Traditionell hatten die Freien Wähler im Landkreis zum politischen Aschermittwoch nach Hemhofen eingeladen. Bei Hering und Kartoffeln wurde das politische Geschehen in Rathaus und Landratsamt kommentiert. Dabei stellten die Kreisvorsitzende Irene Häusler und Landratskandidatin Regina Enz klar, die politische Kraft der Mitte sei bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen - und den amtierenden Landrat abzulösen.

"Als Kreisvorsitzende rede ich eigentlich nicht über die Politik in Berlin oder München", sagt Irene Häusler. Doch diesmal sei es anders. "Denn wir auf kommunaler Ebene müssen immer ausbaden, was da oben entschieden wird." Als aktuelles Beispiel nennt Häusler die Einführung der Bon-Pflicht: "Die Politik macht mit immer mehr Bürokratie den Mittelstand kaputt. Dadurch wird unsere Region ärmer", betont die Kreisvorsitzende. "Deshalb lächle ich nur müde, wenn der Entbürokratisierungsbeauftragte sich für die Abschaffung von drei Verordnungen feiern lassen will. Denn gleichzeitig haben die 100 neue Regelungen geschaffen", kritisiert Häusler. Dies führe im Landratsamt dazu, dass Baugenehmigungen inzwischen über ein halbes Jahr dauern. Häusler: "Söder sagt, wenn ein Antrag länger als drei Monate braucht, sollte er automatisch als genehmigt betrachtet werden. Der soll lieber mal in seinen Ämtern fragen, wie die Realität aussieht."

Transparenz ist Trumpf

Diesen Ball nimmt auch Stefan Mächtel gerne auf. Der Ortsverbandsvorsitzende der Freien Wähler wirbt für mehr Transparenz in der Politik. "Natürlich muss man dem Bürger auch einmal negative Dinge sagen", betont Mächtel. "Aber wichtig ist es, die Menschen mitzunehmen und zu erklären, wie die Lage ist und welche Alternativen es gibt." Doch dies komme im Alltag nur selten vor, wohl auch deshalb, weil die Funktionäre etablierter Parteien über zu wenig Überzeugungskraft verfügten.

"Bei mir dürfen Sie diese voraussetzen. Sonst stünde ich heute nicht als Landratskandidatin hier", merkt Regina Enz an. "Denn junge Menschen, insbesondere Frauen, haben es in der Politik auch heute nicht einfach. In keiner Partei", sagt die 31-jährige Landratskandidatin.

Vor einem Jahr war Enz, die damals noch Dukart hieß, beim politischen Aschermittwoch in Hemhofen erstmals auf die politische Bühne des Landkreises getreten. Von der Zurückhaltung einer politischen Newcomerin ist heute nichts mehr zu spüren. Selbstbewusst spielt sie auf Angriff. "Der Landrat versucht, das Thema ÖPNV zu kapern", kritisiert Enz. "Mit einem 365-Euro-Ticket will er Wähler umgarnen und Busse attraktiver machen", resümiert sie. "Das zeigt: Der Landrat hat das Problem nicht verstanden." Denn, so hätten die Freien Wähler beobachtet, noch immer seien viele Busse im Landkreis leer unterwegs. "Wer knapp 400 Euro für ein Jahresticket ausgeben muss, bleibt beim Auto", sagt Enz. "Denn das muss er ohnehin bezahlen."

Die Landratskandidatin setzt dagegen wie ihre Kollegen aus der Kreistagsfraktion auf das 1-Euro-Ticket. "Egal wie weit Sie fahren. Egal um wie viel Uhr Sie unterwegs sind - sie sollen immer einen Euro bezahlen", fordert Enz und erntet großen Applaus.

Überhaupt ist Verkehr ein wichtiges Thema für Enz: "Denn es geht jeden von uns an. Jeden Tag." Deshalb beklagt sie, dass andere Gruppierungen im Kreistag an der Stadt-Umland-Bahn (StUB) Erlangen festhalten, die im Rahmen eines Bürgerentscheids deutlich abgelehnt worden sei. "Denn Schienensysteme sind für die heutige Zeit zu unflexibel." Enz will deshalb auf straßenbahnähnliche Fahrzeuge mit Elektro-Antrieb setzen. "Mit eigener Trasse oder entsprechenden Sonderrechten ausgestattet, bieten diese alle Vorteile einer Straßenbahn", ist Enz überzeugt. Gleichzeitig bleibe die Streckenführung flexibel. "Vor allem aber ist ein kurzfristiger Einsatz möglich. Während die StUB, wenn überhaupt, frühestens in 20 Jahren fährt." Auch dafür erntet Regina Enz große Zustimmung.

Keine "Massenmenschhaltung"

Problematisch ist für Enz auch die Einstellung der Bundesregierung. "Die Partei unseres Landrats lässt sich in Berlin von Menschen beraten, die uns durch Abschaffung der Pendlerpauschale in die Großstädte zwingen wollen", beklagt Enz. "Betriebswirtschaftlich ist es für den Staat freilich am sinnvollsten, wir wohnen auf engem Raum in Plattenbauten." Besser sei es, die Wohnsituation zu entzerren: "Wir brauchen eine Stärkung des ländlichen Raums, keine Massenmenschhaltung."

Das kommt an - besonders bei den Jungen Freien Wählern. Zu diesen zählt auch Olli Fischkal. Der Adelsdorfer Karnevalist umrahmt den politischen Aschermittwoch in seiner Paraderolle als musikalischer Schiedsrichter.

Den Schlusspunkt setzt dann der alte Landratskandidat. Martin Oberle präsentiert seinen neuen Wahlkampfsong. Unterstützt wird er dabei von Regina Enz und ihrem Vater, Viktor Dukart, auf dem Akkordeon. Beschwingt stellt das Trio fest: "Wir sind für den Wechsel bereit." red