Bei einem Konzert in der Kirche St. Bartholomae brachte die Chorvereinigung des Gesangvereins Untersteinach (Leitung Heiner Beyer) und des Singkreises Gesees (Leitung Rüdiger Bauriedel) zusammen mit einem fast 20-köpfigen Streichorchester die Steigermesse und den Kolendaliederzyklus "Cicha Noc" zu deutsch "Stille Nacht" zu Gehör.
Die beiden Werke können unterschiedlicher nicht sein. Und dennoch fand sich ein gemeinsamer Spannungsbogen. Die eingängige, leicht singbare und dennoch durch musikalische Perlen veredelte Steigermesse bildete den verhaltenen ersten Programmpunkt zu einem sich immer mehr steigernden Einstieg in weihnachtliche Stimmung, welche die Cicha Noc des polnischen zeitgenössischen Komponisten Maciej Malecki zur Krönung brachte.
Doch eines nach dem anderen. Die Steigermesse hat ihren Namen vom Komponisten. Philipp Steiger war Deutsch-Ungar, der in Budapest vor dem Krieg Musik studierte, in den Wirren des Krieges nach Bayern floh, wegen anhaltender Krankheit sehr zurückgezogen lebte und mehrere Jahrzehnte in Speichersdorf als Organist und Kantor wirkte. Dort komponierte er eine Messe in lateinischer Sprache für eine katholische Nachbargemeinde. Seine Tochter, die in Untersteinach wohnende Marika Söllner, verwaltet seinen musikalischen Nachlass und vermittelte die Erstaufführung der Steigermesse in unserer Gegend. Heiner Beyer übernahm das Dirigat, und der 80 Personen starke Chor brachte die Musik - ergänzt durch das Orchester - agogisch fein differenziert zum Leben.
Das zweite Werk des Abends war der Zyklus "Stille Nacht" des polnischen Komponisten Malecki. Die Noten für dieses Werk gibt es (noch) nicht im Druck. Rüdiger Bauriedel stellte die Verbindung zum Komponisten her, erhielt Notenmaterial von diesem zur Verfügung gestellt, übersetzte zusammen mit Heiner Beyer die polnischen Texte ins Deutsche, sorgte für einen musizierbaren Druck, und beide Chöre übten die Musik während des Jahres ein. Der Komponist freute sich so sehr über dieses Projekt, dass er eigens aus Warschau anreiste, um eine Probe und die Aufführungen mitzuerleben, wobei er auch hilfreiche Tipps zur Realisierung gab, die Rüdiger Bauriedel beim Dirigieren gerne aufnahm.
Die schwierigste Aufgabe hatte das Orchester zu leisten, denn Malecki malt durch dessen Klang die Atmosphäre des Weihnachtsgeschehens aus. Das Orchester meisterte sie recht gut. Wohl kaum jemand konnte sich diesen emotionalen Eindrücken entziehen, und der Chor brillierte durch große Klangqualität.
Den Abschluss bildete ein speziell für dieses Konzert arrangiertes fränkisches Weihnachtslied, das Malecki sozusagen als Gastgeschenk mitgebracht hatte. Viele empfanden es so: Das war gelebte deutsch-polnische Partnerschaft. red