"Andi, bist du da?" Tobias Kühnlein stellt diese Frage seit neun Wochen jeden Freitagabend. Aus einer spontanen Laune heraus haben er und sein Gesprächspartner Andreas Wilsdorf Anfang März einen Audio-Podcast gestartet, der die einstigen Weggefährten über eine Distanz von 1200 Kilometern miteinander verbindet. Der treffende Titel: "Die lange Leitung".

Zwischen 70 und 90 Minuten plaudern der gebürtige Forchheimer Kühnlein und Wilsdorf, beide Kinder der 80er, über alles, was ihnen in den Sinn kommt oder worauf sie Lust haben: Filme, TV-Serien, Videospiele, Bücher, nostalgische Rückblicke auf Dinge, die früher besser waren, aber auch über aktuelle Ereignisse und Entwicklungen wie - natürlich - die Corona-Krise und - ganz aktuell - die politische Situation in Wilsdorfs Wahlheimat.

Der gebürtige Hesse lebt und arbeitet seit zwei Jahren in Serbiens Hauptstadt Belgrad und ist in diesen Tagen ganz nah dran an den Hausfrauen, die allabendlich auf die Kochtöpfe schlagen, um gegen das diktatorisch anmutende Regime zu protestieren.

Auch über solche ernste tagesaktuelle Themen reden Kühnlein und Wilsdorf. Und das sogar gerne. "Es kann, darf und muss nicht immer albern und belanglos sein. Manchmal wollen wir tatsächlich auch ernste Dinge ansprechen und nicht nur einen albernen Witz nach dem anderen reißen", erklärt Kühnlein.

Nachdenkliches zum Muttertag

Und so plaudern er und sein Gesprächspartner in der aktuellen Ausgabe vom 8. Mai erst einmal eine Viertelstunde über die Situation in Belgrad und die Hintergründe, bevor es dann zunächst wieder um leichter verdaubare Themen geht. Erst am Ende wird es zum Thema Muttertag nochmal nachdenklicher und ruhiger.

Kühnlein und Wilsdorf kennen sich von ihrem Hobby, dem Wrestling; genauer gesagt von der deutschen Wrestling-Liga "New European Championship Wrestling". Andreas Wilsdorf, einst als Ringrichter und Kommentator dort aktiv, erkannte das stimmliche Talent seines Kollegen, der bis dahin nur als Grafiker für die Liga tätig war. Wilsdorf holte ihn als Co-Kommentator für die Veranstaltungen ans Mikrofon. Dort kommentiert Kühnlein bis heute die Show-Kämpfer und deren Aktionen, während Wilsdorf Mitte 2018 den beruflichen und privaten Weg ins Ausland einschlug.

2000 Zuhörer

In Kontakt geblieben sind beide aber bis heute und sitzen jetzt für ihren Podcast wieder ein Mal die Woche zusammen am Mikrofon - wenn auch - anders als am Wrestling-Ring - mit über eintausend Kilometern Distanz.

Tobias Kühnlein, im Landkreis Forchheim aufgewachsen, glaubte zu Beginn nicht an die Zukunft des publikumswirksamen Gesprächs: "Ich sagte damals, dass wir nur weitermachen, wenn uns wenigstens 200 Leute hören." Die Statistik war auf ihrer Seite: Nach neun Wochen erreicht der Podcast mittlerweile im Schnitt über 2000 Zuhörer. Also plaudern Wilsdorf und Kühnlein weiter.

"Vielleicht wird unser Podcast deswegen so gut angenommen, weil wir uns im Gegensatz zu vielen anderen kleinen Podcasts nicht auf ein Thema oder ein Gebiet versteifen. Wird ein neuer Film angekündigt, plaudern wir darüber. Bewegt uns etwas aus dem Weltgeschehen oder der Politik, dann thematisieren wir eben das. Und manchmal plaudern wir einfach planlos drauf los und schauen, was rauskommt", erklärt Wilsdorf.

In einer Woche steht Folge 10 an. Konkrete Pläne gibt es nicht, aber es solle sich schon nach einer "besonderen Folge" anfühlen. "Vielleicht gibt es einen Gast", verrät Kühnlein.

Internetadressen

"Die lange Leitung" ist zu erreichen unter www.facebook.com/dielangeleitung und www.instagram.com/langeleitung_podcast. ie aktuelle Folge "Muttertag, Proteste und fast furioses Spielzeug" steht zur Verfügung. Der Podcast kann kostenlos gehört werden unter anderem bei Spotify, Google-Podcasts und Apple-Podcasts. red