Der "Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen" ist ein am 25. November jährlich abgehaltener Gedenk- und Aktionstag zur Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt jeder Form gegenüber Frauen und Mädchen. In einer Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Mittelfranken wird eine typische Situation geschildert.

Jeder Streifenbeamte kennt diese Situation: Man wird zu einem Familienstreit gerufen. Das zumeist weibliche Opfer berichtet über häusliche Gewalt, ist vielleicht sogar verletzt. Die Beamten nehmen sich der Frau an, treffen im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten Maßnahmen wie die Aussprache eines Platzverweises oder die Anordnung eines polizeilichen Kontaktverbots.

Wenige Tage später meldet sich die Geschädigte bei den Beamten und teilt mit, dass sie nun doch keine Anzeige erstatten möchte und sich wieder mit ihrem Ehemann vertragen hat. Für Außenstehende möglicherweise völlig unverständlich. Nicht aber dann, wenn man sich mit der oft schweren und ausweglos erscheinenden Situation von Opfern häuslicher Gewalt befasst.

Betroffene Frauen finden sich nach dem ersten Übergriff in einer Spirale der Gewalt wieder. Einem Teufelskreis aus Machtausübung, Kontrolle, Eifersucht. Aus Entschuldigungen, Beteuerungen, es würde nie wieder geschehen, Hoffnung und wieder Enttäuschung.

Oft sind Kinder dabei

Häusliche Gewalt stellt in der Statistik keine eigene Deliktsform dar. Man spricht daher von einem "Phänomenbereich", der verschiedene Straftaten aufweisen kann. Im Jahr 2019 verzeichnete das Polizeipräsidium Mittelfranken etwa 3400 Fälle von häuslicher Gewalt. In rund 1100 Fällen wurden Frauen nach einer Trennung Opfer. In rund 1000 Fällen ereigneten sich die Taten zwischen Ehepartnern. In 80 Prozent dieser Fälle waren die Opfer weiblich und die Täter männlich. In über 40 Prozent der Fälle waren Kinder bei der Tatausführung anwesend und mussten somit zumindest mittelbar entsprechende Gewalterfahrungen erleben.

Hohe Dunkelziffer

Gerade in der momentanen coronageprägten Zeit ist es für betroffene Frauen besonders schwer. Sind Menschen über längere Zeit auf engstem Raum zusammen, entladen sich Spannungen und Gewalt schneller. Hinzu kommen zusätzliche Belastungen wie Sorgen um die eigene Gesundheit, einem Jobverlust oder Zukunftsängsten. Dennoch ist seitens des Polizeipräsidiums Mittelfranken seit März 2020 kein signifikanter Anstieg von Fällen häuslicher Gewalt zu verzeichnen. Das Dunkelfeld sei jedoch gerade in diesem Bereich sehr hoch, und Opfer zeigen Straftaten oftmals erst nach Jahren voller Gewalterfahrungen bei der Polizei an.

Am Tag gegen Gewalt an Frauen sollen Opfer von häuslicher Gewalt ermutigt werden, diesen Schritt heraus aus der Gewaltspirale zu gehen. Es gibt vielfältige Hilfsangebote, teilt die Polizei mit. Menschen, die mit viel Engagement und Einfühlungsvermögen professionell helfen und schützen.

Auszugsweise werden folgende Einrichtungen genannt: das Hilfstelefon "Gewalt gegen Frauen": 08000/116016, der Krisendienst Mittelfranken: 0911/424855-0, die Beauftragten der Polizei für Kriminalitätsopfer: 0911/2112-1331, www.polizei.bayern.de/schuetzenvorbeugen/beratung/frauenundkinder/index. html/49209 sowie das Opfertelefon des Weißen Rings: 116006. pol