von unserer Mitarbeiterin Katja Nauer

Coburg — "Mit dem Saxofon kann man die Eltern in den Wahnsinn treiben", sagt Uwe Gutberlet, Musiklehrer für Klarinette und Saxofon, und pustet in ein Mundstück, das er vom Instrument gelöst hat. Das gibt quäkende Töne von sich, die wirklich gehörig auf den Hör-Nerv drücken.
Der achtjährige Paul darf es gleich einmal probieren. "Die Lippen werden über die Zähne gezogen", erläutert Gutberlet, "damit wir das Blatt nicht kaputt machen." Dass das gar nicht so einfach ist, merkt Paul schnell. Immerhin bringt er nach einigem Üben am Instrument die Tonfolge G, A, H und C fertig. "Damit hast du schon die ersten Töne gelernt", sagt Gutberlet, der mit der Blaskapelle Meeder im Landratsamt vertreten ist.
"Wir stellen die Instrumente im ersten Jahr kostenfrei zur Verfügung", sagt Dirigent Markus Hollstein von der Blaskapelle Meeder, "die qualitativ hochwertige Ausbildung unterstützen wir finanziell." Immerhin ein Drittel der Kosten übernimmt der Verein. Voraussetzung dafür ist die Mitgliedschaft.
"Den ganzen Tag lang können sich Musikinteressierte bei sieben verschiedenen Musiklehrern und Musikschulen informieren", erläutert Marc Holland vom Fachbereich Bildung, Kultur und Sport im Landratsamt, der für die Organisation verantwortlich ist. "Wir hatten mehr Bewerber vorliegen, als wir nehmen konnten." Die Musikschulen durften nicht alle Instrumente mitbringen, die sie in ihrem Repertoire hatten. "Wir haben 18 Instrumente ausgewählt", sagt Holland.

"Aufgabe der Gesellschaft"

Landrat Michael Busch betont: "Es ist Aufgabe der Gesellschaft, Kinder und Jugendliche an die Musik heran zu bringen. Musik kommt in der Schule viel zu kurz." Natürlich könne man dem Landkreis vorwerfen, vor zehn Jahren die Musikschule aufgelöst zu haben, greift er möglicher Kritik vor. Doch diese Maßnahme habe nicht er zu verantworten gehabt. Über eine Unterstützung der Musikschule der Stadt Coburg könne man nachdenken.
Paul interessiert sich sehr für das Cajon, eine Holzkiste, auf der man sitzen und trommeln kann. Bei Profimusiker Vladimir Sigarev darf er ein Solo spielen. Begleitet wird er dabei von zwei Mädchen, seinem Vater und Michael Busch. Begeistert trommeln sie den Rhythmus von "We will rock you" und finden kein Ende. Pauls Vater Björn Wicklein, ein Coburger, erzählt: "Paul hat schon einmal einen Schnupperkurs mitgemacht. Jetzt möchte er mit Cajon anfangen."
"Cajons gibt es viele", erzählt Sigarev, der Bunte-Smarties-Päckchen verteilt und die Kinder diese rhythmisch schütteln lässt, um sie spielerisch an die Percussion-Instrumente heranzuführen. "Da gibt es das Bass-Cajon, das Cajinto-Cajon, das übrigens Roland Peil von den "Fantastischen Vier" spielt, und die kleine Ausgabe davon, das Cajonito."
Bei Berufsmusiker Tim Schäftlein aus Lautertal, dessen "Mentor" der Musiklehrer Herbert Kosubek aus Neustadt war und der die Berufsfachschule für Musik in Kronach besucht hat, steht die neunjährige Isabell aus Witzmannsberg und übt auf dem Akkordeon. Der Opa hat ihr ein Kinderakkordeon geschenkt. Bei ihm hat Isabell ihre ersten Musikversuche gestartet. Nun möchte sie das Spielen richtig lernen. Das Lied "Alle meine Entchen" kann sie schon.
Und wie kam der Musiker, der auch Keyboard und Klavier lehrt, zum Akkordeon? "Ich habe mit der Melodica angefangen", erzählt er, "und sehr schnell gemerkt, dass Tasteninstrumente genau mein Ding sind."

Nach 30 Jahren Pause

Kerstin Reinmüller arbeitet im Landratsamt und nutzt die Gelegenheit, den Musiker zu fragen. "Ich habe als Kind auch Akkordeon gespielt", sagt sie, "aber seit 30 Jahren nicht mehr." Jetzt hat sie sich auf dem Flohmarkt ein Instrument gekauft und erhofft sich bei Schäftlein einen Buchtipp zum Wiedereinstieg.
Nun ist der erste Workshop im Gange. Früh um 10.30 Uhr sind es noch nicht so viele Besucher. Im Laufe des Vormittags füllt sich das Landratsamt. Die Musikschule Coburg nutzt die Ruhe vor dem Sturm für ein kleines Privatkonzert. "Wir haben 24 Lehrkräfte", sagt Schulleiter Dietmar Schaffer, "und sind Anlaufstelle für Jung und Alt."
Im Workshop singt Heiko Friedrich von der Musikschule Sempre Musica mit der fünfjährigen Julia aus Eicha. Seit einem knappen Jahr bietet er unter anderem Gesang- und Stimmbildung an.
Julia schaut sich genau nach dem passenden Instrument um. "Was am Ende am schönsten ist, das nehme ich."