianer-Diensten er fünf Jahre lang stand. Verurteilt wurde er, weil er sich für gefangene Mitchristen einsetzte.

Irene oder auch Lucina, eine Christin, wollte ihn schließlich nach seinem vermeintlichen Tod in der Nacht bestatten. Als sie noch Lebenszeichen bemerkte, nahm sie ihn mit in ihr Haus und pflegte ihn wieder gesund. Doch verleugnete Sebastian auch weiterhin seinen Glauben nicht, so dass man ihn schließlich mit Keulen erschlug. Bestattet wurde der heilige Sebastian schließlich in einer Katakombe, über die später eine Basilika errichtet wurde.

Gegen die Pest

Weil die Pfeile seiner Marter nicht den sofortigen Tod zur Folge haben, wurde Sebastian der mächtigste Schutzpatron gegen die Pest und gegen Unwetter, denn beide kommen "pfeilschnell aus dem Hinterhalt" - so deuteten das unsere gläubigen Vorfahren.

Zu seinem Ehrentag waren Wein-Wallfahrten üblich, das sogenannte Sankt-Sebastians-Minnetrinken. Auch wurden von den Pilgern heilkräftige Sebastiansbrote verzehrt oder schützende Sebastianspfeil-Amulette erworben.

Sebastian war nicht nur der Schutzheilige der Kreuzritter und Kriegsinvaliden, sondern auch der Soldaten, Sportschützen, Schützengilden und -vereine, der schwachen und kränklichen Kinder sowie der Sterbenden überhaupt. Der heilige Sebastian ist deswegen Schützenpatron, weil er als Leibgarde-Offizier die Gewaltlosigkeit predigte und selbst das Ziel von Bogenschützen wurde.

Winzer und Landleute verehren den Viehseuchen-Heiligen als Wetterpatron. Eine Bauernregel besagt: "Sebastian je kälter und heller / Scheuer und Fass umso völler" oder: "Zum heiligen Sebastian / fängt der rechte Winter an!" Auch: "Sonniger Sankt Sebastian / lässt den Bauern das Futter ausgahn". Schließlich: "Am Tag von Fabian und Sebastian / fängt der Baum zu treiben an". Nach der alten Wetterregel schießt an Fabian und Sebastian der Saft in die Bäume, es darf in vielen Gegenden von nun an kein Holz mehr gefällt werden.

Zahlreiche ikonographische Darstellungen zeigen den Heiligen als jungen Mann, halbnackt an einem Baum oder eine Säule gefesselt, und von Pfeilen durchbohrt. Als Pestheiliger wurde er oft mit dem heiligen Rochus zusammen dargestellt. Nur wenige Heilige sind in der bildenden Kunst so oft dargestellt worden wie der Märtyrer Sebastian. Zu sehen ist der Pfeilmärtyrer auf Mosaiken, an Glasfenstern, in Gemälden (Holbein), Holzschnitten (Schongauer) und in Form von Altarfiguren (Grünewald - Isenheimer Altar). Sein Gedächtnistag ist schon im ältesten christlichen Kalender Mitte des vierten Jahrhunderts nachgewiesen. Legenden folgen wenige Jahrzehnte später. Sein Popularität erlangte Sebastian als Patron der Pestkranken, die von Sebastiani-Bruderschaften betreut wurden. Diesem Patronat lag ein mittelalterliches medizinisches Prinzip zugrunde, wonach die Pest-Ursache wie andere Krankheitserreger auch mit Pfeilschüssen verglichen wurden.

680 nach Christus war in Rom eine Pest-Epidemie ausgebrochen, die Tausende von Menschenleben forderte. Nachdem die Gläubigen in ihrer Verzweiflung die Reliquien des heiligen Sebastian durch die Straßen getragen hatten, soll die Seuche erloschen sein.

Charakterlich bewährte sich der einstige junge Offizier Sebastian durch Zuverlässigkeit und Mitmenschlichkeit. Er half Kranken und stand ihnen bei - obgleich dies für ihn Gefahr bedeutete: Tugenden, die wir auch heute in Zeiten von Corona von vielen Menschen kennen.