Leserbrief zum umstrittenen Windpark auf dem Tonberg im Bürgerwald:

Ein Segen ist die Abkehr von der lebensbedrohlichen Atomwirtschaft, paradox aber die Planung alternativer Energien in raren, noch geschlossenen Naturzonen. Ein Segen ist unsere kleingliedrige, naturnahe Heimat mit ihren Waldhügeln, Wiesentälern, Denkmalsorten, Ruinen und Schlössern - zu Recht fränkische Toskana geheißen -, mit Wildkatze, Schwarzstorch und Biber. Ein wirklicher Dank gebührt dem Kreisheimatpfleger Günter Lipp und dem Altförster Eberhard Ponader für ihre andere Optik und ihre Mahnung an die Schönheit hierzulande.
Scheinbar aber ist im aufdringlichen Jubel der Technokratie der Schutzstatus eines Naturparks keinen Pfifferling mehr wert, wenn die zwei oder drei Pfifferlinge der Energiewirtschaft locken. Die Achtsamkeit vor den eigenen Kultur- und Naturschätzen fehlt; das Haßbergland ist regelrecht eine Schatzinsel voller oftmals verborgener, auch kulturhistorischer Perlen, im wörtlichen Sinne über Wald und Flur verstreut, auch voller reservatswürdiger Landstriche.
Am Kirchlauterer Tonberg (458 Meter) wird mit dem Haßwald nicht nur einer der wenigen größeren Waldflecken Unterfrankens angerissen, sondern mit seinen Blauen Tongruben auch ein kleiner (und weithin unbeachteter) Kulturschatz des 17. Jahrhunderts beschädigt.


Bedrohliche Frage

    Die bedrohliche Frage ist nahe liegend: Welche weiteren, windtechnisch herausragenden und vermutlich renditesicheren Waldhügel sind noch anvisiert? Der Lußberg (460 Meter) mit seiner mittelalterlichen Waldtöpferei des 13./14. Jahrhunderts mit Veitenstein und Querkeleshöhle, der Hühnerberg (440 Meter) mit der nahen historischen Fluchtstätte "Hohler Stein", der Steinert (426 Meter) mit seinen mysteriösen Heilsteinen und der Mariengrotte, das aufgelassene wildschöne Naturwaldreservat Stachel (482 Meter) oder der Haubeberg (431 Meter) mit Ruine Raueneck?
Fraglos benötigen wir dezentrale erneuerbare Energiequellen, und zweifellos auch brauchen wir eine offene, respektvolle, bürgerbeteiligte Diskussion und Entscheidungsfindung. Ich wünsche mir eine breite Offenlegung der oft benannten GUT-Windgutachten: Weniger das Ob als vielmehr das Wo der Windräder ist erneut anzufragen.
Ackerland, Wiese oder Brache (wie im Schweinfurter Land) tun's auch. Die schmalen Haßbergläufe aber sind keine Industrielandschaft, Gott sei's gedankt. Die Frage allerdings, ob sie zu den "geretteten Landschaften" Bayerns zählen dürfen, ist unentschieden.

Dr. Thomas Friedrich
Jesserndorf