Aus der U-Haft wurde der Angeklagte, der aus dem Landkreis Bad Kissingen kommt, in den Gerichtssaal gebracht. Im Frühjahr sei ein Haftbefehl gegen ihn ergangen, sagt die Vorsitzende Richterin der Großen Jugendkammer des Landgerichts Schweinfurt.

Der Staatsanwalt wirft dem Angeklagten vor, in der Zeit von März bis Oktober 2019 die Tochter seiner damaligen Lebensgefährtin achtmal sexuell missbraucht zu haben - in vier dieser Fälle ist von schwerem sexuellen Missbrauch des Kindes die Rede, das damals auch seine Schutzbefohlene gewesen sei. Gerade er hätte wissen müssen, wie schwerwiegend und verwerflich diese Taten sind. Der Angeklagte ist von Beruf Polizist.

Laut Staatsanwalt fanden die Missbrauchstaten überwiegend im Wohnzimmer der gemeinsamen Wohnung statt, wenn die Mutter des Kindes nicht anwesend war. Dabei habe sich der Angeklagte von der Achtjährigen auf verschiedene Weise sexuell befriedigen lassen. Mehrmals soll es zu Übergriffen gekommen sein, nachdem der "Papa" die Stieftochter von der Schule abgeholt hatte. Einmal habe der sexuelle Missbrauch stattgefunden, als der Polizist und das Mädchen auf der Rückfahrt vom Besuch einer Tante gewesen seien. Dazu sei der Angeklagte von der Bundesstraße auf einen Feldweg abgebogen.

Kinderpornos auf dem Handy

Der wohl schwerste sexuelle Missbrauch der Achtjährigen geschah laut Staatsanwalt im Herbst 2019, als die Mutter des Kindes in einer Klinik behandelt werden musste. Die sexuellen Handlungen hätten nunmehr im Schlafzimmer der gemeinsamen Wohnung stattgefunden. Bei allen acht angeklagten Taten habe der Mann "gehandelt, um sich sexuell zu erregen", sagt der Staatsanwalt.

Nach der Trennung des Paares bezog der Mann eine neue Wohnung. Bei einer Hausdurchsuchung dort fanden Ermittler auf seinem Handy "mindestens 63 Bilddateien mit kinderpornografischem Inhalt und 21 Bilder mit jugendpornografischem Inhalt". Dass auch der Besitz solcher Dateien strafbar sei, habe der Angeklagte ebenfalls gewusst, so der Staatsanwalt.

Der Angeklagte bedeckt sein Gesicht, bricht immer wieder in Weinkrämpfe aus. Sein Verteidiger will die Öffentlichkeit schon vor der Verlesung von der Verhandlung ausschließen lassen. Dabei aber macht die Strafkammer nicht mit. Die Anklageverlesung bleibt öffentlich. Nur die Aussage des Angeklagten und der Geschädigten - des mutmaßlich missbrauchten Mädchens - findet im Hinblick auf deren schutzwürdige Interessen nichtöffentlich statt. Auf Anfrage teilt der Gerichtssprecher Thomas Fenner mit, der Angeklagte habe "die Tatvorwürfe ganz überwiegend eingeräumt". Für den Prozess sind vier weitere Verhandlungstage vorgesehen.